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Bei der Korporation Alpnach bahnt sich ein Festwochenende an

650 Jahre alt ist die Korporation. Das wird seit Januar jeden Monat mit einem Anlass gefeiert. Diese Woche geht’s ganz hoch her.
Markus von Rotz
Walter Hug wurde 2012 zum Präsidenten der Korporation gewählt. (Bild Robert Hess)

Walter Hug wurde 2012 zum Präsidenten der Korporation gewählt. (Bild Robert Hess)

Ab Donnerstag wird drei Tage gefeiert in Alpnach. Die Jubiläumsfeier beginnt mit einem historischen Auftakt am Donnerstagabend. Genau 650 Jahre nach der Gründung können Interessierte beim Schlosshof eine historische Szene miterleben, gespielt von Korporationsbürgern. Als Grundlage für den von Oskar Langensand geschriebenen Text dient die von Roland Sigrist transkribierte Originalurkunde von 1368, die heute im Staatsarchiv Obwalden aufbewahrt wird. Ein Erzähler kommentiert zwischendurch fürs bessere Verständnis der damaligen Zeit die Szene. Gespielt wird in der Umgebung des Schlosshofs ab 19.30 Uhr. Bei schlechtem Wetter ist der Anlass im Pfarreizentrum.

Weiter gehen die Feierlichkeiten im Forstwerkhof Chilcherli mit einem Unterhaltungsabend am Samstag ab 18 Uhr, bestritten aus eigenem «Holz», will heissen, es treten nur korporationseigene Formationen auf, darunter das Trio Langensand oder die Generationenformation der Familie Spichtig vom Schoried. Mehrere Auftretende präsentieren ein bunt gemischtes Programm mit Musik, Gesang, Tanz und Fahnenschwingen, moderiert von Beat Hug.

Schliesslich folgt am Sonntag der Jubiläumsanlass mit Festgottesdienst. Um 9.30 Uhr trifft man sich in der Pfarrkirche, anschliessend gibt es beim Pfarreizentrum einen Volksapéro. Nach einem Festzug (11.30 Uhr) durchs Dorf ins Chilcherli und einem Bankett ist dort noch Festbetrieb bis um 18 Uhr.

Auch an diesem Wochenende erscheint ein Nachdruck des Grundlagenwerks über das Geschlecht der Wallimann.

Mehr Infos finden Sie im Internet auf www.korporation-alpnach.ch

Es begann alles mit einem Loskauf von einer Gräfin

Die Korporation Alpnach feiert ihr 650 –jähriges Bestehen - ein seltenes Jubiläum. Besonders spannend: Alpnach ist aus historischer Sicht ein auffallend gut dokumentiertes, anschauliches Beispiel für die Entstehung und Entwicklung einer Korporation in der mittelalterlichen Urschweiz.

Die grundherrschaftlichen Verhältnisse in Obwalden waren im Mittelalter - ausser in Giswil - unübersichtlich. Die Bestrebungen der habsburgischen Ministerialen, der Herrn von Wolhusen, im Hof Alpnach ihre Vogtei ähnlich zu entwickeln wie in Giswil gelangen offenbar nicht; im Hof von Giswil hatte der Meier die hohe Gerichtsbarkeit über Leben und Tod, die in Obwalden sonst nur dem Landammann zukam.

Die Zersplitterung der Herrschaftsrechte und die wohl seit der Mitte des 14. Jahrhunderts immer stärker werdenden freien Bauern, die von einer Grundherrschaft unabhängig waren, machten den Weg frei für den Loskauf der Herrschaftsrechte von der Gräfin Strassberg-Wolhusen im Jahre 1368.

Am 7. Juni 1368 kauften die Alpnacher Kilchgenossen (Kilchgenossen sind Leute, die zu einer Pfarrkirche, zu einer «Kirchhöri »gehören) von der Gräfin Margareta von Strassberg, Freifrau von Wolhusen, «alle Steuern, Gülten, Gerichte und Reche», die sie in Alpnach hatte, um «driihundert und zehenthalb pfundt pfennig gueter stebler» (Stebler: Zürcher Münze mit dem Stab der Äbtissin des Fraumünsters) ab. Die Gräfin gab das Gut und die Gülten in Alpnach den vor dem öffentlichen Gericht in Wolhusen anwesenden Arnold von Omisried und Ueli Amstein zuhanden der «vorgenannten Kilchgenossen gemeinsam von Alpnach, und zwar so, dass die Kilchgenossen und ihre Nachkommen die vorgeschrieben Steuern, Gülten, Gerichte und Rechte und was dazu gehört, mit allen Rechten und Pflichten, zukünftig frei und immer haben und nutzen sollen, besitzen, besetzten und entsetzten, und damit tun, was sie wollen und nach ihrem Willen». Das Gericht tagte «am Markt in Wolhusen an offener Strasse», wo in Vertretung der Herren von Österreich Vogt Hermann von Wolhusen zu Gerichte sass.

Die römisch-rechtlich verfasste Habsburger Urkunde ist aufschlussreich und bedeutsam, da durch die Übernahme der niederen Gerichtsbarkeit und durch die damit verbundene gemeinsame Nutzung der Güter (Allmenden) das Jahr 1368 als Anfang der Alpnacher Korporation angesehen werden kann.

Der Alpnacher Historiker Otto Camenzind schreibt mit Recht: «Dieser Kauf kann nur innerhalb des Prozesses verstanden werden, der damals durch den Verfall des mittelalterlichen Adels und das Aufkommen einer neuen Schicht freier und vermögender Bauern gekennzeichnet war.»

Nun sind es 650 Jahre seit diesem Kauf – und die Korporation Alpnach funktioniert. Das Erstaunliche: Die Korporation erfüllt die Bedingungen einer funktionierenden Allmend mustergültig. Unter dem (wissenschaftlichen) Begriff Allmend ist die nachhaltige Bewirtschaftung von lokalen, gemeinschaftlichen Ressourcen in Selbstorganisation gemeint. In Alpnach handelt es sich um die Verwaltung des Bürgergutes, bestehend aus Kulturland, Wald, Alpen und weiteren gemeinschaftlichen Liegenschaften und Werke durch die Korporation als althergebrachte Einrichtung des öffentlichen Rechts.

So erstaunt es kaum, dass die von der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom (1999) aufgestellten allgemeingültigen Kriterien – wie der frühere Landschreiber Urs Wallimann in der Korporationsschrift schreibt - für die erfolgreiche Lösung von Allmendproblemen hier erfüllt sind: Klar definierten Grenzen und der Ausschluss von nichtberechtigen Nutzern («Aneignungsregeln»), Nutzungsverordnungen zur Vermeidung von Übernutzung, demokratisch verfasstes Korporationsstatut mit Initiativ- und Mitentscheidungsrechten, Überwachung der Einhaltung der Regeln, Sanktionsmöglichkeiten bei Regelverstössen, Formen der Konfliktlösung und Anerkennung durch die übergeordnete Regierungsstelle.

Die inzwischen leider verstorbene Nobelpreisträgerin hätte Freude an dieser mustergültigen Verwirklichung ihrer Forderungen für eine sinnvolle Nutzung von Allmenden als interessanter Rechtsbereich zwischen Staat und Privateigentum - ich habe ihr davon noch geschrieben.

Angelo Garovi, alt Staatsarchivar Obwalden

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