Engelberg
«Man muss nach dem Verkauf der eigenen Firma loslassen können»

Das Kaminfeuergespräch des Gewerbeverbandes Obwalden drehte sich rund um das Thema Nachfolgeregelung. Experte Bruno von Rotz wies dabei auf einige Stolpersteine hin.

Manuel Kaufmann
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Podiumsgespräch des Gewerbeverbandes Obwalden (von links): Bruno von Rotz, Jonas Wieland, Kari Wallimann und Andreas Dillier.

Podiumsgespräch des Gewerbeverbandes Obwalden (von links): Bruno von Rotz, Jonas Wieland, Kari Wallimann und Andreas Dillier.

Bild: PD

Noch nicht einmal jährig ist der Saal im Hotel Kempinski Palace in Engelberg, in dem das Kaminfeuergespräch des Gewerbeverbands Obwalden am Dienstagabend stattfand. Dabei wurden lediglich zwei Dinge vermisst: ein Bärenfell und das Cheminée.

«Ich wollte eigentlich noch eine Feuerschale organisieren, doch mir wurde gesagt, dass hier eben erst renoviert wurde», eröffnete Verbandspräsident Jonas Wieland den Abend und sorgte damit gleich für eine lockere Stimmung. Der wortgewandte Kaminfeger stellte hinterher auch gleich das Thema des Abends vor: «Heute sprechen wir über ein allgegenwärtiges Thema, mit dem sich wohl die meisten hier früher oder später auseinandersetzen müssen: die Nachfolgeregelung.»

Emotionale Faktoren sind oft wichtiger als die technischen

In einem Inputreferat zeigte KMU-Coach Bruno von Rotz mögliche Stolpersteine bei der Nachfolgeregelung auf. Als langjähriger Geschäftsführer einer KMU-Consultingfirma begleitete er schon über 150 Betriebe bei der Nachfolgeplanung. Seine Erfahrungen zeigen:

Bruno von Rotz, KMU-Coach.

Bruno von Rotz, KMU-Coach.

Bild: PD
«Die technischen Faktoren, also das Finanzielle und Juristische, sind zwar wichtig, oft scheitern Nachfolgeprozesse aber am Zwischenmenschlichen, an emotionalen Faktoren.»

Nachfolgerinnen und Nachfolger sollten deshalb gut auf die neue Rolle als Geschäftsführer vorbereitet werden. Ausserdem müsse vor der Übergabe geklärt werden, welche Rolle die abtretende Person weiterhin im Unternehmen spielt. «Die Verkäuferin oder der Verkäufer der Firma muss sich darauf einstellen, nach dem Verkauf loslassen zu können, und damit der Nachfolge die Chance geben, seine Autorität aufzubauen.» Das Wichtigste im ganzen Prozess sei die Kommunikation, betont von Rotz. Als Tipp gab er zum Schluss noch mit auf den Weg: «Beginnt frühzeitig mit der Planung.»

Podiumsteilnehmer berichten über ihre eigenen Erfahrungen

Andreas Dillier, Mitglied der Geschäftsleitung der Dillier Feuer + Platten AG.

Andreas Dillier, Mitglied der Geschäftsleitung der Dillier Feuer + Platten AG.

Bild: Robert Hess (Sarnen, 29. April 2019)

Für das Podiumsgespräch gesellten sich Andreas Dillier und Kari Wallimann zu Bruno von Rotz auf die Bühne. Andreas Dillier ist seit 2019 Mitglied in der Geschäftsleitung der Dillier Feuer + Platten AG. Er führt das Unternehmen bereits in der 8. Generation. Moderator Jonas Wieland wollte von ihm wissen, ob nicht schon von Anfang an feststand, dass er den Familienbetrieb einmal weiterführe. «Es ist klar, dass man als Dillier schon früh in Kontakt mit dem Unternehmertum kommt», antwortete Andreas Dillier. Trotzdem habe er nie einen Druck verspürt, das Unternehmen eines Tages übernehmen zu müssen. Er habe zum Beispiel auch seine Ausbildung ausserhalb des Betriebs absolviert. In dem Familienbetrieb kannten viele Mitarbeiter Andreas Dillier schon als Kleinkind. Dies mache seinen Posten in der Geschäftsleitung nicht immer leicht: «Die Autorität muss teilweise zuerst erarbeitet werden.»

Kari Wallimann, Geschäftsführer der Werth AG.

Kari Wallimann, Geschäftsführer der Werth AG.

Bild: Patricia Helfenstein-Burch (Sarnen, 18. Mai 2019)

Kari Wallimann übernahm 2017 die Werth AG in Kägiswil, nachdem er bereits 28 Jahre lang dort gearbeitet hatte. Bei Wallimanns Vorgänger stand in der Familie niemand zur Verfügung, der das Unternehmen hätte übernehmen können. So entschied er sich, das Unternehmen an Kari Wallimann, der bereits als 15-Jähriger zu der Werth AG kam, weiterzugeben. Dieser habe zuerst gezögert: «Ich habe sehr gerne draussen gearbeitet, das Dachdecken ist meine Leidenschaft.» Er wusste aber nicht, ob ihm die administrativen Arbeiten auch gefielen. Nachdem er sich aber doch dazu entschieden hatte, die Geschäftsleitung zu übernehmen, habe es ihm sehr geholfen, dass sein Vorgänger sich nach der Übergabe nicht mehr in die Entscheidungen einmischte. Über ihre eigene Nachfolge, da waren sich Kari Wallimann und Andreas Dillier einig, müssen sie sich noch keinen Kopf zerbrechen.

Vergabe des KMU-Anerkennungspreises 2020

Nach der Podiumsdiskussion vergab der Gewerbeverband Obwalden zusammen mit der Obwaldner Kantonalbank die jährlichen KMU-Anerkennungspreise – zwei Wertschätzungspreise und einen Hauptpreis –, bei dem Obwaldner Unternehmen für besondere Leistungen ausgezeichnet werden. Der erste Wertschätzungspreis erhielt die Kägiswiler Firma Werth AG. Der zweite Wertschätzungspreis ging an den jungen Lungerer Dominik Gasser mit seinem gleichnamigen Unternehmen. Beide Unternehmen erhielten 1000 Franken für ihre Leistung. Den Hauptpreis und damit das Preisgeld von 5000 Franken gewann die Elektro Furrer AG aus Sachseln, die mittlerweile nicht nur in Ob- und Nidwalden, sondern auch in Luzern und in Bern ihre Dienstleitungen anbieten.

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