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ENGELBERG: «Karl May wäre zufrieden»

Geht es um Erzählungen und Forschungen von und über Karl May, ist der Luzerner Elmar Elbs die erste Adresse in der Schweiz. Dass es hierzulande nun eigene «Winnetou»-Freilichtspiele gibt, ist für den 77-Jährigen die Krönung seiner Arbeit.
Philipp Unterschütz
Elmar Elbs zu Hause vor einem Teil seiner Karl-May-Sammlung mit rund 600 Bänden. (Bild: Philipp Unterschütz (Luzern, 18. Juli 2017))

Elmar Elbs zu Hause vor einem Teil seiner Karl-May-Sammlung mit rund 600 Bänden. (Bild: Philipp Unterschütz (Luzern, 18. Juli 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Allein von Karl Mays (1842–1912) Erzählung «Der Schatz im Silbersee» stehen 60 verschiedene Ausgaben in 15 Sprachen in seiner Sammlung. Knapp 600 Bände des meistgelesenen deutschen Autors, von dessen Büchern weltweit rund 200 Millionen Stück verkauft wurden, hütet Elmar Elbs in seiner Wohnung in Luzern. Das seltenste Stück stammt aus dem Jahr 1894 und wird für rund 1200 Franken gehandelt. Gelesen hat er schon mit 18 Jahren alle 68 Bücher, die es von Karl May damals gab. Elmar Elbs darf man guten Gewissens als «Angefressenen» bezeichnen. «Karl May hat mir ein Gerechtigkeitsdenken vermittelt: Das Gute wird belohnt, das Schlechte wird bestraft. Ich spürte aus Mays Büchern, der übrigens Lutheraner war, viel an Religiosität heraus. Das hat mich mein ganzes Leben begleitet», erzählt er mit strahlenden Augen und zeigt ein Sammelalbum der Winnetou-Geschichte mit einer Art Panini-Bildchen, das er als 14-Jähriger füllte. «Karl May schuf mir einen Zugang zu vielen neuen Dingen: Geschichte, Geografie, Völkerkunde, Religion. Unser ganzes Weltbild in der Jugendzeit erlebten wir durch ihn, er war das Wikipedia unserer Zeit.»

Der heute 77-jährige Elmar Elbs, der als 11-jähriger Knirps das erste Karl-May-Buch las und seither von den Abenteuergeschichten begeistert ist, gründete 1992 die «Karl-May-Freunde Schweiz» und setzte sich in den vergangenen 25 Jahren für Mays Werk und das Lesen im Allgemeinen ein. «Dass in Engelberg nun erstmals in der Schweiz Karl-May-Freilichtspiele stattfinden, ist für mich die Krönung nach 25 Jahren Einsatz. Das war immer ein Herzenswunsch von mir», freut er sich.

Sven Furrer spielt den Bösewicht Santer brillant

Natürlich hat Elmar Elbs die Entstehung der Freilichtspiele im Klosterdorf genau mitverfolgt, mehrere Vorstellungen gesehen, und für die Veranstalter betreibt er im «Karl-May-Circle» auf dem Gelände den Bücherstand. «Die Inszenierung in Engelberg ist sehr gelungen, besser als viele andere Karl-May-Freilichtspiele, die ich gesehen habe. Nur schon wie man das ausgedehnte Gelände mit Pueblo und Westernstadt gestaltet hat und bespielt, ist toll. Und wie die Regie versprochen hat, ist man glücklicherweise sehr viel näher an der Buch-Vorlage geblieben als am bekannten Film», sagt Elmar Elbs und konstatiert: «Karl May wäre zufrieden gewesen, die ‹Winnetou›-Freilichtspiele in Engelberg enthalten sein wesentliches Credo.»

Auch die meisten Charaktere seien sehr gut besetzt, die schauspielerische Leistung gelungen. Besonders angetan hat es ihm Sven Furrer als Bösewicht Santer. «Brillant, wie er alle Stimmungslagen verkörpert. Er ist der beste Santer, den ich je gesehen habe.» Sehr gut und glaubwürdig seien auch Regisseur Giso Weissbach als Klekih-petra, Tom Volkers als Winnetou und Pit Anders als Sam Hawkens. «Im Gegensatz zu anderen Darstellungen, wo Sam Hawkens nur für Klamauk sorgt und ein Clown ist, spielt Anders ihn pfiffig und entsprechend des Charakters in den Vorlagen. Es ist wirklich ein Vergnügen, ihm zuzusehen.»

Old Shatterhand könnte heldenhafter sein

Trotz aller Begeisterung, es gibt auch einiges an Kritik von Elmar Elbs. So waren ihm die Apachen zu brav, und das Stück habe da und dort Längen, zum Beispiel die Abschiedsszene vom toten Klekih-petra. Etwas mehr erwartet hat Elmar Elbs von Christoph Kottenkamp als Old Shatterhand. «Ich hätte ihn mir mehr als Heldengestalt gewünscht. Dieses Gefühl eines grossen Kämpfers, des Mannes mit der Faust, der Schmetterhand, fehlt irgendwie.» Auch die Figur von Winnetous Schwester Nscho-tschi sei ziemlich blass, was wohl an der sprachlichen Limitierung von Darstellerin Alejandra Cardona liege. Zudem würden insbesondere die romantischen Szenen mit ihr und Old Shatterhand im Pueblo an Wirkung verlieren, weil sie doch ziemlich weit weg von den Zuschauern stattfinden.

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