ENGELBERG: Sepp Häcki ist der Hüter des Robinson-Spielplatzes

Pflichtbewusst geht Sepp Häcki seiner ehrenamtlichen Arbeit nach. Mit Adleraugen wacht er über den Spielplatz im Grotzenwäldli und sorgt für Recht und Ordnung.

Amanda Amstad
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Spiel- und Picknickplatzhüter Sepp Häcki beim Grotzenwäldli in Engelberg. (Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 26. Juli 2017))

Spiel- und Picknickplatzhüter Sepp Häcki beim Grotzenwäldli in Engelberg. (Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 26. Juli 2017))

Amanda Amstad

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Eingebettet in das Engelbergertal, versteckt zwischen Sträuchern und Bäumen, befindet sich ein Spielparadies der Extraklasse. Kinder können in die Rolle eines Piraten oder eines Matrosen schlüpfen und den Bergsee des Robinson-Spielplatzes erkunden. Weiter wartet auf die kleinen Seeräuber sowohl eine Insel wie auch ein Turm mit einer Rutsche, die es zu erobern gilt. Wenn sich nach solch einer anstrengenden Seeschlacht der Hunger bemerkbar macht, stehen mehrere Feuerstellen zur Verfügung. Damit ein sorgenfreier Spielspass gewährleistet ist, gilt es, das Kinderparadies zu pflegen. Genau dieser Aufgabe hat sich der 81-Jährige Sepp Häcki verschrieben. Er sorgt ehrenamtlich für Recht und Ordnung und garantiert den Besuchern damit ein unbeschwertes Erlebnis im Grotzenwäldli.

Regeln sind da, um eingehalten zu werden

Betritt man den Erlebnisspielplatz im hinteren Teil von Engelberg, prangt am Eingang ein grosses Schild mit der Platzordnung, welches die grossen und kleinen Gäste auf das richtige Verhalten hinweist. Mit solchen Regeln versuchen die «Grotzenwäldler», so nennen sich die rund 16 Mitglieder des gleichnamigen Vereins, Verschmutzungen und Unfällen vorzubeugen. Leider beachtet aber nicht jeder diese Regeln, wie Häcki im Gespräch erklärt: «Es steht ausdrücklich geschrieben, dass das Zusammenbinden der Flosse verboten ist. Trotzdem hat dies ein Kind vor einiger Zeit nicht beachtet und zwischen den verknüpften Flossen den Fuss eingeklemmt. Die Folge war ein Arztbesuch und ein gebrochener Fuss.»

Auch der Hinweis, dass die Besucher ihren Abfall mit nach Hause nehmen und selber entsorgen sollen, funktioniere noch nicht einwandfrei, so Häcki. Aus diesem Grund begibt sich der ehemalige Dachdecker drei Mal am Tag auf eine Tour und sorgt für die nötige Ordnung. «Ich gehe am Morgen über den Platz und lese den Müll auf. Wenn alles sauber ist, gehe ich wieder nach Hause. Am Nachmittag komme ich dann erneut mit einem Eimer und der Abfallklemme. Dann merken die Besucher sofort, dass der Spion kommt und für Ordnung sorgt», sagt Häcki schmunzelnd. Und fügt an: «Auch am Abend komme ich immer und sehe nach dem Rechten, und manchmal mache ich sogar in der Nacht noch einen Rundgang.»

Er hatte auch negative Erlebnisse mit Besuchern

Obwohl Häcki der Hüter des Spielplatzes ist, erhält er jeweils am Montag von acht weiteren Grotzenwäldlern tatkräftige Unterstützung. Nach getaner Arbeit lassen die Vereinsmitglieder den Abend bei einem Feuer und einer Wurst in ihrer Vereinshütte ausklingen. Leider wissen die Besucher diese Bemühungen viel zu wenig zu schätzen: «Ich bekomme selten Lob. Die Menschen sehen meine Arbeit oft als selbstverständlich an. Entweder man macht es, oder man macht es nicht.»

So hatte der Chef des Spielplatzes auch negative Erlebnisse mit den Besuchern. «Einmal kam ich am Freitagabend um 22.30 Uhr hier auf den Spielplatz und dachte, es sei nicht viel los. Aber dann sah ich, dass eine Gruppe unter der Holzhütte ein Feuer auf dem Tisch gemacht hatte und ihr Fleisch grillierte.» Er fährt fort: «Als ich das sah, musste ich meine Zehen in den Schuhen krümmen. Ich habe ihnen zugerufen und gesagt, dass sie das zu Hause ja auch nicht auf ihrem Tisch machen.» Die Ansprache habe sich als erfolgreich erwiesen, und die Gruppe habe den Platz verlassen, so Häcki.

Spannende Begegnungen mit Menschen aller Art

Der dreifache Vater erzählt aber nicht nur von negativen, sondern auch von positiven und schönen Begegnungen, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern. «Eines Tages war hier eine Schule vom Lagerhaus St. Raphael zu Besuch, und die Kinder spielten mit den Flossen. Plötzlich kamen fünf Kinder mit Eimern und Bürsten daher. Ich überlegte mir, was die damit vorhaben und fragte die Lehrerin, ob alles in Ordnung sei. Daraufhin sagte sie mir, dass die Kinder noch nicht müde seien und so im Lagerhaus nur Unsinn anstellen würden.» Aus diesem Grund hätten die Kinder die Flosse geschrubbt und sichtlich Spass dabei gehabt, auch zur Freude des Spielplatzwächters.

Wenn es nach ihm ginge, würde er die freiwillige Arbeit als Obermann so lange machen, bis es nicht mehr geht, sagt Sepp ­Häcki. Aber obwohl er während der letzten drei Sommersaisons «den Plausch» gehabt habe in seinem Amt, müsse er auch an seine Gesundheit und an die seiner Frau Marianne denken, die vor kurzem einen Hirnschlag erlitten habe. So wolle er in Zukunft kürzertreten und voll und ganz für seine Frau da sein.

Häcki gibt aber zu, dass ihm die Begegnungen und Gespräche auf dem Spielplatz fehlen werden. Zum Schluss erzählt er eine weitere Anekdote aus seinem Leben als Platzwächter. «Man trifft hier alle Sorten von Menschen. Als im Sommer verschleierte Frauen kamen und auf dem Floss fahren wollten, sagte mein Vereinskollege zu ihnen, dass dies lebensgefährlich sei, da sie durch ihren Augenschlitz ja nichts sehen würden, wenn sie ins Wasser fallen. Daraufhin legten die Frauen ihre ‹Verkleidung› ab und begaben sich auf die Flosse und hatten sichtlich Spass», so Häcki, der sich mit einem grossen Lacher an diese Geschichte zurückerinnert.