Finanzspritze nötig: Kantonsspital Obwalden leidet unter Corona

Damit dem Kantonsspital Obwalden das Geld nicht ausgeht, leistet der Kanton eine Soforthilfe von rund 4,4 Millionen Franken. Grund dafür sind Einnahmeausfälle, die das Spital wegen der Coronapandemie hatte, wie der Regierungsrat am Mittwoch mitteilte.

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Das Kantonsspital Obwalden ist wegen Corona selbst zum Patienten geworden. (Archivbild).

Das Kantonsspital Obwalden ist wegen Corona selbst zum Patienten geworden. (Archivbild). 

Bild: Urs Flüeler

(sda/mu) Der Kanton Obwalden ist von dem Virus nur schwach betroffen: bis am Dienstag gab es 79 bestätigte Infektionen. Nach Angaben der Regierung wurden bis am 21. April lediglich vier Personen wegen Covid-19 im Kantonsspital in Sarnen behandelt, sechs weitere in Luzern.

Das Spital bereitete sich aber auf eine Welle von Coronapatienten vor. Es stellte, bis auf die Notaufnahme, den normalen Betrieb ein und beschaffte sich Schutzmaterial sowie weitere Ausrüstungsgegenstände, um die Pandemie bewältigen zu können. Dadurch verlor es einen grossen Teil seiner Einnahmen, musste aber gleichzeitig Mehraufwendungen tätigen. Ob das Kantonsspital als öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber Anspruch auf Kurzarbeit hat, ist noch nicht geklärt.

Keine schnelle Besserung

Sehr schnell verbessern werde sich die Ertragslage auch durch die am 27. April gestartete schrittweise Wiedereinführung des Normalbetriebs nicht, teilte der Regierungsrat mit. Es sei nicht absehbar, in welchem Umfang bis Ende Jahr die Ausfälle kompensiert werden könnten.

Das Kantonsspital rechnet bis Juni 2020 mit einer Ergebnisbelastung von 4 Millionen Franken und coronabedingten Mehrkosten von 670'000 Franken. Ohne kurzfristige zusätzliche finanzielle Mittel sei die Liquidität nicht mehr gegeben, schreibt der Regierungsrat. Das Spital könne nur bis Ende Mai seinen Verpflichtungen nachkommen.

Der Regierungsrat beziffert die zu erwartende Liquiditätslücke per Ende Mai auf 1,8 Millionen Franken und per Ende Juni auf 4,4 Millionen Franken. Bis Ende Mai könne das Spital die benötigten Mittel über einen kurzfristigen Kontokorrentkredit sicherstellen.

Der Regierungsrat entschied sich deswegen, mit einer Finanzspritze dem Spital zu helfen. Um die Hilfe zu leisten, erhöht der Kanton seinen regionalpolitischen Beitrag zum Standorterhalt. Der vom Parlament gesprochene Betrag wird damit überzogen, was der Regierungsrat in der herrschenden Situation für gerechtfertigt hält.

«Die Mitarbeitenden des Kantonsspitals leisten hervorragende Arbeit. Innert kürzester Frist hat das KSOW die Infrastruktur und Abläufe zur Behandlung von Covid-19-Patienten bereitgestellt. Es ist wichtig, dass wir uns in dieser aussergewöhnlichen Situation hinter unser Spital stellen und ihm diese Überbrückungslösung ermöglichen», wird Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser in der Mitteilung zitiert.

2020 «finanziell ein schwieriges Jahr»

Da die weitere finanzielle Entwicklung momentan nicht absehbar ist und die Möglichkeit besteht, dass die Ertragsausfälle in den nächsten Monaten wenigstens teilweise wieder kompensiert werden können, soll die definitive Verrechnung des Betrags erst auf Basis der Jahresrechnung 2020 vorgenommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte ebenfalls geklärt sein, ob und inwiefern sich der Bund und die Versicherer an den Ertragsausfällen der Spitäler beteiligen werden.
«Ich gehe davon aus, dass es für den Rest des Jahres für das Spital mehr zu tun gibt», sagt Maya Büchi im Gespräch mit unserer Zeitung. Immer vorausgesetzt, dass die Massnahmen nicht erneut verschärft würden und keine zweite Coronawelle eintreffe. «Aber wenn es so bleibt, wie es ist und man darf ja auch einmal vom Positiven ausgehen, ist es möglich, dass wir am Ende nicht den maximalen Betrag brauchen werden.» Doch sei zum heutigen Zeitpunkt auch noch Vieles Spekulation.

Nicht nur für das Spital wende der Kanton wegen der Pandemie zusätzliche Mittel auf. Auch in anderen Bereichen kämen Mehrausgaben auf Obwalden zu, hält Maya Büchi weiter fest. «2020 wird finanziell gesehen ein schwieriges Jahr werden.» Teilweise werde man die Auswirkungen auch noch im Folgejahr spüren. Denn noch sei ungewiss, wie sich die Steuereinnahmen, nicht zuletzt auch bei den Unternehmen, entwickelten, oder was die Folgen der Coronakrise für den Nationalen Finanzausgleich oder die Ausschüttungen der Nationalbank an die Kantone bedeuteten.

Für die Nothilfe an das Kantonsspital legt der Regierungsrat dem Kantonsrat einen Bericht vor. Das Parlament kann von diesem am 28. Mai Kenntnis nehmen.

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