Experten beurteilen Sarner Dorfzentrum

Wie sieht der Sarner Dorfkern 2030 aus? Ein externes Büro hat die Situation analysiert – und appelliert an die Bürger.

Primus Camenzind
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Wurde analysiert: das Sarner Zentrum. (Bild: Corinne Glanzmann, Sarnen, 13. November 2019)

Wurde analysiert: das Sarner Zentrum. (Bild: Corinne Glanzmann, Sarnen, 13. November 2019)

Die Gefahr, dass der Dorfkern von Sarnen an Anziehungskraft verliert, scheint erkannt und im Bewusstsein vieler Bewohnerinnen und Bewohner vorhanden zu sein. Denn knapp 200 Personen haben am Dienstag die Informationsveranstaltung «Perspektiven Dorfzentrum 2030» besucht.

Gemeindepräsident Jürg Berlinger freute sich, dass sein Rat auf der Suche nach zukunftsträchtigen Lösungen von der Bevölkerung nicht alleine gelassen wird. In den vergangenen Jahren wurden Bemühungen – etwa ein Einbahnsystem oder Tempobeschränkungen – vom Stimmvolk in den Wind geschlagen.

Zur Erarbeitung einer wegweisenden «Stadtanalyse» hat sich die Exekutive des Obwaldner Kantonshauptortes aus dem Team vom «Netzwerk Altstadt» von Espace Suisse (Verband für Raumplanung) zwei Fachleute ins Boot geholt. Die Erkenntnisse von Paul Dominik Hasler (Ingenieur ETH) und Christof Tscharland (Raumplaner, Ingenieur SIA) wuchsen nach wiederholten Besuchen in Sarnen und sollen als Beurteilungsbasis für die weitere Entwicklung des Ortskerns dienen.

Bei der «Stadtanalyse» beleuchtete Hasler die Situation, welche sich aus den Nutzungsansprüchen der Bevölkerung ergibt. «Wir liefern erste Hinweise auf mögliche Handlungsfelder», erklärte er. Ihr Papier sei ein «pragmatisches Werkzeug» und verlange nach weiteren Beurteilungen. Der «Blick von aussen» zeige ein «gutes erstes Bild» für die Situation des Ortskerns, waren sich die Experten einig.

Das Internet verändere das Einkaufen im Dorf stark

In der Folge ging es im Referat «ans Eingemachte». Eingehend erläutert wurden fünf Betrachtungswinkel: Region und Gemeinde; Ortskern und Siedlungskontext; Einkauf, Gastronomie und Tourismus; Wohnen sowie Aussenraum und Verkehr.

Um nützliche Empfehlungen präsentieren zu können, gingen die Experten auf die veränderten Zeichen der Zeit ein. Vor allem der Strukturwandel im Detailhandel könne kaum aufgehalten werden, gab Paul Dominik Hasler zu bedenken. Auf einen Ortskern und das Verhalten seiner Bewohner und Nutzer würden zudem die veränderten Trends beim Einkaufen und Wohnen einwirken. «Einkaufen ist out, Shopping ist in.» Erlebnis- und Verweilstrukturen sowie genussvolles Einkaufen seien angesagt. «Und beim Internethandel ist der Punkt der Sättigung noch längst nicht erreicht», bekräftigte Hasler.

Aus der zunehmenden Mobilität und gleichzeitig dem Auszug des Detailhandels aus den Zentrumslagen sei eine eigentliche Autokultur erwachsen. «Sie erfasst ländliche und stadtnahe Gebiete deutlicher als die Städte», so der Ingenieur. Der alternden Konsumgesellschaft wegen würden «kurze Wege zum Trumpf der Ortskerne».

Trotz des grundsätzlichen Lobes für das Ortsbild von Sarnen nannte Hasler aus verschiedensten Gründen einiges, «was uns Experten etwas wehtut». Als spannend und mit Zukunftsperspektiven als Einkaufs- und Flanierzone erwähnte er die Poststrasse. Für die beiden Experten bleiben die Verbindung zwischen dem historischen Dorfkern und den beiden, von «Pseudodorfleben» geprägten Grossverteiler-Zonen oder etwa das Verkehrsregime eine der grossen Herausforderungen der Zukunft. «Motorfahrzeuge müssen sich dem Wohlgefühl des Fussgängers unterwerfen», meinte Hasler.

In der Folge ergriffen zahlreiche Bürger aus dem Publikum das Wort. Deren Anregungen und Fragen wurden fein säuberlich protokolliert und werden in die Nutzungsstrategie einfliessen. Der weitere Ablauf unter Einbezug von Workshops mit Eigentümern und Geschäftsinhabern, von Umfragen, Einzelgesprächen, Kennzahlen und Auswertungen ist so angedacht, dass in rund zehn Monaten eine öffentliche Diskussion stattfinden kann.

Das Dokument mit Ist-Zustand, Analyse und Empfehlungen finden Sie auf der Gemeinde-Website. Suchbegriff: Stadtanalyse.