ENGELBERG: Taschendieb bestiehlt Bergbahn-Touristen erneut

Auf Handys von asiatischen Gästen hatte er es abgesehen. Die Talfahrt von Trübsee musste der Taschendieb in Handschellen antreten.

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Der vermeintliche Dieb musste die Bergbahn in Handschellen verlassen. (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue UZ / Bruno Arnold)

Der vermeintliche Dieb musste die Bergbahn in Handschellen verlassen. (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue UZ / Bruno Arnold)

Blauer Himmel, weisse Pisten: Im dichten Gedränge am Titlis zwischen Wintersportlern und Reisegruppen herrschen auch für Langfinger ideale Bedingungen. Sei es in der Gondel oder beim Anstehen vor der Bahnfahrt. Auf Trübsee wurde am Mittwochvormittag ein 58-jähriger Franzose mit rumänischen Wurzeln bei einem Diebstahlversuch ertappt, wie Oberstaatsanwältin Esther Omlin Informationen unserer Zeitung bestätigt. Die Talfahrt musste dieser in der Folge in Handschellen und in Begleitung von Obwaldner Kantonspolizisten antreten. Der in Engelberg und anderen Wintersportorten wie Jungfraujoch oder Zermatt bekannte Taschendieb hat sich vornehmlich auf asiatische Reisegruppen spezialisiert. «Er ist vor allem an deren Handys interessiert», weiss Rene Geisser, Postenchef der Kantonspolizei in Engelberg. Schon mehrmals hatte er mit dem Mann zu tun. «Das ist sein viertes aktenkundiges Vergehen in Obwalden in den letzten drei Jahren», ergänzt Esther Omlin zum Bekanntheitsgrad des Delinquenten.

Unterwegs mit falschen Pässen

In flagranti erwischt hatte ihn eine asiatische Frau, als sich der Franzose an ihrer Tasche zu schaffen machte. Das daraufhin beigezogene Personal der Titlis-Bahnen informierte umgehend die Polizei. Diese ist den Langfinger bereits wieder los: Am Freitag wurde er von den Walliser Strafvollzugsbehörden in Empfang genommen. Diese hatten den 58-Jährigen zur Verhaftung ausgeschrieben, da er im Wallis noch eine mehrmonatige Gefängnisstrafe absitzen muss, «wegen eines gröberen Strafverfahrens», wie Esther Omlin weiss. Anschliessend wird er ausgeschafft, vorausgesetzt er bezahlt die Geldstrafe von 150 Tagessätzen an 30 Franken (insgesamt also 4500 Franken), die ihm die Obwaldner Staatsanwaltschaft aufgebrummt hat.

Per Schnellverfahren verurteilt wurde der Geständige aber nicht nur wegen versuchten Diebstahls. Die Tatbestände erweitern sich auf Passfälschung, versuchten Betrug und illegalen Aufenthalt in der Schweiz. Zwar hatte die Polizei bei ihm kein Deliktsgut gefunden. Dafür gefälschte Pässe. Unter falschem Namen hatte er sich in einem Engelberger Hotel einquartiert und – so nimmt die Staatsanwaltschaft an – damit versucht, die Zeche zu prellen. Denn Geld trug er fast keines auf sich.

Auch Wintersportgeräte begehrt

Ist das nun ein Ausnahmefall oder in grossen Skigebieten gang und gäbe? «Am Titlis kommt es immer wieder zu Diebstählen», meint Rene Geisser. Vor allem Wintersportgeräte würden gestohlen, hin und wieder passiere auch ein Taschendiebstahl. «Es ist aber keine steigende Tendenz spürbar.» Die Polizei betätigt sich zudem präventiv. So seien etwa diverse Plakate ausgehängt, die auf mögliche Gefahren hinweisen, sagt Rene Geisser weiter. Auch würden an den Schaltern der Titlis-Bahnen die Reiseleiter explizit darauf sensibilisiert.

Wachsamkeit gefragt

«Wir können nicht viel dagegen machen», sagt Peter Reinle, Mediensprecher der Titlis-Bahnen. Obwohl es viele Kameras am Berg habe, ist die Identifizierung der Personen schwierig. Denn oftmals seien ausländische Banden am Werk, Profis. «Die suchen die Menschenmassen. Wir können nur wachsam sein und unser Personal periodisch sensibilisieren.» Peter Reinle schätzt, dass sich solche Vorfälle rund drei- bis viermal pro Jahr ereignen – bei einer grossen Dunkelziffer.

Christoph Riebli

Peter Reinle, Medienchef Titlis-Bahnen : «Wir können nicht viel dagegen tun, nur wachsam sein.» (Bild: Philipp Schmidli)

Peter Reinle, Medienchef Titlis-Bahnen : «Wir können nicht viel dagegen tun, nur wachsam sein.» (Bild: Philipp Schmidli)