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ENGELBERG: Klosterdorf rüstet sich für arabische Touristen

Mit Originalrezepten aus dem arabischen Raum beglückt das Hotel Ramada neu seine Gäste – ein Kundensegment mit grossem Potenzial.
Sie bringen den Orient in die «Ramada»-Küche (von links): der langjährige Mitarbeiter Hafid Douhab-Eberli, Koch Mohammad Alwafai und Chefkoch Carsten Witzke. (Bild: PD)

Sie bringen den Orient in die «Ramada»-Küche (von links): der langjährige Mitarbeiter Hafid Douhab-Eberli, Koch Mohammad Alwafai und Chefkoch Carsten Witzke. (Bild: PD)

Christoph Riebli

«Das ist etwas ganz Spezielles», sagt der Nidwaldner Gastro-Experte Herbert Huber zur neuen Speisekarte des Ramada Hotels in Engelberg, «zumindest für unsere Region.» Darauf befinden sich nämlich seit kurzem zehn Originalrezepte aus dem arabischen Raum. So etwa Maispoulardenbrust «marokkanische Art» mit Couscous und Gemüse.

«Zwei arabische Familien – Stammgäste – haben uns darauf gebracht», erklärt Hotelmanager Alain Packes. Diese hätten Engelberg als Ferienort in den höchsten Tönen gelobt, doch sei das Essen für sie ein Problem gewesen. «Wir haben dann festgestellt, dass sich die arabischen Gäste zuvor meist auf den Zimmern verpflegt hatten; dort Pizza oder Pouletgerichte assen.» Ein Problem, das Herbert Huber bestens bekannt ist. «Wie die Asiaten oder Inder lassen sie sich von Fondue oder Rösti nicht begeistern. Vielleicht trauen sie auch unserer Küche zu wenig, da wir Schweizer Schweiniges und anderes essen, das für Araber nicht halal (erlaubt, Anm. d. Redaktion) ist.»

Koch aus Saudi-Arabien geholt

Im Hotel Ramada löste man das Problem pragmatisch: Ein arabischer Gast schickte Originalrezepte nach Engelberg, welche die zwölfköpfige Küchencrew um Carsten Witzke zu einer Karte verarbeitete, die deutsch, englisch und arabisch beschriftet ist. «Da uns aber das Know-how in der Küche fehlte, haben wir zusätzlich noch einen Koch aus Saudi-Arabien eingestellt», erklärt Packes weiter. Der habe dann quasi die anderen Köche in der Herstellung der Speisen angelernt.

Und das mit Erfolg: «Es ist super angekommen bei den Gästen. Übrigens auch bei der Dorfbevölkerung», schwärmt der «Ramada»-Direktor, der seit etwas mehr als vier Jahren in Engelberg arbeitet. Mit diesem speziellen Angebot hoffe er, die arabischen Stammgäste «halten zu können». Nächstes Jahr nach dem Ramadan und hauptsächlich im August könnten es gar noch mehr Gäste werden – mehrheitlich aus Saudi-Arabien und Dubai. «Der arabische Markt boomt, doch man muss auch etwas dafür tun», so Packes.

«Hoch attraktiver Nischenmarkt»

Das untermauern die hausinternen Zahlen: So habe man noch 2011 im Hotel Ramada 50 Übernachtungen von Gästen aus dieser Region gezählt. Besonders ab 2013 seien es dann sukzessive mehr geworden. Für das laufende Jahr rechnet Alain Packes bereits mit deren 1500. Ein Trend, den auch Tourismusdirektor Frédéric Füssenich bestätigt: «Seit den letzten zwei bis drei Jahren haben wir sukzessive mehr Gäste aus dem arabischen Raum in Engelberg.» Obwohl dieser Anteil bei den Logiernächten bloss 2 bis 3 Prozent ausmacht, ist es gemäss Füssenich «ein hoch attraktiver und wertschöpfungsintensiver Nischenmarkt». Gerade auch in der aktuellen Situation, «wenn die europäischen Nahmärkte nachlassen».

Also ein interessantes Gästesegment für Hoteliers. Denn die arabischen Touristen reisen nicht in Gruppen und bleiben länger als der Durchschnittsgast. Zwar sind es gemäss Füssenich keine megareichen Scheiche, doch gehörten die Reisenden hauptsächlich zur gehobenen Mittelschicht. «Das sind keine Schnäppchenjäger», sagt auch Alain Packes, «eine Familie blieb beispielsweise einen ganzen Monat bei uns und belegte drei Zimmer.» Auch hätten sie bereits für nächstes Jahr wieder gebucht.

Geografische Annäherung

Mit den Titlis-Bahnen ist Engelberg als Marke auf dem arabischen Markt schon seit rund zehn Jahren präsent, wie Tourismusdirektor Frédéric Füssenich sagt. Doch habe sich das Interesse von arabischen Touristen an der Zentralschweiz erst im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Zuvor habe sich deren Aufmerksamkeit fast ausschliesslich auf die Finanzzentren beschränkt. «Die Genferseeregion etwa war schon immer beliebt», so Füssenich. Zwar sei es wichtig, diesen Markt weiter zu bearbeiten, doch laufe das meiste über Mund-Propaganda. Dabei spielten gerade auch Angebote wie eine arabische Speisekarte eine Rolle.

Dass sich arabische Touristen langsam dem Gebiet zwischen Interlaken und Luzern annähern, legt auch eine aktuelle Logiernachtstatistik der «Hotel Revue» nahe. Gemäss dieser generierte Genf 2014 219 000 Logiernächte arabischer Touristen, Zürich 125 000, Interlaken 108 000 und Luzern 46 000. Das Sarneraatal und Engelberg jedoch noch zu wenige, um es in die Statistik zu schaffen. Gemäss Füssenich ist die Tendenz jedoch steigend. Dafür trumpfte Engelberg 2014 bei den indischen Gästen auf (70 000 Logiernächte). Dieser Wert wird in der Schweiz einzig von Zürich mit 121 000 übertroffen (Interlaken 55 000).

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