ENGELBERG: Hoteliersfamilie verzichtet auf Restaurant

Das Restaurant des Hotels Engelberg ist zu. Grund sind umfangreiche Umbau-Auflagen. Diesebefand Inhaber Thomas Infanger für zu teuer.

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Thomas Infanger und Ehefrau Nadia Baldoni-Infanger (links, stehend) schlossen ihr Restaurant im Hotel Engelberg. (Bild PD)

Thomas Infanger und Ehefrau Nadia Baldoni-Infanger (links, stehend) schlossen ihr Restaurant im Hotel Engelberg. (Bild PD)

Das Hotel Engelberg ist ein Traditionsbetrieb. Bereits in dritter Generation wirtet darauf Familie Infanger. In der Saison 2011/12 übernahm Thomas Infanger den Betrieb von den Eltern. 2013 gab es eine Beanstandung bei einer Kontrolle des Laboratoriums der Urkantone. «Es hiess, wir müssten die ganze Küche renovieren mit neuem Bodenbelag, neuer Lüftung, neuem Herd, bestimmte Wände herausreissen. Auch wurde beanstandet, dass die Toiletten für Mitarbeiter ausserhalb des Hauses seien.»

Mit Hygieneproblemen habe all dies nichts zu tun, auch nicht mit verdorbenen Lebensmitteln, betont Infanger. Für ihn und seine Frau Nadia Baldoni-­Infanger waren die Auflagen ein Schlag. Sie hätten immer wieder kleinere Renovationen vorgenommen, hält er fest. «In der Heftigkeit und mit dem Zeithorizont überraschten uns die Auflagen schon.» Vor dem Inhaberwechsel habe es ­mehrere Jahre keine Kontrollen gegeben. Nun wurden die konstatierten Mängel wiederholt beanstandet. Bis 2016 müsste der Umbau fertig sein.

Kosten in Millionenhöhe

Das junge Wirtepaar geht von Kosten für eine komplette Küchensanierung von 700 000 Franken aus, «und da es ein älteres Haus ist, muss man auch mit unvorhergesehenen Kosten rechnen, das kann in Millionenhöhe hochschnellen», befürchtet Thomas Infanger. Geld, das sie nicht haben. Damit sich ein Umbau in einer solchen Grössenordnung lohne, müsse man auch die Serviceabläufe im Haus verbessern, argumentiert Infanger. Die Küche liege ausserdem sehr ungünstig in einem Zwischengeschoss. Durch die Verschachtelung der Häuser im Dorfzentrum sei das in so kurzer Zeit nicht machbar.

Künftig als Hotel garni geführt

Thomas Infanger und seine Frau entschieden sich in dieser Situation, das Restaurant zu schliessen. «Das ist vom Gefühl her sehr emotional für uns. Es war ein spezieller Schritt. Wir müssen aber in die Zukunft schauen.» Künftig wolle man den Betrieb als Hotel garni führen, also nur mit Frühstück.

Haben sie Angst vor Einbussen? «Ein gewisser Respekt ist da», räumt der Engelberger ein. «Unsere Stammkunden werden es verstehen und wiederkommen.» Infanger plant ein neues Konzept: Im Winter sollen Wintersportler aller Art, also Skifahrer, Freerider, Tourenfahrer und Schneeschuhläufer, angesprochen werden, im Sommer neben dem bisher älteren Publikum und den Wanderern auch Biker und Trailrunner. Von der Kapazität her bleibe man bei 21 Dreisternzimmern.

Kleineres Team

Auch habe man sich von einigen Mitarbeitern trennen müssen. Statt mit bisher 14 Mitarbeitern, darunter Teilzeitkräfte, fahre man vorerst mit sechs Mitarbeitern weiter. Alle entlassenen Mitarbeiter hätten aber bereits wieder etwas gefunden, betont Thomas ­Infanger.

Das Restaurant möchte er verpachten. Beispielsweise könnte dort eine Bar Platz finden. «Etwas mit einfachen Snacks, ohne Kochgelegenheit.»

Marion Wannemacher