ENGELBERG: Eine Wahl mit Nebengeräusch

Die Aktionäre der Titlis-Bahnen wählen Martin Odermatt als neuen Verwaltungsrat. Trotz Euro­krise hofft das Unternehmen auf ein gutes Geschäftsjahr.

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Andreas Bünter (links) gratuliert Martin Odermatt zur Wahl. (Bild: Markus von Rotz)

Andreas Bünter (links) gratuliert Martin Odermatt zur Wahl. (Bild: Markus von Rotz)

Markus von Rotz

Das Wahlgeschäft war das Einzige, was gestern an der Generalversammlung der Titlis-Bahnen zu reden gab. Martin Odermatt, Talammann von Engelberg, war vom Verwaltungsrat als neues Mitglied für Geny Hess (siehe Kasten) vorgeschlagen worden. Er freue sich, seine Erfahrung einzubringen, er kenne das Tal und den Berg sehr gut, sagte Odermatt und provozierte damit einen Aktionär. «Da leuchten bei mir alle roten Lampen auf», meinte er. Soeben habe doch Verwaltungsratspräsident Hans Hess betont, dass man eine unabhängige Person gesucht habe, das sei aber beim Seilbahnbauer Odermatt nicht der Fall.

Hess betonte, Odermatt sei nur «ein Kleinseilbahnbauer» und habe in den letzten zwei Jahren mit dem Bau einer Transportseilbahn «so ungefähr im Millionenbereich» für das Unternehmen Aufträge gehabt. Als Hess erwog, für genauere Abklärungen zu unterbrechen, überstimmte ihn das Publikum mit lautem Applaus. Hess betonte, notfalls gebe es die Ausstandsregel und mit dieser habe der Verwaltungsrat in über 100 Jahren nie Probleme gehabt.

Unterschiedliche Wahlresultate

Odermatt wurde schliesslich gewählt, mit 75,4 Prozent der vertretenen 335 Aktionären (366 248 Stimmen) machte er jedoch am wenigsten Stimmen. Die zur Wiederwahl stehenden Mitglieder holten ausser Fernsehjournalistin Ma­rianne Fassbind (76,4 Prozent) zwischen 80 und 93 Prozent. Hans Hess wurde noch ein letztes Mal als Verwaltungsrat und dessen Präsident bestätigt. Er wird nächstes Jahr zurücktreten. Ganz klar waren die Verhältnisse bei Rechnung und Entlastung des Verwaltungsrats sowie den Entschädigungen für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung: Hier gab es überall satte Mehrheiten von bis zu 97 Prozent.

Schon 10 000 Übernachtungen

Die Aktionäre konnten mit dem Jahr zufrieden sein: 1,054 Millionen Gäste (Rekord) und ein 29 Prozent höherer Gewinn von 23,7 Millionen Franken sind die Kennzahlen. Und das bei Investitionen von 45,5 Millionen Franken, vor allem ins Titlis-Resort und in die neue Rotair. Beim Resort standen Ende Geschäftsjahr noch 10 Wohnungen zum Verkauf, 25 wollen die Bahnen im Eigenbesitz behalten, 70 durch Rückvermietung durch die Besitzer auf den Markt bringen. Im ersten Betriebsjahr gab es bereits 10 000 Übernachtungen.

Schaden noch nicht behoben

In seinem Jahresbericht betonte Hans Hess, dass man im Veruntreuungsfall des früheren Buchhalters nach wie vor versuche, «die 10,7 Millionen Franken oder zumindest einen Teil davon wieder zurückzubekommen». Man mache das auf dem juristischen Weg in Macau, wo man erreicht habe, dass der Fall nicht eingestellt wurde, und auf dem politischen Weg über die chinesische Botschafterin in der Schweiz und den Schweizer Botschafter in China. «Konkrete Ergebnisse liegen zurzeit leider noch keine vor», sagte Hess. Mehr Freude macht dem Verwaltungsrat der Aktienkurs des Unternehmens, der seit November 2013 von 171 auf 261 Franken («sagenhafte 53 Prozent») gestiegen sei.

Gut in die Saison gestartet

Die Titlis-Bahnen sind laut CEO Norbert Patt gut in die aktuelle Wintersaison gestartet. Bis vorgestern verzeichneten sie 4,5 Prozent mehr Ersteintritte bei der Bahn als in der Vorjahresperiode. Auch im Gastrobereich liege man 3,1 Prozent im Plus, obwohl das Hotel Trübsee unter anderem wegen der Baustelle etwas leide. Schon 12 000 Übernachtungen zählte man im Resort. «Wir sind zuversichtlich, dass dieses Modell andere Gästegruppen bringt und nachhaltig ist», betonte Patt.

Für dieses und nächstes Jahr gab sich Patt zuversichtlich, auch wenn die Zeichen wegen der Aufhebung des EuroMindestkurses nicht gut seien. Er erwartet aus der Schweiz 2 bis 5 und aus Europa gegen 17 Prozent weniger Gäste, über alle Märkte ein Minus von 5,6 Prozent, trotz eines boomenden asiatischen Marktes mit einer nach wie vor hohen Nachfrage. Man sei aber mit der neuen Rotair und der im Bau befindlichen neuen Gondelbahn gut aufgestellt.

Offen ist die Zukunft des Hotels Terrace, das «am Ende seiner Lebensphase» sei, aber eine wichtige Zubringerfunktion für die Bahn habe. Man studiere derzeit Lösungen von einer sanften Sanierung über einen Neubau bis zu einer Ergänzung andernorts.