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Abtretender Regierungsrat Niklaus Bleiker: «Es gibt noch anderes als Politik»

Nach 14 Jahren tritt Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker zurück. Politische Triumphe, schlaflose Nächte und auch mal ein nerviges Dossier lässt er hinter sich. Und blickt vorwärts auf ein freieres Leben.
Franziska Herger
Niklaus Bleiker schlägt vor seiner Hütte am Pilatus Holz. (Bild: Corinne Glanzmann, Alpnach, 27. Juni 2018)

Niklaus Bleiker schlägt vor seiner Hütte am Pilatus Holz. (Bild: Corinne Glanzmann, Alpnach, 27. Juni 2018)

«Lauscht mal», sagt Niklaus Bleiker. Der scheidende Volkswirtschaftsdirektor steht vor der ehemaligen Arbeiterhütte am Pilatus, die er vor einem Jahr von der Korporation gemietet hat. Ausser Tannenrauschen und Vogelgezwitscher herrscht Stille. «Das ist man sich gar nicht mehr gewohnt», meint Bleiker begeistert. Kein Lärm, keine Lichter, kein Handyempfang – die Hütte ist ein wahres Idyll, und Bleikers Projekt für die Zeit nach seinem Rücktritt Ende Juni. Ein neuer Boden muss rein, ein Herd, und vor der Hütte wartet ein Beil neben einem Stapel Holz auf einen Alt-Regierungsrat mit Zeit. «Meine Frau und ich haben schon lange nach so einem Rückzugsort gesucht», sagt Niklaus Bleiker. «Wir werden es jetzt geniessen, unsere Zeit ganz frei einzuteilen.»

Kann er es kaum erwarten, die Regierungsratszeit zu beenden? Schliesslich hat Bleiker, ein emsiger Twitterer, auf dem Nachrichtendienst schon vor einiger Zeit vermeldet, er sei noch «genau 415 Stunden im Amt» und «Das Ende rückt näher» . «Das ist nicht todernst gemeint», schmunzelt der 64-jährige. «Ich hätte problemlos weitermachen können und bin bis zum Schluss voll motiviert. Doch niemand wird jünger, und es gibt im Leben noch anderes als Politik.»

An Steuer-Abstimmungen erinnert er sich gerne

Seit der frühere Raiffeisenbankleiter und Alpnacher Gemeinderat 2004 für die CVP in den Regierungsrat gewählt wurde, hat er sich kaum verändert. Belastbarkeit ist noch immer Bleikers Stärke, Gummibärli seine grösste Schwäche. Auch ungeduldig ist er geblieben. Dossiers, bei denen nicht beide Seiten gleich schnell arbeiteten, gingen ihm auch mal auf die Nerven. «Beim Flugplatz Kägiswil etwa sollte schon lange ein Betriebsreglement her und es passiert einfach nichts. Das kribbelt unter den Nägeln.» Die 14 Jahre im Amt, drei davon als Landammann, hätten ihm aber auch gezeigt, «dass vieles in der Politik nicht so einfach zu lösen ist, wie es von aussen aussieht».

Besonders vermissen wird Niklaus Bleiker die Dossiers, die er selber aufgegleist hat. Der Micropark Pilatus, der Tüftelpark, die Standort Promotion, Obwalden Tourismus – «das sind ein wenig meine Kinder», sagt er. Dass für Obwalden Tourismus aus sechs Tourismusstrategien im Sarneraatal eine wurde, beschreibt er als persönlichen Triumph. Auch an die erfolgreichen Steuer-Abstimmungen erinnert sich Niklaus Bleiker gerne. «Bevor wir mit Steuerstrategie, Richtplanung und Vermarktung ein Umfeld für innovative Unternehmen schufen, hörten wir immer «Obwalden hat kein schlechtes Image, es hat gar keines». Heute nimmt man Obwalden in der ganzen Schweiz als fortschrittlich wahr.»

Hat er sich auch Feinde gemacht? «Natürlich!»

Schlaflose Nächte gab es über die Jahre einige, und das sei auch gut so, findet Niklaus Bleiker: «Wenn einem ein Thema nicht auch in der Freizeit beschäftigt, befasst man sich zu wenig intensiv damit.» Über Leute, die ihren Job ohne Leidenschaft ausüben, kann er sich aufregen. Bleiker hat die Pflichten seines Amtes ernst genommen, auch den Kontakt mit dem Volk. «Regierungsrat ist man 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Wenn ich nicht in der Freizeit angesprochen werden wollte, muss ich halt den Kanton verlassen.»

Der Jassteppich liegt bereit: Auch als Regierungsrat konnte er die Liebe zu diesem Kartenspiel pflegen. (Bild: Corinne Glanzmann, Alpnach, 27. Juni 2018)

Der Jassteppich liegt bereit: Auch als Regierungsrat konnte er die Liebe zu diesem Kartenspiel pflegen. (Bild: Corinne Glanzmann, Alpnach, 27. Juni 2018)

Hat sich Niklaus Bleiker, bei aller Freundlichkeit, auch Feinde gemacht? «Natürlich. Auch das gehört dazu, wenn man seine Überzeugungen durchzusetzen versucht. Ich bin einfach ein sturer Siech.» Andere Weggefährten, etwa OKB-Direktor Bruno Thürig oder Martha Bächler, Geschäftsführerin der Standort Promotion, sind Freunde geworden. Ein aktives Sozialleben bedeutet Niklaus Bleiker viel. «Regierungsrat ist ein einsamer Job, man hat wenig Zeit und kann mit wenigen über Probleme reden.» Da soll es nach dem Rücktritt nicht einsam weitergehen. Der Alpnacher ist froh, all die Jahre einmal im Monat zum Jassen und jeden zweiten Freitagabend ins Turnen gegangen zu sein, dann auf ein Bier. «Das ist auch nach meinem Rücktritt noch da.» Bei Regierungskollegen ohne starken Rückhalt in der Familie, bei Freunden oder in Vereinen sah er, wie sie nach dem Rücktritt in ein Loch fielen. «Die sammeln dann Mandate, damit sie weiterhin «dabei» sind».

Bleiker selber will Mandate nur annehmen «wenn ich etwas beitragen kann». Konkreter will er nicht werden, und konzentriert sich in den Wochen nach seinem Rücktritt erstmal ganz auf seine Grosskinder, zwischen 15 Jahre und zwei Monate alt. In der Hütte am Pilatus stehen bereits Kajütenbetten für die vier bereit. Daneben möchte Niklaus Bleiker wieder mehr Wandern und Skifahren und Sport auch anderen näherbringen: Er ist OK-Präsident des Switzerland Marathon Light, den er mit seinem Freund Viktor Röthlin organisiert, sowie Vizepräsident der Winteruniversiade 2021. Grosse Reisen stehen keine an, «dafür möchte ich erst mein Englisch wieder aufbessern». Im Herbst geht es in einen Ü50-Sprachkurs - «den halben Tag Sprache, die andere Hälfte Golf.»

Ungeschriebene Rituale bringen viel

Mit Niklaus Bleiker und Franz Enderli verlassen 23 Jahre Erfahrung die Regierung, gegenüber den sieben der drei bleibenden Regierungsräte. Was möchte Bleiker seinen alten und neuen Kollegen mitgeben? «Es gibt im Gremium ungeschriebene Rituale, die viel bringen. Man spricht sich etwa als «Frau Finanzdirektorin» und «Herr Baudirektor» an - das schafft Distanz, wer eine andere Meinung hat, greift die Funktion an statt die Person.» Von Nachfolger Daniel Wyler wünscht sich Bleiker, «dass er gut zu den hervorragenden Leuten im Departement schaut.»

Doch statt Ratschläge zu erteilen will sich Niklaus Bleiker eigentlich lieber bedanken. Bei seiner Partei, der CVP Obwalden – «sie hat mich trotz Linksdrall in der Landespartei auch als sehr bürgerlichen Politiker immer getragen» – und bei den Obwaldnerinnen und Obwaldnern: «Dafür, dass sie mir die Chance gegeben haben, Regierungsrat zu sein. Es war mein Traumjob, und es war ein Privileg.»

Bilder zum Werdegang von Niklaus Bleiker

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Hier eine Sammlung von Tweets, die Niklaus Bleiker im Verlauf des letzten Jahres im Zusammenhang mit seinem Amt als Regierungsrat verfasste

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