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ENGELBERG: Historiker-Blick auf Engelberg

Wie beeinflussten die Geschehnisse um 1815 und davor das Kloster und das Tal? Drei Referenten nahmen sich des Themas an.
Martin Uebelhart
Stiftsarchivar Rolf De Kegel, der Historiker Nicolas Disch und der Historiker und Nidwaldner Nationalrat Peter Keller (von links)referierten zu den Geschehnissen in Engelberg um 1815. (Bild Martin Uebelhart)

Stiftsarchivar Rolf De Kegel, der Historiker Nicolas Disch und der Historiker und Nidwaldner Nationalrat Peter Keller (von links)referierten zu den Geschehnissen in Engelberg um 1815. (Bild Martin Uebelhart)

Martin Uebelhart

Im Barocksaal des Klosters Engelberg trafen sich am Samstag die Mitglieder des Historischen Vereins Zentralschweiz (HVZ) und weitere Geschichtsinteressierte. Im Vorfeld der Generalversammlung des Vereins (siehe Kasten) wurden die Gäste von Abt Christian Meyer und dem Obwaldner Landstatthalter Franz Enderli begrüsst.

Dieses Jahr würden gleich mehrere historische Jubiläen gefeiert, meinte Vereinspräsident Jürg Schmutz. Eines davon ist «200 Jahre Engelberg bei Obwalden», und der HVZ nahm dieses zum Anlass, drei Referenten einzuladen, die verschiedene Themen in diesem Zusammenhang beleuchteten.

Nicolas Disch, Historiker und Projektleiter der Festschrift «200 Jahre Engelberg bei Obwalden», untersuchte in seinem Vortrag das Gemeindebewusstsein im Klosterstaat Engelberg bis zum Jahr 1800. Er ging der Frage nach, ob die Talbevölkerung vor 1800 über politische Identität beziehungsweise Selbstbestimmung verfügte. Bis in die jüngere Vergangenheit sei diese Frage verneint worden, führte Disch aus. Man sei davon ausgegangen, dass die Talgeschichte zumindest bis 1798 in der Klostergeschichte aufgegangen sei und die Geschichte der Gemeinde erst 1798 begonnen hätte.

Von Gotteshausleuten zu Talleuten

Als historischer Anfangspunkt der Gemeinde dränge sich der 9. Januar 1422 auf. Damals hätten sich die Talleute aus dem klösterlichen Erbrecht freigekauft und die volle Verfügungsgewalt über ihren Grundbesitz erlangt. Die Talbevölkerung drückte ihr neues Selbstverständnis auch durch eine neue Selbstbezeichnung aus. Ab dem 16. Jahrhundert verschwand die Bezeichnung Gotteshausleute zu Gunsten von Talleute. Ein neunköpfiges Talgericht habe das öffentliche Leben im Hochtal massgeblich mitbestimmt. Die Äbte seien gut beraten gewesen, den Talleuten eine weitgehende politische Selbstbestimmung einzuräumen. Das Talgericht habe sich allerdings nicht getraut, wesentliche Entscheidungen ohne die Zustimmung der Talgemeinde zu fällen. «Die Erfahrung hatte gelehrt, dass ein Vorhaben erfolglos bleiben musste, wenn es nicht von der Mehrheit der Talleute getragen wurde», sagt Disch.

Stabile Verhältnisse dank Kloster

Die Geschichte lasse sich also nicht auf das Kloster reduzieren. «Umgekehrt wäre es ebenso falsch, die Rolle des Klosters auszublenden», hielt Disch fest. Das Kloster habe die sozialen Verhältnisse innerhalb der Talbevölkerung stabilisiert oder die Mönche hätten in der öffentlichen Verwaltung ihr ganzes Erfahrungswissen eingebracht. «Es spricht vieles dafür, dass sich im Hochtal ein Gemeindebewusstsein lange vor 1800 herausgebildet hat», so Disch.

Auflösung drohte

Stiftsarchivar Rolf de Kegel ging in seinem Referat auf das Kloster Engelberg zur Zeit der Helvetik von 1798 bis 1803 ein. Das Kloster Engelberg sei dank seiner Kontakte zu Emigranten, aber auch zu schweizerischen Revolutionsfreunden gut über die revolutionären Vorgänge in Frankreich informiert gewesen. Nicht allein die aussenpolitische Lage hätte Veränderungen angekündigt, parallel dazu habe es auch im Innern des Klosterstaates zu rumoren begonnen. Abt Leodegar Salzmann verzichtete auf externen Rat freiwillig auf die weltliche Herrschaft. Zunächst schien es, als würde den Klöstern im Land die Auflösung drohen, doch diese Pläne der helvetischen Zentralregierung wurden nicht umgesetzt. Erlasse und Gesetze gäben den Eindruck, als hätte man versucht, die Klöster auszutrocknen, so de Kegel. Die klösterlichen Vermögenswerte wurden zur Verwahrung und Verwaltung dem Staat unterstellt. Zudem wurde die Aufnahme von Novizen verboten.

Die Zeichen der Zeit erkannt

Schwer hätte auch die Einquartierungen des französischen Militärs auf der klösterlichen Ökonomie gelastet. Gleichzeitig habe das Kloster mit der Schule und der Pfarrei den Nachweis gesellschaftlicher Nützlichkeit geliefert, so der Stiftsarchivar. Mit dem Ende der Helvetik 1803 wurde die Klosterpolitik in den Zuständigkeitsbereich der Kantone verwiesen. «Das Kloster Engelberg hat die schwierige Zeit der Helvetik überlebt, weil man die Zeichen der Zeit erkannt und ihnen – wohl oder übel – Rechnung getragen hat», sagte de Kegel.

Gleichwertige Bürger

Der Nidwaldner Nationalrat und Historiker Peter Keller widmete sich der wechselvollen Beziehung von Engelberg zu Nidwalden und Obwalden. Bis zum Einmarsch der Franzosen 1798 habe der Abt uneingeschränkt über Engelberg regiert. Dann folgten turbulente Jahre. In der Mediationsakte sei das Klosterdorf 1803 zu Nidwalden geschlagen worden. Die Akte hält fest, dass Engelberg «Unterwalden nid dem Wald einverleibt» bleibe. «Und es folgt ein Zusatz, der entscheidend sein wird für die späteren Streitigkeiten: ‹Zwischen den Bürgern von Engelberg und denen des alten Kantons besteht kein Unterschied.› Mit anderen Worten: Nidwalden hat die Engelberger als gleichwertige Bürger zu behandeln», so Keller. Was vorerst auch geschehen sei. Die Engelberger wurden gleichberechtigte Bürger und durften sechs Landräte in Stans stellen.

Ausschluss aus dem Landrat

Als Napoleons Herrschaft zu Ende ging, stellten die Nidwaldner 1814 wieder ihre alten Verhältnisse her. Die eidgenössische Tagsatzung war gerade daran, einen neuen Bundesvertrag auszuarbeiten. Davon hätten die Nidwaldner nichts wissen wollen: Sie pochten auf ihre Eigenständigkeit und wollten keine Kompetenzen an irgendeine «Centralgewalt» abgeben.

Hier habe das Verhängnis mit Engelberg seinen Verlauf genommen. Man habe die Vertreter des Klosterdorfs im Verdacht gehabt, dass sie bundesfreundlich stimmen würden, und sie deswegen aus den Ratssitzungen ausgeschlossen. Die Beleidigung habe gesessen und Konsequenzen gehabt, so Keller. Engelberg habe sich von Nidwalden abgewandt und sei 1815 offiziell zu Obwalden gekommen.

Treue Mitglieder

mu. Der Historische Verein Zentralschweiz (HVZ) hielt am Samstag im Barocksaal des Klosters Engelberg auch seine Generalversammlung ab. Präsident Jürg Schmutz hielt fest, dass der Verein 812 Mitglieder zähle (Vorjahr 823). Austritte seien kaum zu verzeichnen, die meisten Mitglieder hielten dem Verein bis an ihr Lebensende die Treue.

Trotz eines Sparprogramms, bei dem auch bei den Produktionskosten für das Jahrbuch «Der Geschichtsfreund» angesetzt wurde, ist der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet. Laut Jürg Schmutz hätten die Finanzen nach wie vor eine hohe Priorität, auch angesichts der Tatsache, dass die Beiträge der öffentlichen Hand wohl eher früher als später aus den Budgets verschwinden würden. Kassier Peter Süess stellte die Rechnung vor, die bei Einnahmen von knapp 55 000 Franken mit einem Überschuss von rund 1300 Franken abschloss.

Für eine weitere Amtszeit wiedergewählt wurden der Vorstand und Präsident Jürg Schmutz.

Informationen zum Verein: www.hvz.ch

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