ENGELBERG: Kloster Engelberg verkauft die «Bänklialp» an Russen

Im Klosterdorf sorgt ein Hotelverkauf für Kopfschütteln: Ein Russe hat das Traditionshaus «Bänklialp» übernommen.

Pascal Imbach
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Die «Bänklialp» hat einen neuen Besitzer: Was wird aus dem beliebten Hotel? (Bild Dominik Wunderli)

Die «Bänklialp» hat einen neuen Besitzer: Was wird aus dem beliebten Hotel? (Bild Dominik Wunderli)

Die «Bänklialp» ist eines der bekanntesten Hotels in Obwaldens Touristenhochburg Engelberg. Die wöchentlichen Ländlerabende sind seit Jahren fester Bestandteil des Betriebs. Dass das Traditionshaus während fünf Jahren im Besitz des Klosters Engelberg war, wissen ausserhalb des Dorfes nur wenige. Die Klostergemeinschaft hatte das Hotel und das Restaurant 2008 aus der Konkursmasse der Vorgängerfamilie erworben. Über den finanziellen Rahmen ist nichts bekannt.

Das Kloster wollte das in die Jahre gekommene Traditionshaus auf Vordermann bringen, «tatsächlich wurden die Küche erneuert und knapp die Hälfte der 30 Hotelzimmer renoviert», sagt Pächter Isidor Mathis, der die «Bänklialp» schon seit über zehn Jahren betreibt. Das sei noch in der Zeit gewesen, als Abt Berchtold Müller im Kloster das Sagen hatte. Als 2010 Abt Christian Meyer seine Nachfolge antrat, sei es zu einem Kurswechsel gekommen. «Es passierte gar nichts mehr. Das Kloster wollte nicht mehr investieren.» Über die Handänderung seien sie gerademal 24 Stunden vor Unterzeichnung des Kaufvertrags informiert worden.

Dorfbewohner sind skeptisch

Käufer und seit Anfang Jahr Besitzer der «Bänklialp» ist die Engelberg Industrial Group, gegründet 2011 vom russischen Geschäftsmann Stav Jacobi, der vor rund sechs Jahren im Kanton Zürich die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten hat (siehe Kasten). Der millionenschwere Investor soll versprochen haben, die ursprünglichen Sanierungs- und Ausbaupläne des Klosters zu Ende zu führen. Die Nachricht verbreitete sich im Dorf wie ein Lauffeuer. Nicht nur in der Engelberger Gastro-Branche wird darüber sinniert, ob das Engagement des Russen eine gute oder eine schlechte Nachricht für den Ort sei. Auch unter den Einheimischen gibt der Verkauf zu reden. Hört man sich im Dorf um, merkt man, dass viele nicht gerade begeistert davon sind, dass die urchige «Bänklialp» ausgerechnet an eine russische Beteiligungsgesellschaft übergegangen ist. Zu präsent sind auch in Engelberg die Negativmeldungen über das Hotel Gütsch in Luzern (siehe Bericht oben).

Teil des Landes gehörte dem Kloster

Diskutiert wird im Dorf auch die Frage, ob eine Institution wie das Kloster Engelberg überhaupt mit Immobilien geschäften solle. «Wenns ums Geld geht, scheinen auch die Ordensleute durchaus weltliche Interessen zu verfolgen», mutmasst ein irritierter Engelberger. Der Mann ist nicht der einzige, der darob den Kopf schüttelt.

Wie reagiert man im Kloster auf die Kritik? Und was hat es mit dem Immobiliendeal genau auf sich? «Das Kloster hat die Liegenschaft seinerzeit übernommen, weil sich mitten auf dem Hotelareal noch eine kleine Baurechtsparzelle des Klosters befand», erklärt Heinz Keller, Geschäftsleiter der Klosterbetriebe, auf Anfrage. Das heisst konkret: Ein Teil des Landes, auf dem die «Bänklialp» stand, gehörte eigentlich dem Kloster – mit dem Kauf konnten die unterschiedlichen Baurechtsparzellen vereinigt werden. Keller bestätigt auch, dass das Kloster die Liegenschaft zunächst in Eigenregie sanft sanieren wollte. «Es stellte sich aber heraus, dass eine komplette Erneuerung die finanziellen Mittel des Klosters übersteigen würde», so Keller.

Das Kloster habe seine Verkaufsabsicht nie «offensiv kommuniziert». Dennoch habe es in den vergangenen Jahren immer mal wieder Interessenten für die Liegenschaft gegeben, sagt Geschäftsleiter Keller. «Die Engelberg Industrial Group hat dann ein konkretes Kaufangebot unterbreitet. Und das hat für uns gestimmt.» Wie viel der Investor dem Kloster gezahlt hat, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Fakt ist: Das Kloster hat sich mit dem Verkauf nicht nur von der Traditionsliegenschaft «Bänklialp» getrennt, sondern auch vom erwähnten Stück Land. Keller: «Der Besitz eines Hotels und eines Restaurants ist nicht die Kernaufgabe eines Klosters.»

Für Pächter Isidor Mathis hat der Verkauf bislang keine Nachteile, wie er sagt. Im Gegenteil: «Die Käufer traten bisher sehr freundlich und zurückhaltend auf», sagt er. Die Sanierungsarbeiten in den Hotelzimmern seien bereits im Gang. Und was für Mathis besonders wichtig ist: «Die Besitzer reden uns nicht drein, wir können das Konzept des Hotels und des Restaurants so weiterführen wie bisher.» Auch auf die Ländlerabende muss im Dorf also niemand verzichten.

Kurz angebundener Verwaltungsrat

Bei der neuen Besitzerschaft gibt man sich zum Engagement in Engelberg indes wortkarg. Bruno Zuppiger, der den lediglich zweiköpfigen Verwaltungsrat der Engelberg Industrial Group präsidiert, sagt am Telefon, man habe «langfristige Absichten» mit der Bänklialp. «Zum Gerede im Dorf und zu den Finanzen sage ich nichts.» Auch zu seinen genauen Aufgaben im Verwaltungsrat der beiden in Engelberg eingetragenen Firmen will sich der ehemalige SVP-Nationalrat nicht äussern. «Ich bin keine Person des öffentlichen Interesses mehr.»