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Krönender Lehrabschluss in Sachseln - mit 35 Jahren das Ziel erreicht

Désirée Theiler wollte es wissen – und begann erst als über 30-Jährige ihre Lehre als Konstrukteurin. Umwege und ein Schicksalsschlag führten sie zum Ziel. Dafür musste sie auch Opfer bringen.
Matthias Piazza
Désirée Theiler hat ihre Lehre als Konstrukteurin bei Maxon erfolgreich abgeschlossen. (Bilder: Matthias Piazza, Sachseln, 28. Juni 2018)

Désirée Theiler hat ihre Lehre als Konstrukteurin bei Maxon erfolgreich abgeschlossen. (Bilder: Matthias Piazza, Sachseln, 28. Juni 2018)

Das Timing war perfekt. Am 26. Juni erfuhr Désirée Theiler, dass sie die Lehrabschlussprüfung als Konstrukteurin bestanden hatte. Den passenden Rahmen zum Feiern bot ihr Lehrbetrieb, die Maxon Motor AG in Sachseln, am Sommerfest desselben Abends. Das freudige Ereignis machte schnell die Runde. «Viele Arbeitskollegen sprachen mich auf den Lehrabschluss an und gratulierten mir dazu», blickt sie auf den freudigen Tag zurück.

Es ist der krönende Abschluss einer vierjährigen Erfolgsgeschichte. «Ich bin erleichtert, glücklich und stolz, dass ich die Lehre durchgezogen und den Abschluss geschafft habe. Es ist ein gutes Gefühl, der ganze Prüfungsdruck ist weg», erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

«Es war manchmal recht amüsant»

Darin unterscheidet sie sich wohl nicht von den über 300 jungen Menschen, die diesen Sommer in einem Obwaldner Betrieb auf einem von rund 80 Berufen ihre Lehre erfolgreich beendet haben. Allerdings hat sie ihre Ausbildung nicht im Anschluss an die Oberstufe in Angriff genommen, sondern im Alter von 32 Jahren. «Ich war rund doppelt so alt wie meine drei Mitlernenden», erzählt sie. «Zu Beginn der Lehre waren sie mir gegenüber etwas schüchtern und schickten unter ihnen jemanden vor, um mich etwas zu fragen.»

Dies habe sich mit der Zeit gelegt. «Ich wollte nie die ‹Erwachsene› darstellen und blödelte auch mal mit ihnen herum.» Natürlich hätte sich der Altersunterschied zwischendurch bemerkbar gemacht, etwa in der Berufsschule. «Es war manchmal recht amüsant. Ich musste lachen oder schmunzeln und dachte mir einfach nur ‹oh, mein Gott›, zum Beispiel, wenn etwas gefragt wurde, was der Lehrer wenige Minuten zuvor ausführlich erklärt hatte», erinnert sie sich an die Berufsschulzeit zurück.

«Ich staunte über das gute Kurzzeitgedächtnis»

Mit 32 Jahren die erste Berufslehre zu machen, empfand sie manchmal als Vor-, manchmal als Nachteil. «Ich staunte immer wieder über das gute Kurzzeitgedächtnis der jungen Leute. Auf der Fahrt im Zug konnten sie noch den Prüfungsstoff erlernen, während ich mich Tage zuvor darauf vorbereiten musste», macht sie ein Beispiel. Über alles gesehen sei ihr das Lernen erstaunlich gut gegangen, auch wenn sie viel Zeit dafür habe investieren müssen. Schliesslich galt es neben den berufsspezifischen Fächern wie etwa Physik, Mathematik, Elektrotechnik oder Zeichnen auch weitere Gebiete wie Allgemeinbildung zu beherrschen. «Das letzte halbe Jahr war herausfordernd.» Manchmal habe sie ihren jüngeren Mitschülern auch etwas voraus gehabt. «Man hat mehr Lebenserfahrung und fällt die Entscheidung für eine Lehre bewusster.» Als grosse Herausforderung empfand sie auch das Finanzielle. «Zwar verdiente ich mehr als eine ‹normale› Lernende, trotzdem hatte ich während der Ausbildungszeit finanzielle Einbussen. Wohnung, Lebensmittel, Versicherungen und Auto mussten trotzdem bezahlt werden. Es wurde manchmal ziemlich eng», erinnert sie sich. Auch das Privatleben, sprich der Freundeskreis, musste zurückstecken. «Oft kam ich um eine Absage nicht herum, weil etwa eine Prüfung bevorstand. Glücklicherweise reagierte das Umfeld sehr verständnisvoll.»

Über Umwege zu Maxon – und zur Lehre

Die Frage nach dem späten Lehrabschluss beantwortet sie mit einem Schicksalsschlag. Ihre Eltern liessen sich damals scheiden. Die Belastung wurde zu hoch für sie, sie brach die Schreinerlehre ab, jobbte später in einem Luzerner Restaurant, kam dort über Umwege zu Maxon. Das war am 1. Juli 2003. Sie arbeitete dort zuerst als Aushilfe in der Produktion und half mit beim Zusammenbauen von Motoren. Sie wechselte intern von der Produktion in die Konstruktion und wurde immer mal wieder von Vorgesetzten auf eine Lehre als Konstrukteurin angesprochen. Im September 2013, auf der Autofahrt von ihrem Wohnort Kriens nach Sachseln, machte es plötzlich klick. «Ich hatte eine Scheidung hinter mir und das Bedürfnis nach einer Veränderung», erzählt sie. Schnell erhielt sie das OK für die Lehre. «Als Konstrukteurin ist man ein bisschen Daniel Düsentrieb», begründet sie ihre Faszination für diesen Beruf.

Désriée Theiler an ihrem Arbeitsplatz bei der Maxon Motor AG, Sachseln.

Désriée Theiler an ihrem Arbeitsplatz bei der Maxon Motor AG, Sachseln.

Die Lehrabschlussfeier vom kommenden Samstag musste sie absagen. Sie wird in der Maxon Motor Benelux in Holland eine Woche lang schnuppern. «Wenn alles gut läuft, bekomme ich die Möglichkeit, ein halbes oder ganzes Jahr in Holland zu arbeiten», sagt sie zu ihren Zukunftsplänen. Die Lehre sei für sie eine sehr wertvolle Lebenserfahrung gewesen und habe sie in ihrer Haltung «es ist nie zu spät» bestärkt.

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