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Er zeichnet fleissig seinen Lebensplan

Bahram Alizadah hat im Kernser Architekturbüro von Martin Ming die Lehre zum Zeichner erfolgreich abgeschlossen. Der Start war happig für den jungen Mann aus Afghanistan. Jetzt will er die Berufsmatura anpacken.
Martin Uebelhart
Bahram Alizadah (rechts) machte eine Lehre als Zeichner im bei Martin Ming in Kerns. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 24. Juli 2018))

Bahram Alizadah (rechts) machte eine Lehre als Zeichner im bei Martin Ming in Kerns. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 24. Juli 2018))

«Er hat bei der Lehrabschlussfeier keinen grossen Umschlag mit einer Ehrenmeldung erhalten», sagt Martin Ming über seinen Lehrling Bahram Alizadah aus Afghanistan. «Aber verdient hat er eine.» Der 22-jährige Mann, der vor sechs Jahren – alleine – in die Schweiz gekommen ist, hat in den vergangenen vier Jahren die Berufslehre als Zeichner EFZ Fachrichtung Architektur im Büro Ming in Kerns absolviert und erfolgreich mit der Note 4,5 abgeschlossen. Er war dieses Jahr einer von acht Lehrlingen in Obwalden, die beim Start der Ausbildung den Status Asylbewerber hatten und dieses Jahr ihren Abschluss gemacht haben. Bahram hat seit gut einem Monat die Aufenthaltsbewilligung B.

«Schon als Kind habe ich mich für Gebäude und Architektur interessiert», sagt er zu seinen Beweggründen, die Zeichner-Lehre zu beginnen. Als er als 16-Jähriger in die Schweiz kam, machte er zunächst einen Deutschkurs, seinerzeit noch angeboten von der Caritas. «Dann konnte ich das Integrative Brückenangebot besuchen», erzählt er. «Dort habe ich Unterricht in Deutsch, Informatik und Mathematik bekommen.» Gleichzeitig gab es die Möglichkeit, eine Lehrstelle zu suchen.

Es klappte bei der zweiten Schnupperlehre

Die erste Schnupperlehre konnte er in einem Architekturbüro in Stans machen. Einen Lehrvertrag habe er dort nicht erhalten, sagt Bahram. «Doch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben mir weitergeholfen.» Für eine zweite Schnupperlehre hatte er sich bei Martin Ming gemeldet, der auch zusagte. «Als es dann darum ging, ob ich Bahram für eine Lehre verpflichten sollte oder nicht, war ich hin- und hergerissen», räumt der spätere Lehrmeister Martin Ming ein, der seit 1983 sein Architekturbüro betreibt. «Einerseits war da seine Situation als 18-Jähriger, der allein ohne Familie in der Schweiz war.» Auch seine damalige Wohnsituation war alles andere als optimal. «Da fand ich, man müsse helfen», sagt Ming. Auf der anderen Seite sei eine gewisse Skepsis gewesen, was Bahram schulisch könne. Martin Ming hat es selbst in die Hand genommen, dies abzuklären. Und es zeigte sich, dass der junge Mann in Sachen Deutsch und Mathematik genug Vorwissen hat, um die Lehre zu bewältigen. «Man hatte mir gar versichert, dass Bahram in Deutsch nicht zu den Schlechtesten der Klasse zählen werde.»

Er stiess auf bürokratische Hürden

Für Bahram Alizadah war der Start in die Lehre nicht einfach. «Die Sprache war schwierig. Mit der Zeit machte ich Fortschritte und war in der Klasse besser integriert.» In einem anderen Bereich stiess er an bürokratische Grenzen. An obligatorischen Projektwochen der Schule im Ausland konnte er nicht teilnehmen, da die notwendigen Reisedokumente nicht beschafft werden konnten. «Wir hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, doch es klappte nicht», sagt Martin Ming.

In der Lehre war Alizadah zunächst mit einfacheren Arbeiten betraut. «Ich habe mit dem Zeichnen von Küchenplänen begonnen», erzählt er. Später seien die Aufgaben komplizierter geworden, er habe etwa Situationspläne für Baueingaben erstellt. «Bei den detaillierten Ausführungsplänen lernte ich mit den Problemen der Planung umzugehen und erkannte, wo die Schwierigkeiten bei der Ausführungsplanung liegen.» In letzter Zeit konnte er zwei, drei Objekte vom Anfang bis zum Ende selbstständig zeichnen.

Das nächste Ziel ist schon anvisiert

Bis vor kurzem hat er zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder zusammengelebt, die nach ihm ebenfalls in die Schweiz gekommen sind. Seit einiger Zeit wohnt er alleine. Bahram schaut bereits in die Zukunft: «In einem oder zwei Jahren will ich die Berufsmatura in Angriff nehmen.» Dazu müsse er aber erst Französisch lernen. «Die Sprache wird für die Berufsmatura verlangt.» Was er auf seinem weiteren Berufsweg machen möchte, weiss er noch nicht genau. «Vielleicht Architekt, Bauingenieur oder Informatiker in Verbindung mit Architektur. Die abgeschlossene Lehre mit Fähigkeitszeugnis ermöglicht mir eine gute berufliche Zukunft und gibt mir viele Chancen fürs Leben», meint Bahram abschliessend. Alizadah war der sechzehnte Lehrling, den Martin Ming in seiner Firma ausgebildet hat, und dieser hält gleichzeitig fest: «Er ist auch der letzte.» Bahram wird weiterhin in seinem Lehrbetrieb arbeiten.

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