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ENGELBERG: Jüngster Mönch im Kloster wird zum Priester geweiht

Aus Frater Benedikt Locher wird am Samstag Pater Benedikt Locher. Kardinal Kurt Koch weiht den jüngsten Mönch im Kloster zum Priester.
Marion Wannemacher
Frater Benedikt Locher in der Klosterkirche, wo er morgen Samstag geweiht wird. (Bild: Marion Wannemacher (Engelberg, 20. September 2017))

Frater Benedikt Locher in der Klosterkirche, wo er morgen Samstag geweiht wird. (Bild: Marion Wannemacher (Engelberg, 20. September 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Frater Benedikt Locher freut sich. Seine Priesterweihe steht unmittelbar bevor. Die ersten Gäste sind schon angereist. Der 28-Jährige ist parat. «Mit den meisten Vorbereitungen sind wir fertig. Den Hauptgang haben wir ‹probegekocht›, jetzt klappt es», sagt er schmunzelnd. Das Menü verrät er nicht. Eine Priesterweihe ist ein bisschen wie eine Hochzeit: Für die Gottesdienstbesucher gibt es einen Apéro, danach ein Festessen mit geladenen Gästen.

Zum Pontifikalamt wird Kardinal Kurt Koch aus Rom anreisen. In der Weiheliturgie nach der Predigt wird ihm zuerst der Kardinal, dann alle anwesenden Priester die Hände auflegen und für den Heiligen Geist beten, ihm die priesterlichen Gewänder und die Stola anlegen und seine Hände nach biblischer Tradition mit Chrisamöl salben. Dieses steht dafür, dass der Gesalbte den «Wohlgeruch Christi», die evangelische Botschaft, verbreiten soll. «In der Priesterweihe wird Christus als König, Prophet und Hohepriester angesprochen», erklärt Frater Benedikt.

Nach der Priesterweihe darf er sich Pater Benedikt Locher nennen. Eigentlich heisst Frater Benedikt Andrin Locher mit Geburtsnamen. Noch ein Jahr vor seinem Eintritt ins Kloster hatte er eine Beziehung. Heute könnte er Frau und Kinder haben, eine Karriere als Dirigent anstreben. Doch es kam anders.

«Wieso gehst du weg, wo es dir gut geht?»

«Schon als Stiftsschüler haben mich die seltsamen Leute in ihren schwarzen Gewändern fasziniert», erzählt er augenzwinkernd. Sicher einmal in der Woche nahm er am Stundengebet der Mönche teil. «An der Matura wusste ich: Mönch zu werden, das ist eine Option. Eine andere war, zu heiraten und Kinder zu bekommen.» Er studierte Theologie in Fribourg, kam aber jeden Monat einmal am Wochenende ins Kloster. An Pfingsten 2010 geriet in ihm etwas in Bewegung. «Ich hatte Prüfungen hinter mir, war erkältet und trotzdem sagte mir der damalige Abt, ich würde gut aussehen. Als ich am Montag in den Zug stieg, fragte ich mich selbst: Wieso gehst du weg, es geht dir doch gut da?»

Eine seiner schlimmsten Wochen begann, schildert Frater Benedikt: «Ich konnte weder schlafen noch essen, es war etwas passiert.» Er rief im Kloster und bei seinen Eltern an und sprach mit ihnen darüber. Eine Exerzitienwoche im Lasalle-Haus in Bad Schönbrunn unter der Frage «Will ich ins Kloster eintreten?» habe ihm Sicherheit gegeben. «Ich versuche es, und wenn es passt, dann passt es, wenn nicht, dann nicht. Es hat gepasst», stellt er sachlich fest.

Auf ihn kommen weitere Aufgaben zu

Seine Eltern reagierten unterschiedlich. «Der Vater nahm es als rationaler Mensch auf, die Mutter hatte mehr Mühe.» An der Gelübdefeier seien bei ihr die Tränen geflossen. Doch mittlerweile habe sie festgestellt, dass sie den Kontakt zu ihrem jüngsten Sohn sehr gut halten könne und es ihm gut gehe, erzählt Frater Benedikt. Auf seinen Eintritt 2010 folgten zwei Jahre Noviziat, 2012 die einfachen Gelübde, ein Theologiestudium in München mit Abschluss im Sommer vor einem Jahr, 2015 die feierlichen und auf ewig bindenden Gelübde. Nach der Priesterweihe kommen auf Frater Benedikt zusätzliche Aufgaben zu: der Liturgie und der Eucharistie nach «Ämtliplan» vorstehen, die Beichte abnehmen. «Das ist bei den Gästen immer wieder ein Thema», sagt er. Seit genau einem Jahr ist er als Gastmeister für die Gästebetreuung im Kloster zuständig. Gastfreundschaft kennt er aus dem Haus seiner Eltern von Kindesbeinen an. Ein grosser Teil seiner Arbeit besteht aus Seelsorge. «Unter den Gästen sind suizid­gefährdete Menschen oder solche, die an einem Burn-out leiden, aber auch Leute, die sich einfach Ruhe gönnen möchten. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis Mitte 80, Männer und Frauen.» Meistens gehe es vor allem ums Zuhören, weiss der gebürtige Luzerner aus der Praxis.

Ein Kloster muss auch wirtschaftlich denken: Von 24 Betten sind übers Jahr 30 bis 35 Prozent ausgelastet. Eine Strategiekommission hat als Ziel eine Auslastung von 50 Prozent gesetzt. Eine Aufgabe auch für ihn.

Selbst wenn aus Andrin Locher kein Dirigent geworden ist: Im Kloster pflegt Frater Benedikt mit den Mitbrüdern den gregorianischen Choral, spielt mehrere Instrumente und lernt Orgel. Sein Zimmer darf er einrichten, wie er möchte. Sein Regal stamme von Ikea, und wenn er mal Zeit habe, schaue er gerne Serien auf Netflix. Unter den 20 Mitbrüdern ist er der Jüngste. Und ja, Streit gebe es auch mal, sagt er und lacht über die Frage. «Vielleicht gibt es aber ein reinigendes Gewitter, und dann ist es meistens wieder gut.»

Hinweis

Priesterweihe von Frater Benedikt Locher: morgen Samstag, 10.15 Uhr, Pontifikalamt mit Kardinal Kurt Koch in der Engelberger Klosterkirche, anschliessend Apéro im Engelsaal.

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