ENGELBERG: Druck auf ukrainischen Millionen-Abzocker steigt

Mykola Guta wird von Interpol wegen Millionenbetrugs gesucht. Der Ukrainer lebt aber nicht als Tourist in seiner Engelberger Wohnung er hat eine Aufenthaltsbewilligung.

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Der ukrainische Agrarunternehmer Mykola Guta.

Der ukrainische Agrarunternehmer Mykola Guta.

Das Dokument, das der «Zentralschweiz am Sonntag» zugespielt wurde, lässt keine Zweifel offen: Der seit Wochen von Interpol gesuchte ukrainische Agrarunternehmer Mykola Guta (Bild), geboren am 23. Juni 1982, verfügt in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung der Kategorie B. Diese läuft jedoch am 15. August ab. Guta, dem Betrug in Millionenhöhe vorgeworfen wird, hat im Sinne der Drittstaatenregelung die Möglichkeit, diese Bewilligung um ein weiteres Jahr zu verlängern. Ob die Behörden ein allfälliges Gesuch aber absegnen würden, hängt unter anderem davon ab, ob sich Guta hierzulande etwas hat zu Schulden kommen lassen oder nicht. Ohne spezifisch auf den Fall des Ukrainers einzugehen, sagt Josef Gasser, Leiter der Abteilung Migration Kanton Obwalden: «Liegt in der Schweiz gegen eine Person strafrechtlich nichts vor, kann davon ausgegangen werden, dass eine Aufenthaltsbewilligung ausgestellt oder entsprechend verlängert wird.» Als Guta letztes Jahr seine Aufenthaltsbewilligung erneuerte, lag auch in seiner Heimat, der Ukraine, nichts gegen ihn vor. Noch nicht.

Obligationäre warten auf Geld

Wie aber verhält es sich, wenn ein Gesuchsteller international zur Fahndung ausgeschrieben ist? Gemäss Ale­xander Rechsteiner, Informationsbeauftragter beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, geht es dabei nicht nur um die Frage: Aufenthaltsbewilligung ja oder nein? Sondern auch darum, ob eine international ausgeschriebene Person auch in der Schweiz auf die Fahndungsliste kommt. Rechsteiner sagt: «Im Bundesamt für Justiz wird beispielsweise abgeklärt, ob jemand aus politischen Gründen gesucht wird.» In einem solchen Fall wird in der Regel keine Ausschreibung vorgenommen. Mykola Gutas Name taucht aber nicht als Politflüchtling in einem internationalen Fahndungsregister auf, sondern weil er als Chef des ukrainischen Agrarkonzerns Mriya in der Kritik steht. Das Unternehmen, das an der Frankfurter Börse kotiert ist, hat gewaltige Schulden angehäuft. Es ist gegenüber Obligationären seit August 2014 mit Zinszahlungen in der Höhe von Dutzenden Millionen Dollar in Verzug. Interpol sucht den Unternehmer denn auch wegen «Betrugs in grossem Stil», wie die «Zentralschweiz am Sonntag» bereits am 8. Februar berichtete. Im Zusammenhang mit der Familie Guta, der die Mehrheit der Mriya-Aktien gehört, fällt auch immer wieder der Name von Dmitri Firtasch. Es werde in weiten Kreisen davon ausgegangen, dass Firtasch und die Guta-Familie geschäftlich verbandelt seien, erklärt der Moskauer Egor Sirota, Managing Partner der Investmentgesellschaft Garden Capital.

Grossaktionär in Zug

Wie Guta sorgt auch Firtasch ab und an für Aufsehen. Und auch Firtasch hat Fussabdrücke in der Schweiz hinterlassen. Dies vor allem in der Funktion als Grossaktionär des in Zug domizilierten und derzeit in Liquidation befindlichen Gashandelsunternehmens Rosukrenergo.

Bekannt ist Firtasch auch in Österreich. Dort soll das Wiener Landgericht am 30. April entscheiden, ob der Oli­garch an die USA ausgeliefert wird. Denn die Amerikaner werfen Firtasch vor, im Zusammenhang mit Schürfrechten für Titanminen in Indien Amtsträger bestochen zu haben. Firtasch weist diese Vorwürfe zurück, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet. Bis zum Gerichtsentscheid darf sich der Ukrainer in Österreich frei bewegen nachdem er eine Rekordkaution von 124 Millionen Euro hinterlegt hat.

Kontakte in die Unterwelt

Im Zusammenhang mit Firtasch ist auch immer wieder von Mafia-Kontakten die Rede. Und das hat vermutlich folgenden Grund: Im Dezember 2008 wurde Firtasch vom damaligen US-Botschafter in Kiew, William Taylor, befragt. Unter anderem über mutmassliche Verbindungen zur Mafia. Firtasch sagte, dass viele Leute aus dem Westen gar nicht verstünden, was nach dem Zerfall der Sowjetunion los gewesen sei. «Damals ist das Land», so Firtasch, «nach den Gesetzen der Strasse regiert worden.» Ohne die Zustimmung des organisierten Verbrechens sei es damals gar nicht möglich gewesen, ein Geschäft zu etablieren.

Thomas Heer