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Experte zu Skigebiete-Zusammenschluss: «Es braucht vertiefte Abklärungen»

Die Verbindung der drei Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg soll mit einer Machbarkeitsstudie erneut ausgelotet werden. Das lohne sich, findet ein Tourismus-Experte.
Franziska Herger
Gibt es dereinst eine Verbindung zwischen den drei Skigebieten? Im Bild die Bergstation der Melchsee-Frutt. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (14. September 2018))

Gibt es dereinst eine Verbindung zwischen den drei Skigebieten? Im Bild die Bergstation der Melchsee-Frutt. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (14. September 2018))

Seit 15 Jahren besteht die Idee eines Zusammenschlusses der drei Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg. Nun soll eine Machbarkeitsstudie, finanziert mit Geldern der drei betroffenen Bergbahnen und Kantone sowie des Bundes, ein für allemal klären, ob die umstrittene Verbindung möglich und sinnvoll ist. Dies, nachdem eine Masterarbeit mangelnden Konsens für ein solches Projekt ausmachte und unter anderem Schwierigkeiten bei der Finanzierbarkeit und Widerstand vonseiten der Umweltverbände aufzeigte. Die Autoren empfehlen deshalb weitere Abklärungen. Tourismus-Professor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern–Wirtschaft erklärt im Interview, weshalb die Studie aus seiner Sicht sinnvoll ist.

Urs Wagenseil, die Verbindung der drei Skigebiete soll erneut ausgelotet werden. Lohnt sich das mit Blick auf die Resultate der Masterarbeit zum Thema?

Urs Wagenseil. (Bild: PD)

Urs Wagenseil. (Bild: PD)

Ich finde es berechtigt, das nochmals aufzurollen, aus mehreren Gründen. Erstens wird die neue Studie von den beteiligten Bergbahnen und von den Kantonen mitgetragen und mitfinanziert – das ist ein positives Signal. Und zweitens wäre es fahrlässig, den Entscheid über ein volkswirtschaftlich so wichtiges Projekt allein aufgrund einer Masterarbeit zu fällen – auch wenn sie positiv ausgefallen wäre. Es braucht hier vertiefte Abklärungen.

Stehen die Chancen für einen Zusammenschluss denn heute besser als vor zehn oder fünfzehn Jahren?

Es wird sicher auch heute Hürden und Gegner geben. Stolpersteine könnten die Finanzierung und Umweltaspekte sein. Aber: Man hört ständig, der Tourismus müsse innovativ sein. Daher ist es berechtigt, auch einmal ein grosses Projekt zu prüfen. Die grossen Würfe aus vergangenen Jahrzehnten bilden schliesslich noch heute das Fundament für unseren Bergtourismus.

Und bei den Bergbahnen?

Hier hat der Marktdruck definitiv zugenommen, mit der Skiarena Andermatt-Sedrun sozusagen vor der Haustüre. Die Nachfrage nach Wintersport nimmt ab, gleichzeitig sind bisher kaum Skigebiete verschwunden, was zu mehr Wettbewerb und Preiskampf führt. Die Devise, dass nur die stärksten überleben können, dürfte konkreter werden. Optimierungen, Projekte und Szenarien zu prüfen gehört daher zum Grundauftrag der Bahnen.

Laut der Masterarbeit könnten sich grundsätzlich nur die Titlis-Bahnen einen Zusammenschluss leisten. Wie schwer ist es, Investoren für solche Projekte zu finden?

Man kann hier an die Zusammenlegung einzelner Geschäftsbereiche, etwa dem Marketing oder der Technik, oder an andere Unternehmensformen denken. Das birgt Sparpotenzial. Ob es für neue Investitionen externe Drittmittel braucht, kann heute noch nicht vorausgesagt werden. Sicher ist: Gute neue Projekte haben grössere Chancen, frische Finanzmittel zu bekommen, als Renovationen im Status quo.

Würde sich der Zusammenschluss auch für Engelberg-Titlis lohnen, oder wäre das Gebiet nur der Goldesel?

Auch Engelberg ist kein Riesen-Skigebiet und steht im harten Wettbewerb. Es lohnt sich, in die Zukunft zu schauen. Was heute genügt, kann in 15 Jahren schon nicht mehr funktionieren. Zeigen aber die Fakten dann, dass die Titlis-Bahnen von einem Zusammenschluss nicht profitieren würden, wäre dies kein gutes Fundament für eine Verbindung.

Viele Obwaldner identifizieren sich stark mit «ihrem» Skigebiet. Würde ein Zusammenschluss zu einem Identitätsverlust führen?

Das glaube ich nicht. Dem Nutzer geht sein Skigebiet ja nicht verloren. Vielmehr böte die Verbindung freiwillig nutzbare Erweiterungen und Möglichkeiten, einzelne Teile des ganzen Gebiets stärker zu spezialisieren. Dann muss nicht jedes Skigebiet den Anforderungen aller Gäste genügen.

Die neue Studie will auch auf den Sommertourismus fokussieren. Dort liege Potenzial brach. Eine zutreffende Einschätzung?

Ja und nein. Mit Wandern allein verdient man zu wenig. Ein grösseres Bike-Angebot würde sicher neue Gäste bringen. Aber das ist eine Hilfsmassnahme, sie bedeutet nicht die Rettung der Skigebiete. Die Einnahmen werden nie diejenigen des Winters erreichen. Zum Vergleich: Auf der Lenzerheide fördert man das Biken seit 20 Jahren, und der Sommer spielt zirka sieben Prozent des Gesamtverkehrsertrages ein.

Was, wenn alles beim Alten bleibt? Können die drei Skigebiete langfristig überleben?

Das ist zu hoffen, aber nicht garantiert. Engelberg ist am Stärksten und kann die Herausforderungen der Zukunft wohl stemmen. Meiringen-Hasliberg und die Frutt haben weniger Marktkraft. Das Projekt ist für sie strategisch wichtig.

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