Engelberger Klosterbriefmarke strahlt Kraft und Dynamik aus

Eine neue Briefmarke zeigt das Kloster Engelberg farbig und lebendig. Abt Christian freut sich, dass sogar in der Abtei Licht brennt.

Romano Cuonz
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Familie Käslin mit Elin (2), Jael (5), Kira (7), Sina (8), Beno (10), Lara (12), Martina (37), Andreas (40). Ihnen verdankt das Kloster die neue Briefmarke (von links): Kurt Strässle von Post Schweiz, Abt Christian Meyer und die Gestalter Jan Schweizer und Oliver Fuchs. Romano Cuonz (Engelberg, 5. März 2020)

Familie Käslin mit Elin (2), Jael (5), Kira (7), Sina (8), Beno (10), Lara (12), Martina (37), Andreas (40). Ihnen verdankt das Kloster die neue Briefmarke (von links): Kurt Strässle von Post Schweiz, Abt Christian Meyer und die Gestalter Jan Schweizer und Oliver Fuchs. Romano Cuonz (Engelberg, 5. März 2020)

Bild: PD Bild:

«Als letztmals eine Schweizer Briefmarke das Kloster Engelberg zeigte, war unser Landammann Josef Hess gerade einmal sechsjährig», verriet Moderator Beat Christen im Barocksaal des Klosters Engelberg den zahlreichen Besuchern. Alle warteten sie gespannt auf die Enthüllung der neuen Briefmarke zum Jubiläum 900 Jahre Kloster Engelberg. Die erwähnte frühere Marke war 1967 in einer Serie mit Schweizer Baudenkmälern erschienen. Sie zeigte damals eine ziemlich statische Kirche auf violettem Hintergrund.

Umso grösser waren die Erwartungen an das neue Wertzeichen. Doch als Landammann Josef Hess dem Kloster die Grüsse der Regierung überbrachte, war das Kleinstkunstwerk noch von einem schwarzen Tuch bedeckt. Aber allein schon die Vorfreude von Hess war gross. «Als Ur-Engelberger und ehemaliger Schüler der Stiftsschule fühle ich mich dem Kloster mit seiner 900-jährigen Geschichte besonders verbunden», sagte er. Und: «So eine Sondermarke ist eine ausserordentliche Rarität und sie wird den Namen des Klosters und des Tales von Engelberg in die ganze Welt hinaustragen.»

Dem stimmte auch Kurt Strässle, Präsident der Kunstkommission der Post, bei und unterstrich: «Briefmarken sind ein wertvolles Kulturgut und halten die Geschichte lebendig.» Und dann verriet er schon einmal: «Die Gewinner des Gestaltungswettbewerbs, Oliver Fuchs und Jan Schweizer, haben die Kunst geschafft, die Symbolisierung von Offenheit und Gastfreundschaft des Klosters zum Ausdruck zu bringen.»

Lichter in Fenstern und Menschen auf dem Vorplatz

Als der grosse Moment kam, in dem Abt Christian Meyer und Kurt Strässle das Tuch langsam hoben, blitzten im Saal unzählige Handys. Was nun zum Vorschein kam – leuchtend farbig und voll von Symbolik – verblüffte alle. Und dem volksverbundenen Abt – unter dessen Krummstab Engelberg wie eh und je gut lebt – erzählte in humorvoller Weise, warum die neue Briefmarke ihm ganz besonders gut gefällt. «Da wird durch Lichter in den Fenstern, aber auch durch Menschen auf dem Vorplatz illustriert, wie dynamisch und lebendig unser Kloster auch nach 900 Jahren noch ist», lobte er. Und mit einem Augenzwinkern: «Dass vor allem auch in der Abtei helles Licht brennt, zeigt doch, wie viel hier gearbeitet wird!»

Abt Christian betonte aber auch, wie sehr er das kraftvolle Blau, diese farbige Ausstrahlung, die vom Kloster auch weiterhin ausgehen solle, gefalle. Ein zweiter, genauerer Blick auf die Marke zeigt die grosse Symbolik, die ihr eigen ist: Über dem Kirchturm strahlt ein wohl «himmlisches» Licht, daneben erhebt sich imposant der Engelberger Hausberg Hahnen. Weisse Schwünge rund ums Kloster vermitteln Dynamik.

Die Schöpfer der Marke, Oliver Fuchs und Jan Schweizer, verliehen an der Vernissage ihrer grossen Freude über den Gewinn des Wettbewerbs Ausdruck. Oliver Fuchs: «Wir wollten Power in die Marke bringen und nahmen damit das Risiko auf uns, dass unser Werk als zu extrem empfunden wird.» Dass dies – mindestens bei den Besuchern der Vernissage – keinesfalls so war, zeigte sich schon die grosse Nachfrage am Verkaufsstand. Auch die beiden Schöpfer der Marke hatten mit Verkaufen und Signieren alle Hände voll zu tun.

Wenn die Post eine neue Marke herausgibt – und wenn es wie zu diesem Klosterjubiläum sogar ein sogenannter «Sonderblock» ist – sind passionierte Philatelisten sehr interessiert daran. Vor allem für den begehrten Ersttagsbrief – in diesem Fall abgestempelt am 5. März 2020 – besteht jeweils eine grosse Nachfrage. Und solche Kuverts konnte man an diesem Tag erwerben. Sogar mit einer Unterschrift oder Widmung von Abt Christian!

Ein Herz im Zentrum des Kreuzes

Die musizierenden Engel über dem Hahnen bilden das Hauptsujet auf dem Ersttagsbrief. Nachempfunden ist es einer Holzeinlegearbeit, die der Benediktinermönch Columban Louis (1887 – 1966) fürs Dirigentenpult im Barocksaal geschaffen hatte. Sehr interessant ist auch der Sonderstempel: Als Sujet diente dabei das von Abt Christian auf der Brust getragene Kreuz, ein sogenanntes Pektorale. Im Zentrum dieses Kreuzes ist ein Herz.

Abt Christian erläuterte dazu: «Für den biblischen Menschen ist das Herz der Sitz des Menschseins und der Selbsthingabe.» Dass das 900-jährige Kloster soziale und kulturelle Werte in die Welt getragen hat – lange schon bevor es nun diese Briefmarke tun wird – bestätigte auch Obwaldens Landammann Josef Hess.

Die Briefmarke und der Ersttagsumschlag zum Jubiläum 900 Jahre Kloster Engelberg sind ab sofort auf www.postshop.ch erhältlich. Die Marke wird auch in Postfilialen und im Blumenladen des Klosters verkauft.