«Es ist erlaubt, sich ins Berghaus zu verlieben»

Das neue Jochpass-Berghaus ist eröffnet. Reaktionen der Gäste.

Philipp Unterschütz
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Blick in das neue Sackgassstübli im bedienten Teil der Jochpasshütte. (Bild: Philipp Unterschütz)

Blick in das neue Sackgassstübli im bedienten Teil der Jochpasshütte. (Bild: Philipp Unterschütz)

Berghaus Jochpass nach dem Neubau (grosser linker Teil). (Bild: Philipp Unterschütz)
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Norbert Fischer, Bannwart der Alp Trübsee und Mitglied der Baukommission begrüsst die Gäster zur Eröffnungsfeier. (Bild: Philipp Unterschütz)
Jedes Zimmer ist ein Unikat mit speziellem Namen und entsprechender Dekoration. Hier: Snowboarder. (Bild: Philipp Unterschütz)
Ein Zimmer für Mountainbiker. (Bild: Philipp Unterschütz)
Schuhraum mit Schuhtrocknungsanlage (Bild: Philipp Unterschütz)
Neue Grossküche mit modernster Einrichtung. (Bild: Philipp Unterschütz)
Das neue Sackgassstübli im bedienten Teil. (Bild: Philipp Unterschütz)
Das neue Säumerstübli. (Bild: Philipp Unterschütz)
Blick ins neue Alpgnossestübli. (Bild: Philipp Unterschütz)
Gastlichkeit in einheimischem Fichtenholz: das neue Säumerstübli im bedienten Restaurationsteil (Bild: Philipp Unterschütz)
Dekoration im neuen Säumerstübli im bedienten Restaurant (Bild: Philipp Unterschütz)
Sackgassstübli im bedienten Teil (Bild: Philipp Unterschütz)

Berghaus Jochpass nach dem Neubau (grosser linker Teil). (Bild: Philipp Unterschütz)

Beissender eisiger Wind pfiff den knapp 70 Gästen am Trübsee ins Gesicht, als sie Ende letzter Woche durch den Schnee zum Sessellift stapften, der sie zur Eröffnung des neuen Jochpass-Berghauses brachte. Das machte aber keinem etwas aus, denn schliesslich ist dann das Einkehren in ein gemütliches Bergrestaurant noch viel schöner. Und genau diese heimelige Atmosphäre findet man im neuen Berghaus der Alpgenossenschaft Trübsee (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» von gestern).

«Super gastig»

Die Reaktion der Gäste war einhellige Begeisterung über den rustikalen Innenausbau mit lokalem Fichtenholz und die gastliche Atmosphäre. So meinte der Nidwaldner Landratspräsident Walter Odermatt, der auch Mitglied der Alpgenossenschaft ist und selber Rinder auf der Alp Trübsee hat: «Ich habe in der Genossenschaft seinerzeit den Kredit unterstützt, weil ich immer überzeugt war, dass das funktionieren wird. Jetzt kann ich sagen: Das ist eine Meisterleistung.»

Und Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Ueli Amstad bringt es auf den Punkt: «Super gastig. Das ist Heimat. Das Wesentliche sind die Leute, die das erkrampft haben. Ihre Begeisterung hat sich übertragen. Diese spezielle Atmosphäre war schon spürbar, als ich während der Bauzeit hier war.» Ueli Amstad betont auch, wie wichtig diese Investition sei für den ganzen Kanton, aber auch für Wolfenschiessen, auf deren Gemeindegebiet das neue Berghaus liegt.

Ehemaliger Charme bleibt erhalten

Hans Kopp, Gemeindepräsident von Wolfenschiessen, überbringt zur Eröffnung denn auch mit Stolz die drei Fahnen von Nidwalden, Wolfenschiessen und Tourismus Engelbergertal. «Das ist ein Musterbeispiel, wie man auch an einem abgelegenen Ort innovativ und erfolgreich sein kann. Einerseits haben unsere Bürger eine grosse persönliche Beziehung zum Jochpass, anderseits profitieren wir als Gemeinde auch von den Erträgen, welche hier erwirtschaftet werden. Die Aufträge sind in der Region geblieben. Und es gibt Arbeitsplätze.»

Voll des Lobes ist auch Thomy Vetterli, Gemeinderat und Präsident Tourismus Wolfenschiessen. Er sei im Winter Stammgast hier, lacht er und prophezeit dem Berghaus Jochpass eine goldene Zukunft. «Das wird ein super Hotspot, meine Erwartungen sind übertroffen. Als Touristiker bin ich stolz, dass wir so etwas authentisches und gastliches in der Region haben, die Genossen haben es geschafft, den Charme des ehemaligen Berghauses zu erhalten.»

Keine Konkurrenz, aber Ergänzung

«Alpenchic. Das ist ein tolles Produkt, welches unser ganzes Gebiet massiv aufwertet», freut sich Norbert Patt, Geschäftsführer der Titlis-Bahnen, die selber drei Restaurants betreiben. «Wir sind froh, dass die Alpgenosssenschaft investiert hat. Wir sehen den Jochpass nicht als Konkurrenz, schliesslich sind wir Partner und profitieren gegenseitig voneinander.» Peter Reinle, der Marketingleiter der Titlis-Bahnen, freut sich auf die gemütlichen Runden, die er am Abend vor der letzten Talfahrt hier verbringen werde. «Das ist ein weiteres Juwel am Titlis. Hätten wir es selber gebaut, würde es wohl anders aussehen. Aber genau solche Unterschiede machen das Gesamtprodukt Titlis so wertvoll.»

Das Holz hat eine Seele

So ein Projekt sei schon etwas anderes als im Tal, meint Stefan Liem, Architekt und Bauleiter in der Baukommission. «So was schafft man nur mit Leuten, die wirklich wollen. Wir waren fünf bis sechs Tage pro Woche 24 Stunden zusammen. Mich stört es, wenn Leuten sagen, toll, was du geleistet hast. Es war eine Teamleistung, und ich bin stolz, dabei gewesen zu sein.» Hanspeter Würsch von der Würsch Schreinerei AG in Buochs setzte als Projektleiter Innenarchitektur mit seinem Betriebsleiter Christoph Ott die Wünsche der Alpgenossen um. «Mit dem Mondholz aus dem Wald von hier zu arbeiten, war schon ein tolles Gefühl. Das Holz hat eine Seele, wir haben eine Beziehung dazu. Das hat viel zu dieser Meisterleistung beigetragen.»

Treffpunkt für «gäbigi Chaibe»

Norbert Fischer und Sepp Odermatt, die beiden Bannwarte der Alp Trübsee und Mitglieder der Baukommission der Alpgenossenschaft, waren massgeblich am Erfolg beteiligt. Beide sind zwar stolz, Lob wollen sie aber nicht für sich beanspruchen. «Dass wir temingerecht fertig geworden sind, ohne Unfälle, und nun dieses schöne Resultat haben, ist der tollen Teamarbeit in der Baukommission und der sehr guten Kommunikation mit und unter den Handwerkern zu verdanken. Nun kann man hier mit jedem ‹gäbige Chaib› zusammenhocken», freut sich Sepp Odermatt.

«Es ist durchaus erlaubt, sich ins Berghaus zu verlieben», schmunzelt Norbert Fischer bei seiner Begrüssungsrede und meint später, das Berghaus sei ein Teil der Identität der Alpgenossen. «Wir hatten den klaren Auftrag, den Charme und die Ausstrahlung zu erhalten. Das ist geglückt, wir waren das nicht nur den vielen einheimischen Gästen schuldig, sondern hoffen natürlich auf einen weiteren Zuwachs.» Im Sommer gäbe es noch Potenzial.

Gastfreundschaft

Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Gerantenpaar Trudy und Erwin Gab­riel zu, die ihre 17. Saison im Berghaus in Angriff nehmen. Zur Eröffnungsfeier zauberten sie mit ihrem Team den 70 Gästen ein feines Menü auf den Tisch. «Der erste Druck ist schon mal weg», meinte Trudy Gabriel zufrieden, und Erwin Gabriel bestätigt, dass man sich zwar extrem über die Investition der Alpgenossen und das neue Haus freue. «Es macht aber den Arbeitsalltag nicht nur leichter, wir brauchen in Spitzenzeiten durch die Vergrösserung der Gastronomie auch mehr Personal. Respekt habe ich noch vor der neuen Technik, aber das wird sich schnell einspielen.» Sie würden weitermachen wie bisher und hoffen, dass es den Gästen weiterhin gut gefällt. Wenig Zweifel daran hat der Engelberger Pfarrer Pater Patrick Ledergerber, der das Haus segnete. «Die Gastfreundschaft spielt in der Bibel eine grosse Rolle. Und offensichtlich auch hier im Berghaus.»

Philipp Unterschütz