ENGELBERG: Tischbomben verdrängen die Raketen

Die Gefahr ist zu gross: Wegen Trockenheit herrscht im Klosterdorf ein Feuerverbot. Die geplanten Feuerwerke müssen kurzerhand abgesagt werden. Die Alternative: «Wir lassen es drinnen knallen!»

Adrian Venetz
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Tischbomben sind auch an diesem Silvester erlaubt. (Bild: Stefan Kaiser/Chris Iseli)

Tischbomben sind auch an diesem Silvester erlaubt. (Bild: Stefan Kaiser/Chris Iseli)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Die Hiobsbotschaft kam am Donnerstagabend: Engelberg erlässt auf dem ganzen Gemeindegebiet ein Feuerverbot. «Die Verantwortlichen der Gemeindeführungsorganisation und der Feuerwehr haben sich diesen Entscheid nicht leicht gemacht», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. «Die aussergewöhnliche Trockenheit und die damit verbundene Brandgefahr liessen jedoch keine andere Massnahme zu.»

«Es ist wirklich sehr trocken hier oben», sagt der alt Talammann und Chef des Gemeindeführungsstabs Martin Odermatt auf Anfrage. Gerade im Touristendorf sind Feuerwerke an Silvester beliebt. «Wir verstehen, dass unsere Gäste gerne ein Feuerwerk hätten, aber wir müssen an die Vernunft appellieren», so Odermatt. «Oberhalb von Engelberg befindet sich ein wertvoller Schutzwald für das Dorf. Auch das ist ein wichtiges Argument für ein Feuerverbot.» In den schattigen Gebieten in Engelberg sei die Gefahr natürlich geringer. «Aber wir können nicht das Dorf ‹halbieren› und an gewissen Stellen das Feuerverbot aufheben», erklärt Martin Odermatt.

«Die Enttäuschung ist sehr gross», sagt Thomas Dittrich, Präsident des Engelberger Hoteliervereins. Der Verein organisiert traditionell an Silvester ein Feuerwerk im Kurpark. «Schmerzhaft ist es besonders deshalb, weil wir einiges planen mussten, um das Feuerwerk trotz Baustelle beim Kurpark durchführen zu können. Nun ist die ganze Arbeit umsonst.»

Kurzerhand haben die Hoteliers in Engelberg reagiert: Sie bringen das Feuerwerk nun zu den Gästen nach drinnen an die Tische. «Das Feuerwerk wird in Tischbomben umgewandelt, und auf einem Flyer werden die Gäste darüber informiert, dass das traditionelle Feuerwerk an ihren Tischen abgefeuert wird. Wir lassen es drinnen knallen!», sagt Dittrich. Die Lieferung des Feuerwerks konnte noch rechtzeitig annuliert und in Tischbomben umgetauscht werden.

Man zeigt Verständnis für die Massnahme

Auch die Brunni-Bahnen hatten ein Feuerwerk geplant. Dieses geht traditionellerweise beim Bergrestaurant Ristis in die Luft. Klar sei man enttäuscht, sagt Brunni-Geschäftsleiter Thomas Küng. «Aber ich habe Verständnis für die Massnahme. Es ist wirklich sehr trocken.» Auch Gäste, die man bereits über das Feuerverbot informiert habe, hätten verständnisvoll rea-giert, so Küng. Die Feuerwerkskörper seien bereits geliefert worden, man werde das Material wohl dem Lieferanten zurückgeben können.

Dieser Lieferant ist die Feuerwerkfirma Bugano AG in Neudorf. Ein Feuerverbot wie in Engelberg sei natürlich eine Hiobsbotschaft und mit finanziellen Einbussen verbunden, sagt Toni Bussmann, Inhaber und Geschäftsleiter der Bugano AG. «Aber gegen das Wetter kann man nichts machen.»

Im Kanton Obwalden wurde die Gefahren­stufe zuerst auf «mässig» gesetzt, gestern Freitag dann noch eine Stufe höher auf «erheblich». Von einem kantonsweiten Feuerverbot sehe man nach Absprache mit dem Obwaldner Feuerwehrinspektorat aber ab, sagt Kantonsoberförster Roland Christen auf Anfrage. Die Gemeinden können – wie in Engelberg geschehen – nach Rücksprache mit dem Feuerwehrinspektorat die notwendigen Massnahmen anordnen und entscheiden, ob sie ein komplettes Feuerverbot aussprechen. «Waldbrandgefahr im Dezember – das ist schon eine ungewöhnliche Situation», sagt Christen. Über mehrere Wochen hinweg habe es aber praktisch keine Niederschläge gegeben. Gerade in Lagen über dem Nebel sei die Gefahr nicht zu unterschätzen. «Unter der Nebelgrenze ist die Gefahr etwas kleiner, weil hier eine gewisse Grundfeuchtigkeit herrscht.»

Ausser Engelberg hat keine Obwaldner Gemeinde ein absolutes Feuerverbot erlassen. Man appelliere an die Vernunft der Bevölkerung, heisst es auf Nachfrage. An kritischen Stellen werde mit Plakaten darauf hingewiesen, dass man auf das Abbrennen von Feuerwerk oder auf das Entfachen eines Feuers verzichten soll, teilt beispielsweise die Gemeinde Lungern mit.