ENGELBERG: «Wir sind hier näher an der Natur»

Rund 150 Gäste machen derzeit Ferien auf dem Campingplatz Eienwäldli. Wir machten einen Rundgang zwischen verschneiten Wohnwagen.

Martin Uebelhart
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Stammgäste aus Deutschland verweilen sich im Wohnwagen (von links): Elke Hübschen, Leonard Becker, Heidi Hübschen und Alexander Becker. (Bilder Corinne Glanzmann)

Stammgäste aus Deutschland verweilen sich im Wohnwagen (von links): Elke Hübschen, Leonard Becker, Heidi Hübschen und Alexander Becker. (Bilder Corinne Glanzmann)

Martin Uebelhart

Alexander Becker stellt eben die Ski für seine Familie bereit, noch vor dem Mittag gehts ab auf die Piste. Im geräumigen Wohnwagen sind seine Frau Heidi, seine Schwägerin Elke und sein Sohn Leonard noch ein wenig mit Aufräumen beschäftigt. Die Familie stammt aus dem Saarland, wohnt in Merzig, an der Grenze zu Frankreich. Einen Platz weiter auf dem Campingplatz Eien­wäldli in Engelberg steht der Wohnwagen von Beckers Eltern. «Es ist gemütlich», sagt Alexander Becker auf die Frage, warum er und seine Familie auch zur Winterszeit mit dem Wohnwagen unterwegs sind. «Wir haben es hier dank gasbetriebener Fussboden- und Umluftheizung genauso warm wie zu Hause».

Mit dem Wohnwagen seien sie unabhängig, und ein kleines bisschen Abenteuer gehöre auch noch dazu, sagt er schmunzelnd. Ein kleines Abenteuer war wohl der Föhnsturm Anfang Woche. «Der Wind war zu viel für unser Vorzelt», erinnert sich der Rechtsanwalt. Das Zelt werde von Luftröhren gestützt und sei eingeknickt. «Wir mussten es noch einmal aufstellen.»

Seit vielen Jahren in Engelberg

Beckers sind alte Bekannte in Engelberg. Alexanders Eltern kommen seit 1989 ins Kosterdorf, er selber seit 1999. «Bis vergangenes Jahr hatten wir den Wohnwagen jeweils über die Wintermonate fest in Engelberg», erzählt er. Damit sich das lohne, müsse man öfter mal hinfahren. Und sein Sohn sei jetzt in die Schule gekommen. So beschränkt sich der Engelberg-Aufenthalt auf eine Woche, wie vielerorts sind auch im Saarland gerade Schulferien. «Von der Entfernung her ist das auch gut zu machen für eine Woche», sagt er. Sein Wohnort liege gut 400 Kilometer von Engelberg entfernt. «Mit dem Wohnwagen brauchen wir so etwa fünfeinhalb Stunden.» Dieses Jahr will die Familie noch weitere Ferienreisen mit dem Wohnwagen unternehmen. Im April gehts in die Provence. «Und auch der Gardasee im Sommer ist schon gebucht.»

Wind, Schnee und Regen

Fast am anderen Ende des Campingplatzes steht der Wohnwagen von Karin und Elmar Schnarwiler aus Oberkirch. Zwei Dinge sprächen für Camping im Winter: «Auf der einen Seite Camping per se. Man hat sein eigenes Bett, sein eigenes Geschirr, seine eigene Kaffeemaschine dabei. Auf der anderen Seite sind wir hier im Winter viel näher an der Natur, am Schnee.» Im Gegensatz zu zu Hause, wo man in den vergangenen Jahren vielleicht weniger Schnee gehabt habe.

«Bei einer Ferienwohnung kann man einfach die Türe zumachen. Hier haben wir noch die Herausforderung mit Wind, Schnee und Regen», sagt Elmar Schnarwiler. Seine Frau bringt neben der Natur auch die Geselligkeit ins Spiel. «Kollegen von uns sind jeweils auch auf dem Platz.» Einige von ihnen hätten eine Schneebar aufgebaut. «Da gibt es ab und zu einen Apéro, und es kommen auch noch andere Camper hinzu», berichtet Karin Schnarwiler.

Nach Engelberg kommen sie schon einige Jahre. Ihren Wohnwagen haben die beiden Mitte Dezember installiert. «Dann waren wir über Weihnachten und Neujahr hier und immer wieder über die Wochenenden», erzählt Elmar Schnarwiler. «Jetzt verbringen wir hier noch eine Woche Ferien.» Warum Engelberg? «Vielleicht gerade, weil es so nahe ist», so Karin Schnarwiler. «Man kommt hinauf und ist in den Ferien.»

Und mit 40 Minuten Entfernung lohne es sich, den Wohnwagen über längere Zeit stehen zu lassen und immer wieder zu kommen. Wenn sie in Engelberg sind, steht derzeit Langlauf im Vordergrund. «Früher war es mehr das Alpin-Fahren», sagt Elmar Schnarwiler. Und seine Frau deutet hinter den Wohnwagen: «Es ist toll, wenn man 20 Meter von hier entfernt in die Loipe einsteigen kann.»

Wintertaugliche Infrastruktur

Das Ehepaar Schnarwiler scheint typisch zu sein: «Gäste, die im Winter zu uns kommen, sind sehr sportaffin», sagt Trudy Herzog. Sie führt zusammen mit Josef Bünter den Betrieb im Eienwäldli. Der Campingplatz ist nur ein Teil davon. Daneben gibt es noch ein kleines Hotel mit 20 Zimmern und Familiensuiten, ein Restaurant und eine Wellnessanlage mit einem Felsen-Erlebnisbad, einer Saunalandschaft und einer Spa-Abteilung mit Kosmetik, Massagen und Physiotherapie. Winterbetrieb auf Campingplätzen sei vor allem im Berggebiet ein Thema, sagt Trudy Herzog.

Und der Winterbetrieb stelle auch besondere Anforderungen an die Infrastruktur. «Die muss so gebaut sein, dass man mit dem Schneepflug durchfahren kann.» Eine Einteilung in Parzellen mit Hecken und Bäumen wäre da hinderlich, hält sie fest. «Da bringt man den Schnee nicht weg.»

Der Campingplatz hat fünf Sterne. «Diesen Stand müssen wir halten», sagt Trudy Herzog. Ab und zu würden Gäste mit Wohnmobilen anreisen, die gut und gerne eine halbe Million Franken kosteten. «Wer so viel Geld investiert, will auf dem Campingplatz auch zuvorkommenden Service geboten bekommen.» Gerade im vergangenen Jahr hätten sie in neue sanitäre Einrichtungen für die Damen investiert, sagt Josefs Bruder Hans Bünter, der Verwaltungsratspräsident des Familienbetriebs ist. Rund 150 Wohnwagen seien fest installiert, im Sommer und im Winter. «Das schätzen wir natürlich,», sagt Hans Bünter, «denn unsere ganze Infrastruktur muss unabhängig von der Anzahl Gäste funktionieren.» In der Hochsaison würden sie bis zu 450 Personen beherbergen auf dem Campingplatz.

Währungsturbulenzen spürbar

Nachdenklich stimmen Trudy Herzog die Währungsturbulenzen seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses: «Das hat unsere Gästestruktur auf den Kopf gestellt.» Seien früher noch relativ viele Leute aus dem Euroraum gekommen, seien jetzt etwa 90 Prozent Schweizer. Das werde sich so schnell auch nicht ändern, befürchtet sie. «Auch wenn sich der Kurs wieder erholt, ist in den Köpfen, dass die Schweiz noch teurer ist, als sie ohnehin schon war.»

Trudy Herzog schaut vorwärts. Seit einiger Zeit würden zum Beispiel im Sommer vermehrt asiatische Individualtouristen kommen, die Bergtouren machen wollen. «Und wenn wir einen Sommer haben wie 2015, ist das natürlich toll.» Denn Campinggäste seien mobil, ergänzt Hans Bünter. «Wenn das Wetter zu schlecht wird, packen sie ein und fahren weiter.»