ENGELBERG: «Dritter Platz war ein Glücksfall»

Der TV-Auftritt bei den «Schweizer Talenten» war für Reto Bugmann «der Durchbruch». Fast besser als ein Sieg.

Matthias Piazza
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Reto Bugmann liebt die Welt der alten Schlager. (Bild: Johanna Unternährer/PD)

Reto Bugmann liebt die Welt der alten Schlager. (Bild: Johanna Unternährer/PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Er singt mit Leidenschaft deutsche Schlager aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Und dies längst nicht mehr nur vor einem kleinen Publikum. Spätestens seit dem 12. April ist der Name Reto Bugmann auch dem Fernseh­publikum ein Begriff. An diesem Samstagabend trat der 26-jährige Engelberger in der SRF-Show «Die grössten Schweizer Talente» auf – am Klavier begleitet von Dominique Allemann. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit an der Stiftsschule Engelberg. Es reichte zwar nicht für den mit 100 000 Franken dotierten Sieg. Dieser ging an Jason Brügger.

Von Enttäuschung aber keine Spur bei den beiden Engelbergern – weder damals noch heute. «Der dritte Platz war für uns ein absoluter Glücksfall», sagt Reto Bugmann im Gespräch mit unserer Zeitung. «Der Gewinn hätte wohl Verpflichtungen mit sich gebracht, die nicht allesamt in unserem Sinne gewesen wären. Als Drittplatzierte sind wir völlig frei.» Der Podestplatz habe ihnen trotzdem eine riesige Publizität beschert.

Bis zu zweimal wöchentlich auf der Bühne

Eine neue Zeitrechnung begann beim Duo. «Der Fernsehauftritt war für uns der Durchbruch. Seither haben wir viele Anfragen, kein Vergleich zu früher», meint Bugmann. Aus dem Schlager wurde mehr als ein Hobby. Traten sie früher nur sporadisch auf, sind sie nun bis zu zweimal wöchentlich auf einer Bühne. «Die Schlager-Leidenschaft hat einen viel grösseren Stellenwert in meinem Leben eingenommen.» Der Erfolg habe nicht nur im engsten Kreis grosses Echo ausgelöst. Ab und zu werde er auch auf der Strasse erkannt und angesprochen. «Wir erlangten fast eine Art Promistatus, aber natürlich eher im Sinne einer Cervelat-Prominenz», lacht er.

Die Gagen bringen mittlerweile einen schönen Zustupf, der Zeitaufwand nimmt zu. «Treten wir an einem Abend auf, muss ich tagsüber freinehmen, da wir oft schon am Nachmittag vor Ort sein müssen. Hinter einem halbstündigen Auftritt steckt eben viel mehr Zeit, als man als Zuschauer annimmt.» Dankbar ist der Versicherungsangestellte Bugmann seinem Arbeitgeber, dass er ihm grosszügig entgegenkommt und er auch sein Arbeitspensum auf 80 Prozent reduzieren durfte. Doch er macht sich keine Illusionen. «Es bleibt ein Hobby. Wollte ich vom Singen leben können, müssten wir eine unanständig hohe Gage für unsere Auftritte verlangen», schmunzelt Reto Bugmann.

Als Laien auf dem dritten Platz

Mit dem dritten Platz hätten sie nie gerechnet. «Wir sind Laien, ich habe keine Gesangsausbildung», gibt Bugmann zu bedenken, der auch im Stiftschor Engelberg mitsingt und ihn präsidiert. Hier startete auch seine Schlagerkarriere: Vor rund drei Jahren fragte ihn die Chorleiterin, ob er nicht Lust hätte, am chorinternen Raclette-Abend alte deutsche Schlager zum Besten zu geben. Der Auftritt kam an, die Feuertaufe war bestanden. «Die Texte widerspiegeln den Zeitgeist, das Lebensgefühl aus einer Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, als es aufwärtsging. Solche Lieder will man auch heute gerne hören», erklärt er sich die wachsende Popularität des Genres und die Anfragen für Auftritte an privaten und öffentlichen Anlässen.

«Solange wir Spass haben, machen wir weiter»

«Der Erfolg mit dem Singen gibt mir neuen Wind im Leben. Solange das Publikum und wir daran Spass haben, machen wir weiter», blickt er in die Zukunft. Um den künstlerischen Ansprüchen seines Hobbys gerecht zu werden, nimmt er seit kurzem Gesangsstunden. Und als Idee schwebt ihm vor, sich als Duo durch weitere Instrumentalbegleitungen verstärken zu lassen. «Aber das ist wohl eine finanzielle Frage.» Darum wollen sie auch weiterhin an ihrem Erfolgsrezept festhalten. Und das umreisst Reto Bugmann so: «Eine gute Stimme, zwei flinke Hände am Klavier, eine schöne Melodie, amüsante Texte und, ebenso wichtig, der Kontakt zum Publikum.»