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ENGELBERG: Er hält den Rekord am Titlis

Wisi Scheuber geht nach fast fünfzig Jahren bei den Titlis-Bahnen in den Ruhestand. Er hat am Berg ­vieles miterlebt – auch tragische Ereignisse.
Wisi Scheuber zeigt stolz die Dankestafel, die er zu seinem Abschied erhalten hat. Im Hintergrund der Titlis. (Bild Corinne Glanzmann)

Wisi Scheuber zeigt stolz die Dankestafel, die er zu seinem Abschied erhalten hat. Im Hintergrund der Titlis. (Bild Corinne Glanzmann)

Rosemarie Bugmann

Sein Gesicht ist braun wie nach langen Ferien in der Karibik. Doch der Schein trügt. Es ist die Arbeit, die ihm die Farbe ins Gesicht brennt. Oder besser gesagt: brannte. Denn vor kurzem ­hatte Wisi Scheuber seinen letzten Arbeitstag. Offiziell pensioniert wird der Engelberger Ende Mai – nach fast 50 Jahren bei den Titlis-Bahnen. Damit hält er den Rekord.

Am 1. Dezember 1966 hatte er als 16-Jähriger seinen ersten Arbeitstag. «Ich wollte nach der Schule einen oder zwei Winter Ski fahren», sagt er zu seiner Motivation, bei der Bergbahn einzusteigen. Genauso war es auch. Wisi Scheuber verbrachte den ersten Winter auf den Ski. Der zweite folgte – und alles wurde anders. «Ein Arbeitskollege ist in eine Gletscherspalte gefallen.» Der Neo-Pensionär spricht ganz ruhig, erinnert sich an seinen ersten Rettungseinsatz. Er sei in die Spalte gestiegen, habe den bewusstlosen Mann herausgeholt. «Die Kollegen haben gesagt, ich hätte ihm das Leben gerettet», sagt er bescheiden. Jetzt wusste er, dass es beim Pistendienst nicht nur ums Skifahren und Vergnügen geht. Wieder einen Winter später geschah ein weiteres Unglück. Ein Arbeitskollege kam in einer Lawine ums Leben. «Damals sind wir zum Sprengen in die Hänge gefahren», erinnert er sich.

Scheuber hat nach dem tragischen Ereignis Kurse besucht: als Patrouilleur, Pistenfahrzeugfahrer und Lawinenhundeführer. Drei Leben habe er gerettet und rund 100 Verletzte geborgen. «Es ist eines der schönsten Erlebnisse, wenn man ein Leben retten kann.»

Er war immer offen für alles

Aber es waren auch strenge Zeiten mit unregelmässigen Diensten. Vor ­allem als Pistenfahrzeugfahrer waren oft Nachteinsätze nötig. Da blieb nur wenig Zeit für seine Frau und die drei Kinder. Jahrzehnte später landete er beim ­Jochstocklift als Maschinist. Da wurden das Leben und die Arbeitszeiten ein wenig geregelter. Immer wieder haben sich Türen geöffnet. Wisi Scheuber war offen für alles. Sogar bis nach Schanghai an die Weltausstellung ist er gekommen, zusammen mit einem anderen Kollegen von der Bahn. Drei Monate waren die zwei dort, haben ihren Arbeitgeber und die Schweiz vertreten. Scheuber gerät ins Schwärmen. Er erzählt vom tollen Schweizer Pavillon, von der riesigen Stadt, die ihn, den Landmenschen, so sehr in den Bann gezogen hat. «Schon am ersten Tag habe ich mehr Leute gesehen als in meinem ganzen bisherigen Leben», schmunzelt er. Etwas später erzählt er auch von Amerika, wo er eine Ausbildung zum Greenkeeper (Platzwart im Golfsport) absolvierte. In den Sommermonaten hat Scheuber auf dem Golfplatz in Engelberg gearbeitet.

Englisch und Chinesisch

Nicht immer schien am Titlis die Sonne für Wisi Scheuber. Vor vier Jahren hatte er während der Arbeit einen Herzinfarkt. Er, der unzählige Male den Helikopter für andere gerufen hat, flog nun selber als Patient nach Luzern. Drei Monate dauerte seine Zwangspause – eine der ganz wenigen in all den Jahren.

Zu den Gästen hatte er einen sehr guten Draht. Sogar ein paar Brocken Chinesisch hat er sich neben dem Englischen angeeignet. «Für mich war es immer die grösste Motivation, wenn die Gäste zufrieden waren.» Vor allem am Schluss habe er gemerkt, dass sehr viel Sympathien vorhanden sind.

Rauschendes Abschlussfest

Jetzt ist er da, der Schluss. Am letzten Tag kraxelte er noch auf den Masten herum, während seine Kollegen ein rauschendes Fest vorbereiteten. «Alle haben davon gewusst, nur ich nicht», lacht Wisi Scheuber. Bis in die frühen Morgenstunden habe es gedauert, vor allem, weil nach Mitternacht noch in seinen 65. Geburtstag hineingefeiert werden konnte.

Trotzdem, zurück möchte er nicht mehr. «Am Schluss war ich ein wenig müde», sagt er. Von dieser Müdigkeit ist beim Gespräch aber nichts zu spüren. Wisi Scheuber sprudelt nur so vor Plänen und Ideen. Noch einmal nach Schanghai will er gehen, sich mehr um seine Familie kümmern und zum Abschalten auch mal wieder hoch hinauf – rauf auf den Titlis.

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