Engelberger Verein will sein Bier aus der Abwärtsspirale befreien

Das vor neun Jahren lancierte Engelberger Klosterbräu ist etwas von der Bildfläche verschwunden. Dank dem Wechsel zur Brauerei der Getränke Lussi AG erhofft sich der Verein einen Aufschwung.

Oliver Mattmann
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Das Engelberger Klosterbräu ist nun länger haltbar. (Bild: PD)

Das Engelberger Klosterbräu ist nun länger haltbar. (Bild: PD)

Ein Jahr vor dem Jubiläum «10 Jahre Engelberger Klosterbräu» und vor den Feierlichkeiten «900 Jahre Kloster Engelberg» erfolgt ein Neustart mit dem «himmlischen Bier», heisst es in einer Medienmitteilung des Vereins, in dessen Name das Bier aus dem Klosterdorf produziert wird. Das Wort «Neustart» kommt nicht von ungefähr. Denn nach einem fulminanten Beginn im und nach 2010, dem ein medienträchtiger Marken-Rechtsstreit mit Gigant Heineken vorausgegangen war, ist es mittlerweile ruhig geworden um das naturtrübe Bier, das mit Engelberger Quellwasser hergestellt wird. Conrad Engler, Sekretär des Vereins Engelberger Klosterbräu mit rund 110 Mitgliedern, bestätigt: «Lieferschwierigkeiten haben dazu geführt, dass sich Restaurants und Läden in Engelberg nach und nach von unserem Bier abgewandt haben.» Der Konsum durchlief laut Engler normale Schwankungen, nahm in der Tendenz zuletzt aber dementsprechend ab.

Das Problem war hausgemacht. Denn die Haltbarkeit des Gerstensafts betrug bisher nur gerade drei Monate. Deshalb lässt der Verein das Engelberger Bier nicht mehr in der Brauerei Luzern, sondern neuerdings bei der Getränke Lussi AG in Oberdorf brauen. Dank der dortigen Sterilisationsanlage kann die Haltbarkeit auf zwölf Monate verlängert werden. «Das löst alle logistischen Probleme auf einen Schlag. Lieferengpässe und Retouren mit abgelaufenem Bier sind nun Geschichte», ist Conrad Engler überzeugt. Die Nähe zum Brauort und der damit kürzere Weg für den Transport seien willkommene Nebeneffekte.

Mit der neuen Brauerei schnell handelseinig

Auf einen Effekt hofft der Verein in seiner Heimat, wo das Klosterbräu auch in Zukunft hauptsächlich ausgeschenkt respektive verkauft werden soll, selbst wenn der Verein damit liebäugelt, künftig bei einem Grossverteiler unterzukommen. So sind Hotels, Gastrobetriebe und Läden mit einem Schreiben und dem Angebot für eine Sonderaktion auf den Neuanfang aufmerksam gemacht worden. «Die ersten Reaktionen sind positiv», freut sich der Vereinssekretär. Er bezeichnet den Wechsel zur Getränke Lussi AG als «einmalige Chance.» Man sei in Oberdorf mit offenen Armen empfangen und sich in lediglich einer Sitzung handelseinig geworden.

Wer nun denkt, dass sich die Produktion aufgrund der längeren Haltbarkeit verteuert und die Kosten auf die Konsumenten abgewälzt werden, der irrt. Laut Conrad Engler ändert sich an Einstand- und Verkaufspreis des Bieres nichts. Er und seine Vereinskollegen sind zuversichtlich, dass es mit ihrem Bier wieder aufwärts geht und sie im kommenden Jubiläumsjahr tatsächlich etwas zu feiern haben. Zumindest sind bereits einige Anlässe in der Pipeline, mehr will Engler derzeit aber noch nicht verraten. Kein Geheimnis ist indes, dass der Verein seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Lokal ist, um allenfalls eine Schaubrauerei einzurichten. Auch kann man sich vorstellen, als künftige Rechtsform eine Aktiengesellschaft zu gründen, an der sich die Vereinsmitglieder beteiligen können. Conrad Engler sagt mit einem Schmunzeln: «Wer weiss, vielleicht wird der eine oder andere Traum zum 10-Jahr-Jubiläum bereits wahr.»