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Ex-Buchhalter droht Gefängnisstrafe

Der heute 37-Jährige ehemalige Buchhalter der Titlisbahnen gab eigenmächtig 10 Millionen Franken seiner Arbeitgeberin aus und steckte das Geld in dubiose Anlagefirmen in Asien. Im Prozess erklärte der Angeklagte, er habe Gutes für die Bergbahnen tun wollen. Die Staatsanwaltschaft spricht von Skrupellosigkeit.
Die Seilbahn Trübsee-Stand der Titlis-Bahnen. (Bild: Keystone)

Die Seilbahn Trübsee-Stand der Titlis-Bahnen. (Bild: Keystone)

Oberstaatsanwältin Esther Omlin wirft dem Mann mehrfache Veruntreuung, Urkundenfälschung und Unterdrückung einer Urkunde vor. Sie fordert eine vierjährige Freiheitsstrafe - unbedingt. Hinzu kommen Zivilforderungen der Titlisbahnen von rund 10 Mio. Franken und 23'000 Franken Untersuchungskosten.

Die Oberstaatsanwältin warf dem ehemaligen Buchalter in ihrem Plädoyer am Donnerstag vor dem Kantonsgericht in Sarnen Skrupellosigkeit und Gewinnsucht vor. In dem er ein privates Konto für allfällige Gewinne aus den Investments eröffnete, habe er sich persönlich bereichern wollen, sagte die Anklägerin.

Als Buchhalter hätte er keine Kompetenz gehabt, Überweisungen zu Investmentgesellschaften alleine zu tätigen. Er habe das Vertrauen seines Arbeitgebers systematisch missbraucht. Seine Tätigkeit habe er verschleiert, in dem er Belege gefälscht und die Buchhaltung frisiert habe.

Rendite von 566 Prozent versprochen

Der Buchhalter investierte 62'000 Franken von seinem eigenen Konto. Ein angeblicher Mitarbeiter einer Finanzfirma versprach telefonisch eine Rendite von 566 Prozent.

Zwischen Frühjahr 2009 und Sommer 2010 überwies der Buchhalter dann innert 14 Monaten mit 24 Transaktionen die rund 10 Mio. Franken der Titlisbahnen auf asiatische Konten. Nun wird versucht einen Teil des verlorenen Geldes wieder zurück zu beschaffen.

Der Geldabfluss brachte die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG an den Rand der Pleite, wie Verwaltungsratspräsident und FDP- Ständerat Hans Hess vor Gericht erklärte. Das finanzielle Loch wurde aufgedeckt, als die Obwaldner Kantonalbank Zahlungen wegen ungenügender Kontodeckung verweigerte.

Der ehemalige Buchhalter erklärte zum Motiv, er habe auf Gewinne gehofft und etwas Gutes für die Bahn tun wollen. Das separate Konto sei von den Geschäftspartnern verlangt worden. Diese hätten ihn unter Druck gesetzt, weitere Zahlungen zu leisten.

Verteidiger: Lasche Kontrollen

Verteidiger Urs Rudolf will verhindern, dass sein Mandant ins Gefängnis wandern muss. Er beantragte eine bedingte 16-monatige Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von 2 Jahren.

Der Verteidiger räumte Fehler seines Mandanten ein. Deswegen sei er wegen ungetreuer Geschäftsführung und mehrfacher Urkundenfälschung schuldig-, vom Vorwurf der Veruntreuung aber freizusprechen. Der ex-Buchhalter sei Opfer von Betrügern geworden.

Zudem sei der Buchhalter nicht als alleiniger Treuhänder für die Verwaltung des Vermögens zuständig gewesen. Die laschen Finanzkontrollen bei den Titlisbahnen damals hätten die unerwünschten Transaktionen und das Fehlverhalten begünstigt, sagte Rudolf.

Mitarbeiter der Obwaldner Kantonalbank hätten die Titlisbahnen auf suspekte Zahlungen aufmerksam gemacht. Zwei Jahre lang habe sein Mandant praktisch unkontrolliert walten können.

Entschuldigung unter Tränen

Der Buchhalter konnte die Zahlungen vom Firmenkonto übers Internet selber auslösen. Dafür nötig waren sein Zugangscode sowie jener seines Vorgesetzten. Den Code des Finanzchefs erhielt der Buchhalter von Beginn weg und bewahrte ihn in der Pultschublade auf. «Das war normal. Für den Fall, dass er nicht da war», erklärte der Angeklagte die damalige Praxis bei den Titlisbahnen.

Der Angeklagte entschuldigte sich im Gerichtssaal unter Tränen bei allen, die von der Angelegenheit betroffen seien: «Es tut mir wirklich sehr leid. Ich kann heute nicht alle Entscheidungen von damals rational erklären.» Er appellierte vor den drei Richtern nicht ins Gefängnis zu müssen, um weiterhin für seine Familie sorgen zu können. «Eine Gefängnisstrafe wäre mein Untergang.» Er arbeitet heute als Buchhalter.

Das Obwaldner Kantonsgericht gibt sein Urteil am Freitag um 11 Uhr mündlich bekannt.

sda

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