ENGELBERG: Mit dicken Reifen auf die Piste in Engelberg

Mountainbiken im Schnee? Ja, das geht. Ab Mittwoch liefern sich 120 Fatbiker aus aller Welt Rennen am Snow Epic in und um Engelberg.

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Das Fatbiken ist in unserer Region noch nicht sehr verbreitet. (Bild: PD)

Das Fatbiken ist in unserer Region noch nicht sehr verbreitet. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

Dass man als Wanderer auch auf noch so steilen Pfaden auf Biker trifft, wundert schon lange niemanden mehr. Wer künftig auf Winterwanderwegen von Bikern überholt wird, muss ebenfalls nicht an seinem Verstand zweifeln. Biken im Schnee, das ist tatsächlich auch möglich: «Fatbike» heisst der neue Trend und kommt aus Amerika (siehe Kasten). Ab Mittwoch trifft sich in Engelberg die Fatbikerszene aus der ganzen Welt. «Snow Epic» nennt sich das erste Winter-Bike-Festival Europas. 120 Teilnehmer aus 20 Nationen haben sich für das Etappenrennen angemeldet.

«Regionale Wertschöpfung»

Der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich ist überzeugt: «Das Snow-Epic-Festival bringt uns regionale Wertschöpfung, erhöht aber auch den Bekanntheitsgrad Engelbergs in der Welt.» Füssenich freut sich über die Buchungen der Teilnehmer und ihrer Familien mitten im Januar, einer Zeit, wo im Wintertourismus eher weniger läuft.

Auf Engelberg als Austragungsort kamen die Veranstalter, zwei Südafrikaner, über den Kontakt zu Evert van Muyden, Geschäftsführer eines heimischen Immobilienunternehmens. Kevin Vermaak und Herman Coertze beschlossen während ihrer Ferien in Engelberg, das Snow Epic hierherzuholen. Kevin Vermaak gilt als Gründer des Apsa Cape Epic, eines «professionellen, kommerziellen Velorennens, quasi die Tour de France für Mountainbike», schätzt Füssenich ein. «Das ist der Anfang einer Entwicklung, wo wir dabei sein dürfen», freut sich der Tourismusdirektor.

Fünf Rennen an drei Tagen

Von Engelberg als Austragungsort schwärmt Renndirektorin Kati Csak in den höchsten Tönen: «Wir haben eine super Unterstützung von der Gemeinde. Engelberg ist ein idyllisches Dorf, zentral gelegen, die Anbindungen und die Pisten stimmen.» Alle 120 Teilnehmer werden fünf Rennen an drei Tagen auf präparierten Wegen und Skihängen bestreiten. Die Fahrzeiten pro Tag variieren zwischen zwei und drei Stunden für die schnellsten Fahrer, bis zu fünf Stunden für den Rest des Feldes.

Am ersten Tag geht es auf die Fürenalp, «ein schönes Einfahren auf den Loipen mit nicht zu steiler Etappe», wie Csak einschätzt. Am zweiten Tag gilt es, 800 Höhenmeter hoch zur Brunnihütte zu bewältigen. Am Abend gibt es einen Slalom auf der Klostermatte. Das letzte Rennen über die Gerschnialp soll vor allem Plausch bringen. Auf Trübsee besteht am Wochenende für Interessierte die Möglichkeit, auf den Fatbikes eine Proberunde zu drehen.

Für einige der 120 Teilnehmer wird das Rennen im Schnee zur echten Herausforderung: «Teilnehmer aus Dubai beispielsweise haben bisher vielleicht im Sand trainiert, aber waren noch nie im Schnee. Das Fahren unterscheidet sich zwar nicht gross. Aber es ist ein Vorteil, wenn man gewohnt ist, bei Regen auf unterschiedlichem Untergrund im Wald fahren zu können. Für diese Teilnehmer wird es vor allem um die richtige Kleidung und die richtige Ernährung gehen», so Kati Csak.

Bislang ist die Fatbiker-Community in Engelberg noch recht klein, weiss Frédéric Füssenich. «Sie sind freestylemässig unterwegs, nicht auf Langlaufloipen und Pisten, sondern auf Forststrassen oder nebendran auf Wiesen.» Grundsätzlich stehe man bei Engelberg Tourismus der Sache sehr offen gegenüber, betont Füssenich. Ob aus dem neuen Trend jemals ein Segment wird, sei noch die grosse Frage, so Füssenich.

«Spassgerät» für Herzblutbiker

Der Stanser Ex-Profi und heutige Mountainbike-Guide Lukas Stöckli betrachtet das Fatbike eher als «Spassgerät» und als «Nischenprodukt» für Herzblutbiker. Der Trend sei hier in der Schweiz noch sehr neu im Vergleich zu Amerika. Er selbst habe damit zwar nicht so viel Erfahrung, ist aber überzeugt: «Es eröffnet durch die breiteren Reifen weitere Dimensionen. Ob es sich als Wettkampfgerät durchsetzt, bin ich gespannt.» Vom Fahrerischen her dürfe man das Fatbike nicht überschätzen: «Fahren im weichen Schnee braucht enorm viel Kraft. Die breiten Reifen sorgen zwar für mehr Grip und Halt, aber der Auftrieb im Tiefschnee sollte nicht überbewertet werden.»

Hinweis

Fatbike-Ausstellung: Mittwoch, 14. Januar, 14 bis 18 Uhr, und Donnerstag, 15. Januar, 9 bis 14 Uhr, beim Sporting Park; Samstag und Sonntag, 17. und 18. Januar, 10 bis 14 Uhr, auf Trübsee. Das Rennen «Rocky Dual» auf der Klostermatte am 16. Januar um 18 Uhr eignet sich besonders für Zuschauer.