ENGELBERG: Gemeinde will einen Viertel bezahlen

Die Gemeinde will eine längerfristige Lösung für altersgerechtes Wohnen. Weil das aber zu teuer wäre, soll es eine Stiftung richten. Ende Monat wird abgestimmt.

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So soll der «Bergkristall» – der Anbau ans Erlenhaus in Engelberg – dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So soll der «Bergkristall» – der Anbau ans Erlenhaus in Engelberg – dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Das Alters- und Pflegeheim Erlenhaus in Engelberg ist vor über 30 Jahren eröffnet worden. Entsprechend müssen Gebäude und technische Infrastruktur dringend saniert werden, wie der Gemeinderat in der Abstimmungsbotschaft für den 29. November schreibt. Gleichzeitig sei das heutige Angebot mit Blick auf die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen in den kommenden Jahren auszubauen. Erreichen will die Gemeinde das mit dem Projekt Wohnen im Alter: Direkt anschliessend ans Erlenhaus soll ein Neubau namens Bergkristall mit rund 27 altersgerechten Mietwohnungen entstehen.

Das heutige Alters- und Pflegeheim Erlenhaus soll nach Vollendung des Bauprojekts in erster Linie Pflegezimmer umfassen. Im Haus müssen Gebäudehülle, Fenster und das Dach saniert werden. Ersetzt werden müssen zudem die Lüftungs- und Heizungsanlagen, das sanitäre System und ein grosser Teil der elektrischen Anlagen. Anpassungen braucht es weiter beim Brandschutz und der Erdbebensicherheit.

Zu hohe Kosten für Gemeinde

Sanierung und Neubau kosten gemäss Hochrechnungen rund 29 Millionen Franken. Eine Investition in dieser Höhe sei für die Gemeinde nicht zu verantworten, schreibt der Gemeinderat, denn in Engelberg stünden noch mehr grosse Projekte an, namentlich die Erweiterung des Sporting Parks, das Hochwasserschutzprojekt oder die Friedhofsanierung. Für die Realisierung des Projekts wird darum eine Stiftung gegründet. Für diese will die Gemeinde eine Anschubfinanzierung von 7,3 Millionen Franken leisten und als Hauptstifterin auftreten. Der Beitrag der Gemeinde in der Höhe von rund einem Viertel der Baukosten werde von den Banken bei einem solchen Vorhaben als genügende Sicherheit für eine Fremdfinanzierung eingeschätzt. Der Gemeinderat geht davon aus, dass bis zur Vollendung des Bauvorhabens zusätzliche Gelder von Privatpersonen oder Institutionen generiert werden können, damit sich das Eigenkapital der Stiftung verbessert.

Planrechnungen zeigen auf, dass die Stiftung auf zusätzliche Mittel von rund 2 Millionen Franken angewiesen ist, um längerfristig ohne zusätzliche Gelder der Gemeinde auskommen zu können. Diese Mittel sollen mit einer Fundraising-Kampagne hereingeholt werden. Stimmt das Volk der Abstimmungsvorlage zu, soll die Stiftung noch dieses Jahr gegründet werden und auf Anfang 2016 die Arbeit aufnehmen. Ein Jahr später soll das Erlenhaus – heute ein Annexbetrieb der Einwohnergemeinde – an die Stiftung übergehen. Zwischen der Gemeinde und der Stiftung wird eine Leistungsvereinbarung geschlossen, der Gemeinderat bleibt Aufsichtsorgan.

Noch in Landwirtschaftszone

Am 29. November steht im Zusammenhang mit dem Projekt Wohnen im Alter auch noch eine Zonenplanänderung zur Abstimmung an. Der Neubau entsteht teilweise auf der Parzelle, auf der das Erlenhaus steht, teilweise auf Land des Klosters Engelberg. Der Konvent des Benediktinerklosters hat entschieden, für die Erweiterung den Teil einer Parzelle zur Verfügung zu stellen. Die für die Realisierung des Projekts nötigen Überbau- und Nutzungsrechte sind als Dienstbarkeiten mit einer Entschädigung in einem Vorvertrag zwischen der Einwohnergemeinde und dem Benediktinerkloster geregelt. Für das Bauvorhaben sollen insgesamt 4549 Quadratmeter von der Landwirtschaftszone in die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen umgezont werden. Da das Raumplanungsgesetz vorschreibt, dass bestehende Bauzonen grundsätzlich nicht vergrössert werden dürfen, will die Gemeinde an verschiedenen Orten die insgesamt gleiche Fläche in die Landwirtschaftszone überführen. Der Gemeinderat betont, dass das Projekt nur wie geplant umgesetzt werden kann, wenn die Stimmbürger beiden Vorlagen zustimmen.

2021 soll alles fertig sein

In diesem Fall würde nächstes Jahr die Detailplanung an die Hand genommen. Im Frühling 2017 soll Baubeginn für den «Bergkristall» sein, Mitte 2019 sollen die Erlenhausbewohner dorthin umziehen. So erspart sich die Gemeinde während der anschliessenden Sanierung des Erlenhauses ein teures Provisorium. 2021 sollen das sanierte Erlenhaus und die Alterswohnungen bezogen werden.

Martin Uebelhart