Erstklassik am Sarnersee: Festivalstart ist geglückt

Das Eröffnungskonzert von Erstklassik am Sarnersee begann mit einer feuchten Wanderung. Wer den Weg auf sich nahm, wurde mit einer hochstehenden Barockstunde belohnt.

Primus Camenzind
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David van Dijk (l.), Benedict Hames und Katharina Jäckle sorgten für einen gelungenen Auftakt. (Bild: Primus Camenzind (Flüeli-Ranft, 1. September 2018))

David van Dijk (l.), Benedict Hames und Katharina Jäckle sorgten für einen gelungenen Auftakt. (Bild: Primus Camenzind (Flüeli-Ranft, 1. September 2018))

Auf das Pilgerkonzert 2017 folgte dieses Jahr ein Wanderkonzert am Festival «Erstklassik am Sarnersee». Die Gemeinsamkeit der beiden Eröffnungsveranstaltungen: garstiges Wetter. Trotzdem fanden sich am vergangenen Samstag rund 30 trittfeste Musikliebhaber bei der Kirche Sachseln ein, um auf dem Weg zur Kapelle Flüeli im Trockenen und auf halber Strecke einen musikalischen Zwischenhalt einzulegen.

Drei Solisten aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vermittelten mit einem Intermezzo – Beethovens Serenade D-Dur für Streichertrio – dem Publikum einen Eindruck, auf welch hohem Niveau sich die Konzerte von Erstklassik am Sarnersee von 1. bis 9. September bewegen werden.

Bach und Cello zum Auftakt

Am Ziel, im sakralen Raum der Kapelle Flüeli-Ranft, traten die drei Instrumentalisten in der angekündigten Barockstunde als Solisten jeweils alleine vor ihr Publikum. Als Erste gab Katharina Jäckle von Grossmeister Johann Sebastian Bach (1685-1750) die «Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello» zum Besten. Verblüffend, in welch faszinierendem Klangspektrum, mit welcher Leichtigkeit und über alle Tonlagen völlig ausgeglichen Tonkultur die aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie stammende Künstlerin das Werk vortrug. Lebhaftigkeit, Ausdrucksstärke, stupende Technik und rhythmisches Empfinden prägten die sieben Sätze der Bach-Suite.

Dieselben Attribute waren denn auch bei der nachfolgenden «Suite op. 131d g-Moll Nr. 1 für Viola» von Max Reger (1873-1916) bestimmend. Der in England geborene Benedict Hames eröffnete den Zuhörern eine selten gehörte lyrische Klangwelt – dies auf seiner Bratsche, einem in Solokonzerten selten gehörten Streichinstrument, welches in seiner Tonlage zwischen der Violine und dem Cello angesiedelt ist. Süsse, weiche und bitonal geführte Melodien standen in diesem Werk im Gegensatz zu kräftigen, zuweilen freudvoll anmutenden Passagen. Eine Meisterleistung, wie Hames diesen Wechseln eine Logik verlieh.

Schlussendlich mag es dem Publikum bei der «Chaconne aus Partita Nr. 2 für Violine» von Bach wohl bewusst geworden sein, welch unterschiedliche Eindrücke der Musik des Meisters zugrunde liegen. Das von David van Dijk interpretierte Stück gilt in der Welt des Barocks als «das Mass aller Dinge für Geiger.» In der Tat: Der Niederländer belegte diese These mit seinem meisterhaften Spiel. Variationsformen von höchstem Schwierigkeitsgrad und – immer präsent – das tänzerische der Chaconne gaben dem letzten Teil dieser Barockstunde das Gepräge.

Im Anschluss an das Wanderkonzert nahmen einige den Weg zurück nach Sachseln wieder unter die Füsse. Andere wiederum liessen sich mittels ÖV talwärts chauffieren. Man traf sich anschliessend zum gesellschaftlichen Ausklang in der «Alten Krone» – dem eigentlichen Festivaldomizil.

Weitere Konzerte des Kammermusik-Festivals bis am 9. September. Weitere Infos unter www.erstklassik.ch

«Tolle Umgebung für Kammermusik»

Nach dem Konzert sprach der Geiger David van Dijk mit unserer Zeitung über den «inneren Wert» des jährlichen Festivals. «Ich bin schon öfters hier gewesen. Ganz toll! Und es ist auch schön, wenn man die Familie dabei hat und mit Freunden, die man gut kennt und mit denen man in München fast täglich zusammen ist, in dieser tollen Umgebung Kammermusik machen kann», betonte er. Ihr jährliches Dasein würden sie einigen Schweizer Musikern des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks verdanken. Sie haben nach van Dijks Darstellung das kleine, aber feine Festival vor Jahren ins Leben gerufen. (cam)