ENGELBERG: Die Zukunft der Sportler: Mit Social Media zum Erfolg

Im Hotel Bellevue statt im Kursaal ehrte die Sportmittelschule ihre diesjährigen Award-Gewinner. Freeskier Andri Ragettlis Video von seinem Sprung erhielt 100 Millionen Klicks und sicherte ihm den Titlis Award seiner Schule.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Die diesjährigen Award-Preisträger (von links): Mathilde Gremaud (Freestyle), Niels Hintermann (Ski alpin) und Niklas Hartweg (Nordisch).

Die diesjährigen Award-Preisträger (von links): Mathilde Gremaud (Freestyle), Niels Hintermann (Ski alpin) und Niklas Hartweg (Nordisch).

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

 

Es herrscht fast eine Stimmung wie an einer Filmpreisverleihung. Aufgeregtes Summen wie in einem Bienenstock. Ausnahmsweise findet die diesjährige Sportlerehrung der Sportmittelschule Engelberg nicht im Kursaal statt, der umgebaut wird, sondern im Hotel Bellevue. Der Festsaal im ersten Stock ist vollbesetzt. Es ist der Höhepunkt des Schuljahres: Die Sportmittelschule feiert sich und ihre Absolventen. Auf der Bühne stehen drei stimmig dekorierte Lounge-Ecken. Die Freestyler dürfen in der mittleren Platz nehmen. Porträtaufnahmen der nominierten Sportler wechseln sich auf den Leinwänden ab.

 

Später werden Videofilme die Leistungen der Athleten zeigen: Bei den Sprüngen, Salti und Schrauben der Freestyler vor herrlicher Landschaftskulisse, den eleganten und rasanten Schwüngen der Alpinfahrer bleibt so manchem Zuschauer der Atem weg. Mit einem Clip zur eigenen Vorbereitung des Super-Zehnkampfs auf Facebook schafft es Freeskier Andri Ragettli zum Titlis Award, der bewusst nicht für sportliche Leistungen vergeben wird. Damit erhielt Ragettli über 100 Millionen Views, wie er selbst schätzt. «Dass es so einen Hype auslöst, habe ich nie gedacht», betont er. Die sozialen Medien seien in der Zukunft für alle Sportler extrem wichtig.

Von allen Nominierten erhalten Alpinfahrer Niels Hintermann, Freestylerin Mathilde Gremaud und Niklas Hartweg, Nordisch, den Award als Kategoriensieger. Langläuferin Nicole Fähndrich wird ausgezeichnet mit dem Special Award für sportlich herausragende Leistungen. Niels Hintermann gilt mit 22 Jahren geradezu als «Oldie» an seiner Schule. Ausserdem ist er bekannt dafür, dass er kurz vor dem Start «Highway To Hell» singt. «Gebaut wie eine Eiche, Wildsau auf dem Helm, gibt Vollgas – gilt aber auf der anderen Seite als liebenswürdig und grosszügig», stichelte Moderator Christian Graf. Wildsau unterschreibe er, für den Rest müssten andere ein paar Worte finden, kommentiert Hintermann schlagfertig. Der Embracher holte den Weltcup-Sieg in der Kombination in Wengen, hatte 13 Weltcup-Einsätze (davon 6 Mal in den Punkterängen) und ist neu in der Nationalmannschaft. Er strebe nach dem Schulabschluss eine Profikarriere an, sagte Hintermann.

Nicht gefeit vor Verletzungen und Krankheiten

Auf Krücken gestützt kommt Mathilde Gremaud aus La Roche. Die 17-jährige Freestylerin belegte im Weltcup Big Air in Mailand den zweiten Platz und siegte im Weltcup in Quebec und bei den Super Series. Auch sie stieg in die Nationalmannschaft auf. In dieser Saison traute sie sich etwas Besonderes zu. Im Wettkampf wagte sie zum ersten Mal einen Sprung, den sie zuvor noch nie probiert hatte: zwei Salti rückwärts und zwei Schrauben. Er gelang.

Mit welchen Schwierigkeiten Athleten kämpfen müssen, zeigt das Beispiel von Niklas Hartweg. Der 17-Jährige Nordisch-Preisträger aus Wollerau war im vergangenen Sommer am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt. Dennoch: In der Alpencup-Gesamtwertung siegte er, bei der Swiss-Cup-Gesamtwertung kam er auf den zweiten Rang. Bei den Schweizer Meisterschaften holte er zweimal Gold im Sprint und Massenstart.

Silvan Zurbriggen als Ehemaliger an Ehrung

Bei der diesjährigen Preisverleihung ist einer der ganz erfolgreichen Ehemaligen dabei: Silvan Zurbriggen. «Ja, ich war in der allerersten Klasse nach der Gründung», erzählt er auf Nachfrage. «Für mich war es eine optimale Lösung. Es war eine wichtige Zeit für mich, so konnte ich mich auf den Sport konzentrieren und trotzdem den Abschluss machen.» Im Gespräch mit Moderator Graf berichtet Zurbriggen dann später, was er heute macht: eine Ausbildung zum Akustiker.

Mit beruflichen Plänen nach der Sportkarriere müssen sich die Absolventen noch nicht auseinandersetzen. Für sie gilt das Hier und Jetzt. 6 Teilnahmen an Weltmeisterschaften im Freestyle und Rudern, 14 Teilnahmen an Juniorenweltmeisterschaften, 68 Weltcup-Einsätze, 257 Europacup-Teilnahmen – die Sportmittelschule ist auf Erfolgskurs.

Im Gespräch mit Moderator Graf berichtet Peter Urs Naef, Präsident der Sportmittelschule, dass im kommenden Jahr 105 Athleten die Schule besuchen werden (zum Vergleich: 2014 waren es 82). «Wir sind in einem weltweiten Wettbewerb, der sich jedes Jahr in jeder Sportart verändert. Wir sind mit dem Verwaltungsrat in Klausur gegangen mit der Frage, was in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf uns zukommt.» Investitionen im Trainingsbereich «on snow», aber auch Hallenkapazitäten seien nötig, kündigte Naef an.

Zu den Vorbereitungen auf Olympia wollte Geschäftsführer Eskil Läubli nicht aus dem Nähkästchen plaudern, um den Vorsprung nicht an die Konkurrenz zu verschenken. Er verriet aber, dass die Sportmittelschule ein Trampolin angeschafft habe, auf dem man zehn Meter hoch springen könne – allerdings müsse man noch einen dauerhaften Platz dafür finden.

Von Thomas Hausherr, dem Präsidenten der Gönnervereinigung, gab’s schliesslich noch einen Check über 75 000 Franken für die Sportmittelschule.

Peter Urs Näf, Präsident Sportmittelschule mit Titlis Award Gewinner Andri Ragetti (Mitte) und Moderator Christian Graf. (Bild: Marion Wannemacher (OZ))

Peter Urs Näf, Präsident Sportmittelschule mit Titlis Award Gewinner Andri Ragetti (Mitte) und Moderator Christian Graf. (Bild: Marion Wannemacher (OZ))