Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ENGELBERG: Winterwerbung in Engelberg auch im Sommer

Das Wintergeschäft pausiert im Sommer nicht: Im Kampf um Übernachtungen werben die heimischen Touristiker in Schweden um Freerider und Geschäftsleute.
Christoph Riebli
Der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich unterwegs in der Dorfstrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich unterwegs in der Dorfstrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

«Nach Zermatt zählen wir die zweitmeisten Logiernächte aus Schweden von allen Schweizer Destinationen», sagt der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich stolz. 11 600 Übernachtungen sind es 2015 gewesen. Das Klosterdorf pflegt denn auch ein spezielles Band zum Land der Elche und tausend Seen. «Ganz Skandinavien ist ein dankbarer Markt, wir sind gut vernetzt. So kann man eine effektive Wertschöpfung in Engelberg auslösen», sagt Füssenich. Will heissen: Der Kontakt wird während des ganzen Jahres gepflegt. Auch vor Ort und im Sommer, wenn sonst niemand an Schnee und Skifahren denkt.

Team-Events wie «Sechser im Lotto»

Kürzlich erst ist eine Engelberger Delegation von ihrer «Sales-Tour» Oslo–Stockholm–Göteborg zurückgekehrt. Besucht hat sie vorwiegend Veranstalter, die sich auf «Meeting and Incentive»-Anlässe spezialisiert haben. Gemeint sind etwa Team-Events, die in der skandinavischen Firmenkultur einen hohen Stellenwert geniessen. «Beispielsweise werden Angestellte als Dankeschön für gute Leistungen von der Firma für eine Woche nach Engelberg eingeladen», erklärt Füssenich das Prinzip. Mit 400 Personen ist Snow Software aus Stockholm im vergangenen Winter angereist. «Das ist für uns wie ein Sechser im Lotto», schwärmt Füssenich.

Gerade Schweden ist für Engelberg im Winter «einer der wichtigsten Märkte». Erstens aus sportlicher Sicht: «Freeriden ist in Schweden das, was wirklich gute Skifahrer machen.» Und genau dafür sei «Engelberg eine Marke, die man dort kennt». Dank der Nähe zum Flughafen Zürich «kann man um 6 Uhr in Schweden auf den Flieger, um 13 Uhr steht man auf dem Titlis und hat noch einen halben Skitag vor sich», sagt Füssenich. Gar die weltbesten Freeskier zieht es ins Klosterdorf wie etwa Johan Jonsson, der im Winter in Engelberg wohnt, oder auch Matilda Rapaport – die Ehefrau des Slalomfahrers Mattias Hargin, die tragischerweise vor zwei Wochen bei Dreharbeiten in Chile in einer Lawine verstarb.

Wichtig zweitens auch aus wirtschaftlicher Sicht: «Die Schweden gehören zu den Touristen mit der längsten Aufenthaltsdauer und den durchschnittlich höchsten Pro-Kopf-Ausgaben», erzählt Füssenich weiter. «Der Markt ist nicht im Euroraum. Die Preissensibilität ist deshalb nicht so gross wie in Deutschland oder Holland.» Ein Bier und eine Pizza kosteten in Stockholm noch klar mehr als bei uns.

Erster Boom in den 1990er-Jahren

An der guten «Connection» mit Schweden ist Füssenich nicht ganz unschuldig: «Als ich 2001 Sales-Manager war, durfte ich Engelberg verkaufen und den ersten richtigen Boom miterleben.» Damals habe man den Touristikern und Reise-Einkäufern den Ort schmackhaft gemacht, sei zusammen Ski gefahren und habe danach noch das eine oder andere Bier getrunken. Daraus sind Freundschaften entstanden, die das Geschäft beleben. Oder wie Füssenich sagt: «Im darauffolgenden Jahr stiegen die Logiernächte aus dem jeweiligen Land automatisch um 500 an.»

Ganz so einfach ist das heute nicht mehr. Der Markt hat sich verändert. Nicht nur sind inzwischen die Hotels Hoheneck, Spannort und Ski Lodge selbst in schwedischer Hand. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Und das sind nebst anderen Top-Destinationen die immer beliebter werdenden Buchungsplattformen im Internet. Deshalb auch die sogenannten «Sale-Calls» vor Ort, das Werben um die Gruppenreisenden.

Ein Monat pro Jahr im Ausland

Eine strenge Arbeit: «Manchmal geht es nach sechs bis sieben Meetings und einem Businesslunch auch noch zum Znacht geschäftlich zu und her». Doch: «Das ist ein wichtiger Teil unseres Business. Unser Kernauftrag ist die Vermarktung der Destination, es liegt an uns, die Gäste nach Engelberg zu holen. Wir sind der Türöffner und Vermittler, eigene Hotels haben wir ja nicht», erklärt Füssenich, der rund einen Monat pro Jahr im Ausland unterwegs ist. Hauptsächlich ist das aber die Arbeit seiner Sales-Managerin – eine Schwedin.

Stimmt Preis, stimmt Nachfrage

Auch «neue» Märkte gilt es zu erschliessen: Im Oktober steht etwa eine Skimesse in Peking im Terminkalender. Verkaufsaktivitäten in enger Zusammenarbeit mit den Titlis-Bahnen finden auch in Indien und im arabischen Raum statt. Die Bahnen haben sogar eigene Mitarbeiter vor Ort in China, Indien, Singapur, Südkorea und Brasilien. Es werden Promotionspakete geschnürt, das Tourismusbüro liefert fixfertige Inhalte für Prospekte an Reiseveranstalter und beteiligt sich gar an den Druckkosten. «Man muss schauen, dass man im Angebot ist. Wenn der Preis und das Angebot stimmen, hat man auf dem Markt gute Chancen», sagt Füssenich. Und das besonders in Ländern wie China und Indien, die nicht zuletzt auch aus praktischen Gründen noch stärker mit Reiseveranstaltern verbandelt sind. Diese organisieren die Visa für die Reisenden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.