«Es gibt zu viele Katzen»: Diese Obwaldnerin will das Leid verhindern, bevor es entsteht

Die Population von Freigänger-Katzen bereitet Susann Schmid Sorgen. Denn durch die unkontrollierte Vermehrung werden mehr Tiere krank. Die Lösung sieht die Tierschützerin in der Kastration.

Florian Pfister
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Sie besucht Bauernhöfe in der ganzen Zentralschweiz zum Wohl der Katzen. Susann Schmid opfert einen Grossteil ihrer Freizeit, um die unkontrollierte Vermehrung der Tiere zu minimieren. Zum internationalen Tag der Katze am Samstag will die Obwaldnerin ein weiteres Mal auf das Katzenelend aufmerksam machen. Denn für sie ist klar: «Leider wird bei diesem Thema weggeschaut.»

Susann Schmid setzt sich gegen das Katzenübel ein.

Susann Schmid setzt sich gegen das Katzenübel ein.

Bild: Florian Pfister (Alpnach, 3. August 2020)

Auf einem Hof im Kanton Obwalden geht sie wie so oft ihrer gemeinnützigen Tätigkeit nach. Sie ist bei Schnee, Regen und Hitze unterwegs, wie sie selbst sagt. Denn ihr liegt das Tierwohl am Herzen. Daher engagiert sich die Inhaberin der Parkettfabrik Schmid Parkett AG in Alpnach seit fünf Jahren für die Schweizer Tierschutzorganisation Netap. «Wir wollen das Elend verhindern, bevor es überhaupt entstehen kann», sagt Schmid. Das bedeutet vor allem Kastration. Denn wenn sich die Katzen übermässig vermehren, bilden sich schnell grosse Populationen auf engem Raum. Das führt zu Hygieneproblemen und zur Ausbreitung von Krankheiten. Auch Inzest kommt vor.

«Nicht jede Katze muss in ihrem Leben Junge zur Welt bringen»

In der Schweiz leben zwischen 100'000 und 300'000 herrenlose Katzen. Das schreibt Netap auf ihrer Website. «Ich gehe davon aus, dass diese Zahl noch höher ist», sagt Susann Schmid. «Manchmal fällt den Bauern gar nicht auf, wenn es weiteren Nachwuchs auf ihren Höfen gibt.» So kam es auch schon vor, dass ein Bauer die Übersicht über die Hofkatzen komplett verloren hatte. Innert kürzester Zeit wuchs die Population enorm. Eine Katze kann bis zu dreimal jährlich bis zu sieben Junge kriegen.

«Die Gesellschaft will es gar nicht wahrhaben, dass es in der Schweiz ein Katzenproblem gibt», sagt Susann Schmid. «Es ist falsch zu glauben, Katzen sollten einmal im Leben Nachwuchs bekommen und ein Ammenmärchen, dass kastrierte Katzen nicht mehr erfolgreich Mausen würden.» Die Petition vom Jahr 2018, die eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen in der Schweiz forderte, wurde vom National- und Ständerat verworfen, wie Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin von Netap, auf Anfrage mitteilt. Über 115'000 Personen hatten die Petition unterschrieben.

Es wird nach kantonalen Lösungen gesucht

Netap ist in regelmässigem Austausch mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). «Der Bund hat das Katzenelend anerkannt und sieht in der Kastration eine wirkungsvolle Methode zur Lösung. Jedoch ist eine explizite Pflicht für ihn kein Thema», sagt Esther Geisser. Daher versucht der Tierschutzverein auf kantonaler Ebene, etwas zu bewirken. «Über 700 Städte und Kommunen in Deutschland haben eine Kastrationspflicht eingeführt, dort sieht man den Erfolg», so Geisser.

Katzen seien in der Gesellschaft «Wegwerfartikel», sagt Susann Schmid. Die unkontrollierte Vermehrung führt dazu, dass ungewollte Jungtiere in Tierheime abgeschoben oder ausgesetzt werden. Viele Menschen scheuen sich laut Schmid nicht davor, ihre Katzen loszuwerden. «Die Bewohner eines Hofes konnten regelmässig beobachten, wie Leute am Waldrand ihre Katzen aussetzten. Dann suchen die Tiere Schutz beim nächsten Hof», sagt Schmid besorgt.

Kastrationsaktionen sollen gegen das Katzenübel helfen

Drei Katzen vom Hof, den Susann Schmid gerade besucht, sind noch jung genug, um neue Besitzer zu finden. Die weiteren Tiere sind bereits zu wild dafür und Menschen nicht gewohnt. Sie werden nach der Kastration wieder auf den Bauernhof zurückkehren. «Hier haben sie das Paradies», sagt die Tierschützerin in Bezug auf das autofreie Gelände rund um den Hof.

Dieses Kätzchen wird bald kastriert.

Dieses Kätzchen wird bald kastriert.

Bild: PD

Am 14. November in Stans und am 28. November in Schmids Parkettfabrik in Alpnach finden Netap-Kastrationstage statt. Susann Schmid leitet die Einsätze und arbeitet mit dem Tierschutzverein Nidwalden zusammen. An diesen Tagen erhalten zugelaufene Bauernhofkatzen und verwilderte Katzen eine Gratis-Rundumversorgung durch die Tierärzte von Netap – unter anderem werden sie kastriert.

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In Bern sind am Dienstag über 115'000 Unterschriften für eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen dem Parlament übergeben worden. Mit der Kastrationspflicht soll die übermässige Vermehrung der Tiere eingedämmt und so das Katzenleid vermindert werden.

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Romano Cuonz