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ENGELBERG: Der Herrscher über das Feuer

Wenn in den Shows des Schweizer Fernsehens Feuerwerk und Spezialeffekte für optische Höhepunkte sorgen, war Erich Frey am Werk. Diesen Sommer lässt es der Hochdorfer Pyrotechniker auch an den Winnetou-Freilichtspielen richtig krachen.
Philipp Unterschütz
Erich Frey (rechts) und Thomas Drosos tüfteln an der Pyrotechnik für die Winnetou-Freilichtspiele. (Bild: Corinne Glanzmann (Hochdorf, 9. Mai 2018))

Erich Frey (rechts) und Thomas Drosos tüfteln an der Pyrotechnik für die Winnetou-Freilichtspiele. (Bild: Corinne Glanzmann (Hochdorf, 9. Mai 2018))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

Ob er als Pyrotechniker auch ein Pyromane sei? – Diese Frage werde ihm oft gestellt, meint Erich Frey. Der gross gewachsene 59-Jährige lächelt. «Ich bin kein Zeuslibueb. Mich fasziniert die Technik. Wie man mit Computern Feuer kontrollieren oder drinnen in Räumen und Hallen Feuerwerk abbrennen kann.» An erster Stelle stehe immer die ­Sicherheit. «Ich bin grundsätzlich ein ängstlicher Typ.» Umso mehr, als man bei Feuerwerk nie eine hundertprozentige Sicherheit garantieren könne. «Auch wenn noch nie ein Unfall passiert ist – bei jeder Produktion atme ich auf, wenn die Dernière vorbei ist. Meine Techniker vor Ort müssen mir nach jeder Show bestätigen, dass alles glatt gelaufen ist.»

Vor 20 Jahren fand «Palmen-Erich», wie er in der Branche ­genannt wird (den Spitznamen bekam er, weil schon verschiedentlich Palmen von seinen ­Effekten abgefackelt wurden), durch ein Engagement in einer Musikshow beim Schweizer Fernsehen SRF den Einstieg ins Business mit Showeffekten. Wenn heute in einer einheimischen Fernsehproduktion ein Feuerwerk zu sehen ist, wurde dieses von Frey und seiner Firma Crazy Flash aus Hochdorf konzipiert und aufgebaut. «Von Kunden höre ich manchmal, solche Effekte seien ein teurer Luxus für eine Show. Wenn dann aber eine Show beworben wird, sind sie mit Sicherheit zentraler Teil des Trailers oder des Plakat-Fotos.» Es sei halt schon so, dass Menschen das Spektakel suchten. «Wenn wir ­etwas zünden, dann geht ein ­Raunen durchs Publikum.» Es ist aber oft auch eine Gratwanderung. Einerseits müssen die Shows immer spektakulärer sein. Andererseits – und das würden viele Regisseure nicht gerne ­hören – seien für viele Leute die ­Effekte ein sehr wichtiger Grund, weshalb ihnen eine Show gefalle. «Viele Regisseure und Schauspieler mögen es aber nicht, wenn ihnen unsere Effekte die Schau stehlen.»

Erich Frey ist auch Hoflieferant und Berater für Karl’s kühne Gassenschau, die nicht zuletzt wegen ihrer Showeffekte von sich reden macht. Praktisch alle Schweizer Open-Air-Festivals greifen auf seine Dienste zurück, und für viele Weltstars hat er an ihren Schweizer Konzerten gearbeitet – von den Rolling Stones bis zu Lady Gaga. «Momentan sind die DJs angesagt. Und weil die praktisch nichts auf der Bühne haben, dürfen wir umso mehr machen», erzählt Erich Frey beim Rundgang durch seinen ­Betrieb mit grossem Lager in Hochdorf. Nicht nur gasbetriebene Geräte, die Stichflammen in die Luft schleudern können, Abschussvorrichtungen für Feuerwerk, Rauchmaschinen oder ­gigantische Konfettikanonen stehen da, auch sackweise Konfetti oder Muster von Glasflaschen, die sich Schauspieler auf den Kopf hauen können und die beim Zerbersten keine Verletzungen verursachen. Etwa einen Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet Frey mit dem Handel von Theaterrequisiten und Effektgeräten.

Bei Winnetou explodiert nicht nur ein Ölbohrturm

Momentan steckt er mit seinen drei festangestellten Mitarbeitern in den Vorbereitungen für die Winnetou-Freilichtspiele, die vom 6. Juli bis 12. August in ­Engelberg stattfinden und neu zu seinen Kunden gehören. Dort wird unter anderem ein Ölbohrturm in die Luft gesprengt. Bei der Explosion eines Schwarzpulverlagers fliegen Fässer durch die Luft, oder Indianer springen mit den Pferden über eine Feuerlinie. Zum Einsatz kommen Gas, Benzin oder Pressluft, bereits laufen ausgiebige Tests vor Ort. «Es ist toll, was die Produzenten mit den Winnetou-Freilichtspielen auf die Beine stellen. Die spektakulären Effekte sollen helfen, dass sich das herumspricht und die Leute finden, ‹das muss man gesehen haben›.»

Zugang zu den Winnetou-­Geschichten fand Erich Frey über die Filme von Harald Reinl in den 1960er-Jahren, die er als Bub im Kino sah. «Da waren schon ­gewaltige Effekte drin, obwohl die technischen Mittel viel ­beschränkter waren als heute.» Die Original-Schallplatte mit der Filmmusik habe er noch heute.

Hinweis
Weitere Infos:www.crazyflash.chundwww.winnetou.ch

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