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ENGELBERG: Die Engelbergeraa wird jetzt gezähmt

Am Hochwasserschutzprojekt an der Engelbergeraa wird seit Mitte April gearbeitet. Schon im Herbst sind zwei neue Brücken fertig.
Philipp Unterschütz
Bei der Ziegelbrücke werden die Bohrpfähle für die Widerlager betoniert. (Bild Corinne Glanzmann)

Bei der Ziegelbrücke werden die Bohrpfähle für die Widerlager betoniert. (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Bereits zieht sich eine breite Kiespiste von der Gerschnibrücke bei der Talstation der Titlis-Bahnen bis zur Ziegelbrücke: Baupisten, verlegte Wege, geplantes Bachbett. Die beiden Brückenneubauten sind der momentane Schwerpunkt der Arbeiten an dieser ersten Etappe des Hochwasserschutzes an der Engelbergeraa, die am 11. April losgegangen sind.

Im Herbst sollen die Kunstbauten bereits eröffnet werden. Die Spannweiten der beiden Brücken sind deutlich länger als bisher, damit der Abflussquerschnitt der Engelbergeraa vergrössert werden kann. Um den Verkehr bei den Titlis-Bahnen nicht zu beeinträchtigen und auch für die logistische Nutzung wurde neben der Gerschnibrücke schon vor einem Monat ein Provisorium in Betrieb genommen. Unmittelbar da­neben wird an den Widerlagern für die neue Brücke gebaut.

Ziegelbrücke wird Blickfang

Auch an der Ziegelbrücke sind die Arbeiten an den Widerlagern im Gang. Der Bereich bei dieser Brücke war beim Unwetter 2005 eine Schlüsselstelle. Das Widerlager war unterspült worden. Die Engelbergeraa trat über die Ufer. Ein grosser Teil der Überschwemmungen in Engelberg hatte in diesem Bereich seinen Anfang. Nach dem Hochwasser wurde durch die Armee eine Notbrücke erstellt, die Ende 2012 durch ein Provisorium ersetzt wurde. Die neue Brücke wird anstatt der bisherigen knapp 12 Metern eine Spannweite von 25 Metern haben und damit den Abflussquerschnitt massiv vergrössern. «Und mit den Holzbogen, die Ende August aufgesetzt werden, wird sie dann auch noch ein Blickfang sein», ist Projektleiter Seppi Berwert überzeugt. Acht Arbeiter sind zurzeit auf den beiden Brückenbaustellen des Hochwasserschutzprojektes am Werk.

Seit April wurden zuerst wichtige Vorarbeiten geleistet. «Wir haben vor allem Werkleitungen für Wasser, Strom und TV, die vorher teilweise entlang des Bachbetts verliefen, verlegt. Einerseits an die neue Lage, anderseits auch auf das neue Niveau», erklärt Bauleiter David Rüedlinger. Zum Projekt gehören nämlich auch eine Erhöhung der Böschungen auf der Dorfseite und die Gestaltung des Gewässerraums. Vorerst wird allerdings noch nicht im Bachbett gearbeitet. «Damit beginnen wir erst im Herbst», sagt Seppi Berwert. «Im Sommer mit den möglichen Unwettern wäre das zu gefährlich, die Vorwarnzeit bei steigendem Wasser wäre zu kurz.» Der Durchfluss muss gewährleistet bleiben, und bis die Baustelle geräumt wäre, würde zu viel Zeit verstreichen. «Es darf nicht sein, dass wir mit der Baustelle für das Hochwasserschutzprojekt ein zusätzliches Hochwasserrisiko schaffen», ergänzt David Rüedlinger.

Signalisationen werden ignoriert

Bisher sind die Arbeiten am zweitgrössten Hochwasserschutzprojekt Obwaldens zügig und unfallfrei verlaufen. Sorgen machen am ehesten Spaziergänger und Velofahrer, die sich nicht um die Verbote oder signalisierten Umleitungen kümmern. Obwohl gut signalisiert, heisst es oft, man habe das nicht gesehen. Damit entschuldigt sich während unseres Baustellenbesuchs auch eine einheimische Velofahrerin beim Bauleiter. «Wir haben die Verbote und Abschrankungen signalisiert und im Amtsblatt öffentlich verfügt», erzählt Projektleiter Seppi Berwert. Gebüsst worden sei bis jetzt aber niemand. «Wir suchen das Gespräch mit den Leuten und versuchen Ihnen klarzumachen, dass sie sich in der Nähe der grossen Baumaschinen in Gefahr begeben.»

Es sei ein grosses Anliegen, dass die Verbote respektiert und die signalisierten Umleitungen benützt würden. «Ich hoffe sehr auf die Einsicht von Einheimischen und Touristen, so wie wir bis jetzt auch viel Verständnis von Anwohnern und betroffenen Landbesitzern erfahren haben.»

Und das ist auch nötig; acht Jahre dauert es noch, bis das Projekt fertig ist. Und die möchte man unfallfrei und möglichst ohne Reibereien hinter sich bringen.

Kosten betragen rund 30 Millionen

Im Bannwald (Nähe Golfplatz) soll ein Geschiebe- und Schwemmgutholz-Rückhalteraum mit einem Fassungsvermögen von 90 000 Kubikmetern entstehen. Von dort aus wird die Engelbergeraa auf einer Länge von 4 Kilometern (bis unterhalb des Eugenisees eingangs Tal) aufgeweitet – die Bachsohle wird zwischen 2 und 5 Meter breiter.

Zudem soll die rechtsseitige Böschung um bis zu 2,5 Meter erhöht werden, um das Dorf vor Überflutungen zu schützen. Der grössere Abflussquerschnitt benötigt zusätzliche Landflächen. Die Kosten betragen rund 30 Millionen und werden von Bund und Kanton mitgetragen. 2015 sicherte der Bund einen Beitrag von 65 Prozent zu.

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