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ENGELBERG: Ein Leben für das Wunder der Geburt

Über 4000 Kindern hat Verena Matter in 45 Jahren auf die Welt geholfen. Jetzt geht die letzte Gemeindehebamme in Pension. Und eine Ära zu Ende.
Marion Wannemacher
Hebamme Verena Matter (rechts) kontrolliert die Entwicklung der siebenwöchigen Luisa. Sie ist das vierte Kind von Vreni Blaser-Matter. (Bild Marion Wannemacher)

Hebamme Verena Matter (rechts) kontrolliert die Entwicklung der siebenwöchigen Luisa. Sie ist das vierte Kind von Vreni Blaser-Matter. (Bild Marion Wannemacher)

Krabbelgruppen-Atmosphäre im Erlenhaus: Der kleine Lorenz fährt mit dem Rutschauto durch den Saal. Sein Schwesterlein Luisa schlummert selig im Maxi Cosi. Sieben Wochen ist sie erst und heute bei der Mütter- und Väterberatung von Esther Küng und Verena Matter im Altersheim.

«Ich bin s Vreni», stellt sich die Hebamme vor. So aufgestellt und herzlich, wie sie auf Menschen zugeht, ist auch die Atmosphäre hier: «Die jungen Mütter schätzen den Austausch untereinander», erzählt die fast 70-Jährige. Andrea Bölsterli kommt alle zwei Wochen mit Mia in die Beratung. «Sie entwickelt sich prima», freut sich die Mutter. Von Verena Matter verabschiedet sie sich mit Küsschen.

«Man fühlt sich aufgehoben»

Sorgsam holt die Hebamme die kleine Luisa aus dem Autositz und zieht ihr den Strampler aus. Kopfumfang, Länge, Gewicht – alles im grünen Bereich. Sie ist das vierte Kind von Vreni Blaser-Matter, der Nichte der Hebamme. «Ich habe bei ihr ambulant im Spital Stans entbunden», erzählt sie und strahlt: «Die letzte Geburt war die schönste. Eine Dreiviertelstunde und ohne Hektik. Man fühlt sich bei ihr einfach aufgehoben, sie hat viel Erfahrung.»

Und Gefühl. «Wenn das Kind da ist», schwärmt die Hebamme, «ist es, als ob ich es selbst geboren hätte. Manchmal habe ich sogar Bauchweh gehabt.» Bei ihr sei es Berufung, erzählt sie. Man nimmt es ihr ab.

Eigentlich wäre eine Ausbildung für sie als jüngstes von zehn Kindern nicht in Frage gekommen. Die Mutter war schon früh gestorben, da war kein Geld übrig für solche Wünsche. «Du wirst ‹Burefrau›, ausser du kannst deine Ausbildung selbst finanzieren.» Zu ihrem Traumberuf kam sie über viele Umwege, darunter eine Lehre als Sarnerschwester in Krankenpflege. 1966 trat sie in die Hebammenschule in Luzern ein.

Selbst in Ohnmacht gefallen

Ein entscheidendes Erlebnis bestätigte sie auf ihrem Weg: «Während einer Geburt wurde mir übel, und ich fiel ohnmächtig zu Boden. Damals dachte ich: ‹Jetzt kannst du zusammenpacken›.» Das Gegenteil passierte: «Mein Chef, Prof. Hauser, sagte, dass das die besten Hebammen werden, die sich gefühlsmässig so tief in Gebärende hineinversetzen können.»

1968 begann Verena Matter als Gemeindehebamme in Engelberg. Damals war die Gebärabteilung noch im Gemeindehaus. Neben ihrer Arbeit als Hebamme betreute sie auch ältere Menschen und Pflegekinder auf der Pflegestation. Mit dem Bau des Erlenhauses entstand 1983 eine neues Krankenheim mit eigener Geburtsabteilung. Die Frauen konnten bis 2003 dort oder ambulant in Stans entbinden. Auch eine Wochenbettstation hatte das Erlenhaus. In dieser Zeit wurde Verena Matter vom Spital Stans als Hebamme für das hintere Engelbergertal angefragt. Rund um die Uhr stand sie «ihren Frauen» zur Verfügung. Das bedeutete manches Mal 48-Stunden-Dienste, dazwischen vielleicht einmal fünf Stunden Schlaf.

Nicht immer gab es Grund zur Freude: «Am schwierigsten war für mich, wenn Frauen freudig zur Geburt kamen, und ich hörte schon keine Herztöne mehr.» Verena Matter legte ihnen dann das tote Kind in den Arm, weinte und betete mit ihnen. Sie gründete die Selbsthilfegruppe «Leuchtturm» mit, wo sich Trauernde gegenseitig unterstützen.

Aber auch Lustiges erlebte die Hebamme: «Im Spital Stans wartete ich droben auf eine Viertgebärende. Plötzlich erschien der Ehemann, kreideweiss: ‹Sie hat schon in der Drehtür entbunden›.»

Hart traf es sie, als 2002 aus versicherungsrechtlichen Gründen die Geburtsabteilung im Erlenhaus und 2005 die Wöchnerinnen-Abteilung aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen wurden. Entbindungen gab es jetzt nur noch als Hausgeburten oder im Spital Stans bei Beleghebammen. «Das hat mir sehr wehgetan», schildert Verena Matter ihre Gefühle.

Nicht ganz aufhören

Noch heute lebt die Engelbergerin für ihren Beruf, eine eigene Familie hat sie nicht gegründet. Ganz aufhören kann sie auch nach der Pensionierung nicht, sie wird weiterhin Wöchnerinnen betreuen und Mütter- und Väterberatung leisten. Und ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen, dem Wandern und der Betreuung der Lourdesgrotte.

Übrigens: Das erste Kind, das Verena Matter auf die Welt geholt hat, ist heute eine junge Frau, und ihr Name ist, wie könnte es anders sein: Verena.

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