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ENGELBERG: Skischule wird zur Therapie für behinderte Kinder

An den Skikursen des Vereins Querfeld überwinden körperlich behinderte Kinder spielerisch ihre Schwächen und finden Spass am Wintersport.
Edi Ettlin
Körperliche Defizite können die Freude der behinderten Kinder an der Bewegung in der Natur nicht trüben. (Bild: Edi Ettlin (Engelberg, 8. Januar 2017))

Körperliche Defizite können die Freude der behinderten Kinder an der Bewegung in der Natur nicht trüben. (Bild: Edi Ettlin (Engelberg, 8. Januar 2017))

Edi Ettlin

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Elf Kinder bilden einen Kreis im Picknickraum auf der Engelberger Klostermatte und wärmen sich mit Bewegungsübungen auf. Dann ziehen ihnen Väter und Mütter die Skiausrüstungen an, und es geht hinaus ins Freie, wo es gerade anfängt zu schneien. Ausser den bunten Federn an den Helmen unterscheidet die Gruppe nichts von den anderen Kindern, die an diesem Sonntagmorgen ebenfalls am Hang zu üben beginnen.

Aber etwas ist anders. Die Kinder der Skischule Querfeld sind körperlich behindert, die meisten leiden an Cerebralpa­rese. Sie müssen mit Einschränkungen im Bereich der Kraft, der Koordination und des Gleichgewichts klarkommen. Deshalb ist nur eine der sieben Betreuerinnen, die heute im Einsatz sind, Skilehrerin der Skischule Engelberg. Die anderen sind Physio- und Ergotherapeutinnen. Sie animieren die Kinder mit Stofftieren und zeigen ihnen, wie sie einer Linie entlangfahren, die Kurve kriegen und am Schluss unter dem Tor durchkommen.

Die Skischule wendet das Normalitätsprinzip an

«In der Gruppe kann man das Skifahren therapeutisch erlernen, und das macht Spass», sagt Nicole van Gansewinkel. Zusammen mit ihrem Mann Thomas Schumacher hat sie die Skikurse vor zehn Jahren ins Leben gerufen. «Wir fahren beide gerne Ski, und wir sind Physiotherapeuten», fasst sie den Anstoss für die spezielle Skischule zusammen. Die Überlegung war, den Fokus auf die Bewegung in der freien Natur zu richten und nicht auf Krankheit und körperliche Defizite. Dadurch arbeiten die Kinder, ohne es zu merken, an ihren motorischen Schwächen.

«Jeder soll machen können, was andere machen», erklärt van Gansewinkel das Normalitätsprinzip, das in der Integration von Behinderten angewandt wird. Das heisst, jedes Kind soll entsprechend seinen Fähigkeiten Skifahren lernen und mit Familie oder Gleichaltrigen in der Natur unterwegs sein können. Inzwischen ist Querfeld als Verein organisiert, dessen Angebot sich an körperlich behinderte Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren richtet. Die Kursteilnehmer kommen hauptsächlich aus der Zentralschweiz. Weil die Leiterinnen in ihrer therapeutischen Tätigkeit oft Kinder kennen lernen, die körperlich eingeschränkt sind, spricht sich das Angebot herum. Für den Kurs gibt es mittlerweile mehr Interessenten, als Plätze zur Verfügung stehen.

Der Aufwand für die Kurse ist jedoch hoch. Durch die individuelle Betreuung ist das Betreuungsverhältnis bei Querfeld fast eins zu eins. Trotzdem bezahlen die Eltern nur den Gruppentarif der Skischule.

Für die Durchführung der Skikurse arbeitet der Verein deshalb mit den Brunni-Bahnen und der Skischule Engelberg zusammen. Die Bahnen stellen Tageskarten und Räume zur Verfügung, und auch die Skischule unterstützt Querfeld im logistischen Bereich. Die Initianten sind froh, dass auch weitere Unternehmungen und Stiftungen finanzielle Hilfe leisten. «Wir können den Kurs nur durch Spenden finanzieren», sagt van Gansewinkel.

Tipps zum Skifahren als Familiensport

Nach gut drei Stunden auf den Ski stellen sich bei den Kindern trotz grossem Eifer Ermüdungserscheinungen ein. Pünktlich treffen nun auch die Mütter und Väter wieder ein. Sie erkundigen sich beim Nachwuchs, wie es gelaufen ist, und wechseln ein paar Worte mit den Therapeutinnen. Für Nicole van Gansewinkel ist dies ein weiterer wichtiger Punkt des Kurses. «Wir geben Tipps an die Eltern weiter, damit sie das Skifahren als Familiensport weiterbetreiben können», erläutert sie.

Hinzu kommt die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen. So verabschiedet man sich und freut sich aufs nächste Mal. Am letzten der vier Kurstermine steht dann Mitte Februar sogar ein Skirennen auf dem Programm. So wie das eben bei jeder normalen Skischule ist.

Hinweis

Mehr Infos: www.querfeld.org

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