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Obwaldner Möbelfirma hilft entlassenen Mitarbeitern bei der Stellensuche

Ende Oktober stellt die Möbelherstellerin Reinhard AG ihre Produktion ein. Der Firmeninhaber ist zuversichtlich, für alle 80 betroffenen Mitarbeiter eine Lösung zu finden. Die Gewerkschaft lobt die bisherigen Bemühungen.
Matthias Piazza
Produktionsstätte der Firma Reinhard in Sachseln (PD)

Produktionsstätte der Firma Reinhard in Sachseln (PD)

Ernüchtert und traurig: So habe seine Belegschaft die Nachricht zum Firmen-Aus aufgenommen. Am vergangenen Dienstag musste Hans-Melk Reinhard seinen rund 80 Mitarbeitern mitteilen, dass seine Firma, die Möbelherstellerin Reinhard AG, ihre Produktion an ihren zwei Standorten in Sachseln und Dagmersellen Ende Oktober einstellt und den Betrieb auf Ende Jahr schliesst (unsere Zeitung berichtete). Er windet seinen teils langjährigen Mitarbeitern ein Kränzchen. «Es ist schön zu spüren, welche Loyalität sie dem Unternehmen entgegenbringen.»

Es ist dies das Ende einer schwierigen Phase zwischen Hoffen und Bangen. Eine fünfköpfige Arbeitnehmervertretung hat rund zwei Wochen lang die von der Belegschaft eingereichten Ideen zusammengetragen, um das Unternehmen irgendwie noch zu retten. «Diskutiert wurden etwa strukturelle Massnahmen, Einsparungen oder der Verkauf des Unternehmens», sagt Urs Gander, Regionalsekretär der Gewerkschaft Syna Ob-/Nidwalden, die am sogenannten Konsultationsverfahren ebenfalls beteiligt war. Am 14. Februar wurden die Ergebnisse der Geschäftsleitung präsentiert. «Leider waren keine massgebenden positiven neuen Erkenntnisse dabei, welche Aussicht auf eine Rettung unserer Firma gaben, sodass wir uns schweren Herzens entschliessen mussten, das Unternehmen zu schliessen», bedauert Hans-Melk Reinhard.

Eine 120-jährige Firmengeschichte endet

«Die Preise in der Möbelbranche sind seit geraumer Zeit unter Druck. Es herrscht auf dem Markt ein Verdrängungskampf. Unternehmen, die global tätig sind, können mit tieferen Personal- und Produktionskosten agieren», nennt Reinhard den Hauptgrund für den defizitären Geschäftsgang. «Die Kunden sind nicht mehr bereit, höhere Preise für die Möbel ‹made in Switzerland› zu zahlen.»

Es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen, auch wenn der Schritt schmerze. Schliesslich gingen damit auch 120 Jahre Firmengeschichte zu Ende. Ein Anliegen sei ihm, dass alle 80 Mitarbeiter eine Lösung finden. Ende Monat werden die ersten Kündigungen ausgesprochen, Ende Mai verlassen die ersten, Ende Jahr die letzten Mitarbeiter das Unternehmen. Sie sollen nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden. «Wir setzen uns für sie ein», verspricht Hans-Melk Reinhard. Um seine Mitarbeiter bestmöglich bei der Suche nach einer neuen Stelle zu unterstützen, hat die Firma ein Jobcenter eingerichtet. Ein hierfür spezialisiertes Team wurde beigezogen und ist über mehrere Monate für die Mitarbeiter vor Ort.

«Ich bin zuversichtlich, dass meine Mitarbeiter mit dieser Unterstützung eine neue Stelle finden, zumal ein Grossteil als handwerkliche Allrounder, Anlageführer oder kaufmännische Angestellte arbeitet. Das sind alles Berufe, die in vielen Branchen gefragt sind.» Zuversichtlich zeigt er sich auch in Bezug auf die Zukunft seiner vier Lehrlinge, drei machen die kaufmännische Lehre und einer die Lehre als Metallbaupraktiker. «Wir finden sicher einen Ersatzlehrbetrieb», ist der Inhaber überzeugt. Auch auf Mitarbeiter, die kurz vor der Pensionierung stünden, werde man individuell eingehen.

Firmenchef könne nichts vorgeworfen werden

Der Begriff Sozialplan taucht allerdings nie auf. Eine solche Vereinbarung, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Massnahmen festlegen, um Kündigungen möglichst zu vermeiden, müssen Firmen auch erst bei einer Grösse von mindestens 250 Mitarbeitern ausarbeiten.

Für Urs Gander von der Syna ist die Reinhard AG vorbildlich mit der Situation umgegangen. «Wir waren mit Hans-Melk Reinhard im ständigen Dialog, ihm ist nichts vorzuwerfen. Er liess sich auf das Konsultationsverfahren ein und unterstützt seine Mitarbeiter bei ihrer Stellensuche.»

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