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ENGELBERG: Es begann mit Filmen in einer Zaine

Zufällig entdeckt Beat Christen gut 100-jährige Filme von Willy Amrhein. Nun produziert er einen Doku-Film über den genialen Künstler.
Sepp Häcki spielt in einem Doku-Film den genialen Engelberger Künstler und Fotografen Willy Amrhein. Regie führt Claudia Steiner (an der Kamera). (Bild Romano Cuonz)

Sepp Häcki spielt in einem Doku-Film den genialen Engelberger Künstler und Fotografen Willy Amrhein. Regie führt Claudia Steiner (an der Kamera). (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Spannend wie ein Krimi beginnt die Geschichte, die schliesslich zur Produktion eines neuen Dokumentarfilms mit Tatort Engelberg führt. Wir schreiben das Jahr 2003. Der einheimische Journalist und Autor Beat Christen (55) sucht fürs Jubiläum des Skiklubs nach alten Startnummern. Im Archiv des früheren Engelberger Kursaals hofft er fündig zu werden. Statt auf Startnummern stösst er aber auf eine alte Zaine.

Darin, unter Textilien verborgen, ein verschnürtes Päckchen! Neugierig packt Christen es aus. Und alsbald hält er eine ganze Anzahl 35-Millimeter-Streifen in der Hand. Dokumente aus der Entstehungszeit des Films. Eine mit Schreibmaschine geschriebene Notiz verrät, dass die Frau des genialen Engelberger Kunstmalers Willy Amrhein (1873-1926) sie dem Skiclub zu treuen Händen vermacht hatte. Das Päckchen wurde nie geöffnet. Fünfzig Jahre lang.

Einzigartige Sport-Dokumente

«Natürlich wollte ich schnellstmöglich wissen, was auf den Filmen ist», erzählt Beat Christen. Aber er habe sich noch gedulden müssen. Weil Filme aus der Pionierzeit des Mediums aus Nitrozellulose bestanden, waren sie derart leicht entzündbar, dass sie damals ganze Kinos in Brand steckten. Das brüchige alte Material musste durch Spezialisten in Handarbeit restauriert werden. Kostenpunkt: 28 000 Franken. Mittlerweile aber ist Beat Christen so gespannt auf den Inhalt der Filme, dass er keine Mühe mehr scheut. Die Gemeinde und weitere Sponsoren helfen, und anlässlich des SAC-Jubiläums (2010) werden die Filme, wenn auch ohne Ton, erstmals vor 400 begeisterten Leuten gezeigt. Die Filme dokumentieren sämtliche Wintersportarten, die es in Engelberg vor dem Ersten Weltkrieg gab: Eisschnelllaufen, Skispringen, Skifahren, Skeleton, Bobsport. Ja gar Skijöring mit Pferden.

Filmhistorikerin gibt den Impuls

«Eine Filmhistorikerin des zuständigen Bundesamtes riet uns, mit dem historischen Material einen Doku-Film über dessen Autor Willy Amrhein zu drehen», sagt Beat Christen. Er habe gleich Blut geleckt. Als er dann mit der gebürtigen Schwyzerin Claudia Steiner (43) auch noch die genau richtige Regisseurin findet, kann das Abenteuer beginnen.

Claudia Steiner sie ist mit dem Kinofilm «Tönis Brautfahrt» bekannt geworden – sagt: «Dieser Willy Amrhein war vor über 100 Jahren ein unwahrscheinlich moderner Mensch, der Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen hat.» Das habe sie restlos fasziniert. In der Tat: Der 1873 geborene Engelberger Willy Amrhein zog vorerst nach München, wo er Kunst studierte. Zurück im Klosterdorf war er eine Art Universalgenie.

Er fotografierte, filmte, erstellte erste Tourismusplakate, Postkarten und schrieb Zeitungsartikel. Nicht genug damit: Amrhein war auch Sportler, Naturfreund, Jäger, Höhlenforscher und Sammler. Ein unglaubliches Nebeneinander von scheinbar unzusammenhängenden Aktivitäten. Sowohl den Skiclub (1903) als auch die SAC-Sektion Engelberg (1910) hat er gegründet.

Nicht ganz einfache Dreharbeiten

Der Film bleibt das weiss Regisseurin Claudia Steiner genau – mit 145 000 Franken eine Low-Budget-Produktion. Herzstück sind dabei die alten Filmdokumente, um die sich das Porträt rankt. «Bei den neuen Aufnahmen kann ich auf den Idealismus vieler Leute und auf ein perfektes Teamwork zählen», hält Steiner fest. Die Schauspielertruppe beispielsweise setzt sich aus Engelbergern zusammen, die keine Mühe scheuen, vor der Kamera mit antiken Ski und Bindungen im Telemark-Stil zu fahren.

Der bekannte Laienspieler Sepp Häcki verhilft dem Genie Amrhein zu einer Wiedergeburt. Wenn die Equipe nicht gerade in den Bergen dreht, wird es oft schwierig. Die heutige «Bierlialp» eignet sich für Dreharbeiten nicht mehr, und selbst im noch authentischen Saal des Hotels Bellevue-Terminus gibt es Probleme: Die Fenster müssen mit Spray zu Milchglas gemacht werden, weil davor neue Bauten stehen. Der Tonmeister aber hat im Kopfhörer das Brummen vorbeifahrender Busse. Auch sollten eigentlich bei dieser Herbstszene ausnahmsweise keine Flocken wirbeln. Aber die Stimmung ist gut: Jedes Problem wird irgendwie gelöst.

Bemerkenswert sind auch die historischen Kostüme, die Rita Lisa Planzer-Steiner (43) mit viel Sorgfalt ausgewählt hat. Und apropos Tatort Engelberg: Hochprofessioneller Maskenbildner ist Roger-Rudolf Niederberger aus Stans, der in seiner Aktivzeit in Deutschland Kommissare und Verbrecher in den «Tatort»-Filmen geschminkt hatte.

Hinweis

Der Dokumentarfilm über Willy Amrhein soll 55 Minuten lang sein und im nächsten November Premiere feiern.

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