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ENGELBERG: Die ganze Welt in heimischen Wäldern zu Gast

Der Blick aus dem Fenster auf den nahen Wald ist vielen Zentralschweizern vertraut. Welche Funktionen er für die Natur hat, darüber diskutierten diese Woche Fachleute aus aller Welt.
Josef Hess (Mitte) und Peter Lienert (rechts) auf ihrer Exkursion. (Bild Primus Camenzind)

Josef Hess (Mitte) und Peter Lienert (rechts) auf ihrer Exkursion. (Bild Primus Camenzind)

Die Leistungen und die Bedeutung des Waldes für Mensch, Tier und Umwelt: Dieses Thema stand im Mittelpunkt der Europäischen Waldwoche «Silva 2015», die diese Woche in Engelberg stattfand. Dass sich die 250 Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Repräsentanten der Holzindustrie aus 39 Ländern in Engelberg trafen, kommt nicht von ungefähr. Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt (Bafu), war sofort klar, dass sein Heimatort Engelberg der ideale Ort für diese Konferenz sein würde, als er von der UNO mit einem Teil der Organisation der «Waldwoche» beauftragt wurde. «Die zuständigen UNO-Vertreter aus Genf besuchten Engelberg und waren begeistert», freut er sich. Und Peter Lienert, Leiter des Obwaldner Amtes für Wald und Landschaft, bestätigt: «Nicht nur für die Arbeit im Konferenzraum, sondern auch für den Augenschein in freier Natur finden wir hier optimale Rahmenbedingungen.»

Zusammen mit Josef Hess unternahm Lienert am Freitag eine Exkursion auf die Sonnenseite des Tals – zusammen mit gut einem Dutzend «Waldmenschen», wie der Engelberger Talammann Martin Odermatt die Truppe nannte.

Unterwegs auf dem Brunni-Pfad

Der Brunni-Pfad vom Härzlisee in Richtung Rosenbold und zurück zur Bergstation Ristis ist ideal, um die Zusammenhänge von Berg, Wasser, Wald und Landschaft zu verdeutlichen. Im Zentrum des Interesses standen der Wald und seine Schutzfunktion für die Menschen im Dorf und in den Siedlungen.

Lienert brachte die Tatsachen folgendermassen auf den Punkt: «Ohne Wald hätte das Klosterdorf kaum entstehen und schon gar nicht überleben können.» Die beiden Experten zeigten die Entwicklung Engelbergs vom komplett überwaldeten Talkessel bis hin zur Klostergründung (1120), zur landwirtschaftlichen Besiedlung im Mittelalter und zu den Anfängen des Tourismus (etwa 1870) auf. «Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte mit dem Bau von rund 20 Hotels ein regelrechter Boom ein», so Hess. Und Lienert erklärte, dass Ferienhäuser und -siedlungen «auch dort gebaut wurden, wo es nie hätte sein dürfen!» – vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Wo im Mittelalter noch gerodet wurde, mussten zum Schutz der Bevölkerung vor Lawinen, Steinschlag und Wasser wieder neue Schutzwälder aufgeforstet werden. Die ausländischen Teilnehmer der Exkursion erfuhren dabei auch von den «Gefahrenkarten», die in unserem Land heute verhindern, dass in stark gefährdeten Zonen gebaut werden darf.

Wer vom Wald spricht, kommt auch um das Thema Jagd kaum herum. Peter Lienert und – als kompetenter Übersetzer ins Englische – auch Josef Hess beantworteten Fragen zu den Eigenheiten unserer Jagd und zur Rolle des Wildes in der Waldpflege. Der eine oder andere Gast war verwundert, zu erfahren, dass das helvetische Jagdvergnügen auch Leuten zugänglich ist, die keinen eigenen Wald besitzen.

«Hier kann man nur glücklich sein»

Begeistert über die Kurzwanderung auf dem Brunni-Pfad und die «Waldwoche» im Allgemeinen äusserte sich Victoria Piribauer. Als Vertreterin des österreichischen Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft nahm sie erstmals an einer internationalen Fachkonferenz teil. «Inhaltlich ist diese Woche genau das, was ich mir vorgestellt habe. Doch die Umgebung hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es gibt wohl keinen schöneren Ort, um den Forst, den Lebensraum und die Schutzfunktion des Waldes zu besprechen.» Die Problemstellungen, vor allem was den Schutzwald angehe, seien in ihrem Heimatland ähnlich. Trotzdem war die Wienerin nach der kleinen Wanderung in der freien Natur begeistert: «Hier kann man ja nur glücklich sein!», meinte sie.

Doch es wurde nicht nur gewandert, es wurden auch Beschlüsse gefasst. Die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Europa, Russland, Zentralasien, dem Kaukasus und Nordamerika verabschiedeten zuhanden der Mitgliederländer der Wirtschaftskommission der UNO (UNECE) und Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) Empfehlungen für die nachhaltige Waldbewirtschaftung. Die «Waldwoche» fand nach Rom (2008) und Rovaniemi (2013) zum dritten Mal statt.

Primus Camenzind

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