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ENGELBERG: Spielerischer Schulstart im alten «Gefängnishof»

Die Zeit, als Abwarte in der Turnhalle tropfendes Wasser mit Kübeln auffangen mussten, ist nun vorbei. Das Dach ist saniert und darüber ein Pausenplatz entstanden, der laut Kindern seinen Namen verdient. Er kostete ja auch einen schönen Batzen.
Markus von Rotz

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Er war keine Augenweide, der alte Pausenplatz beim Schulhaus Aeschi auf dem Flachdach der Turnhalle mit einer Natursteinpflästerung. Mehrmals wurde das Dach saniert, aber immer wieder tropfte Wasser herunter, die genaue Ursache wurde nie gefunden. Zur Sicherheit der Kinder wurde in den 80er-Jahren ein Zaun angebracht. Man erzählt sich, dass früher Schüler im Winter auf Schneehaufen hinuntersprangen. Manchmal seien Stiefel stecken geblieben und erst im Frühling wieder aufgetaucht. Der Zaun aber machte den Platz laut Schulleiter Josef nicht kindgerechter und erinnerte «eher an einen Gefängnishof». Als man die Planung eines neuen Platzes begann, musste man feststellen, dass die Verankerungen der Spielgeräte das Dach noch «löchriger» machen würden.

Schimmelbildung und Fäulnis drohten

«Immer wieder müssen die Hauswarte mit Kübeln das tropfende Wasser auffangen, die Böden aufnehmen und die Räume entfeuchten», schrieb der Gemeinderat im Herbst 2016 zu seinem Antrag für eine Sanierung und Neugestaltung. Man könne nicht mehr zuwarten. «Folgeschäden wie Schimmelbildung und Fäulnis in der Unterkonstruktion könnten zu einer Schliessung einzelner Räume führen», hiess es damals weiter. Der Gemeinderat beantragte darum 675'000 Franken, was von der Talgemeine auch bewilligt wurde. Nun ist das Werk fertig.

Bücher als Tischtennisschläger

«Ihr habt lange auf den neuen Pausenplatz warten müssen, weil eben auch noch die Turnhalle saniert werden musste», sagte Bildungschefin Brigitta Naef am Montagnachmittag bei der kleinen Einweihungsfeier vor der grossen Kinderschar. Aber es habe sich gelohnt. Und für die auf Vordermann gebrachten alten Pingpongtische brachte sie gleich noch zwei Kisten Schläger mit, damit sie nicht mehr von blossen Händen oder wie sie selber damals als Schulkind mit Büchern die Bälle schlagen müssten. Und auch wenn man während der Bauzeit den Grund für das tropfende Wasser nicht fand, zeigte sich Naef auf Rückfrage überzeugt: «Nun ist die Decke dicht.»

Den neuen Platz konnten die Kinder am Nachmittag ihres ersten Schultages im neuen Schuljahr freudestrahlend und ganz aufgeregt in Beschlag nehmen, sich zudem noch verpflegen und dann gleich wieder nach Hause: Der Schulalltag hat in Engelberg im wahrsten Sinne spielend begonnen. Carolina (10) fand den Platz nach einer ersten Inspektion «gut und schön», vor allem das «Kletterding» in Form einer Pyramide habe es ihr angetan. Auch das Schaukeln im «Vogelnest» – andere nannten es «Spinnennetz» – gefiel ihr. «Schön und lustig» fand Johnny (11) den neuen Platz. «Der ist viel besser als vorher.» Besonders gefiel ihm der weiche rote Boden. Michelle (9) zeigte sich vor allem angetan vom Kletterbaum, den sie Burg nannte. Und die Treppe am Rand des Platzes lade zum Spielen ein. «Ziemlich cool, vor allem das Kletterseil», lautete das Urteil von Tiago (8). Besonders freute ihn, «dass der Platz nun wieder offen ist».

«Für tüchtige Glieder unserer Gemeinde»

Bei der Einweihung des Schulhauses Aeschi vor 50 Jahren, im September 1967, hatte der damalige Talammann Hans Matter den Kindern erläutert, dass das Schulhaus «sehr viel Geld» gekostet habe. «Aber kein Franken ist verloren, wenn Ihr dafür eine gute neuzeitliche Ausbildung bekommen könnt. Ihr sollt doch alle tüchtige und vollwertige Glieder unserer Gemeinde werden. Denn wenn Ihr einmal gross geworden seid, dann werdet Ihr als Männer und Frauen die Geschicke unserer Gemeinde bestimmen.» Das dürften damals auch einzelne heutige Gemeinderäte als Schulkind gehört haben. Der Rat zeigte sich «in einer Bewegungspause» auch an der Einweihung: Die Mitglieder verliessen dazu für eine kurze Zeit ihre Klausur.

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