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«Im Regen stehen gelassen»: Obwaldner Ersthelfer bangen um die Einsatzqualität

In Obwalden soll wie in den Nachbarkantonen ein neues Erste-Hilfe-System bei Herz-Kreislauf-Stillständen eingeführt werden. Das heutige System sei besser, finden die heutigen First Responder.
Franziska Herger
Noch ist es eine Übung: First Responder nehmen an einer Schulung in St.Niklausen teil.Bild: Marion Wannemacher (Kerns, 12. Dezember 2015)

Noch ist es eine Übung: First Responder nehmen an einer Schulung in St.Niklausen teil.Bild: Marion Wannemacher (Kerns, 12. Dezember 2015)

Seit 10 Jahren sind die First Responder Obwalden bei medizinischen Notfällen als erste vor Ort, im Schnitt innert drei bis fünf Minuten. Eine Ambulanz braucht im Schnitt um die 10 Minuten, in entlegenere Gemeinden wie Lungern mindestens eine Viertelstunde. Die kantonale Dachorganisation «Härz fir Obwaldä» war damit Pionierin in der Zentralschweiz. Heute sind in Obwalden in neun Teams rund 160 Personen einsatzbereit. Doch eine Systemänderung könnte ihre Arbeit gefährden.

Das sagt zumindest eine Interpellation von Adrian Haueter (CVP, Sarnen) und Petra Rohrer-Stimming (CVP, Sachseln), die mit über 40 Mitunterzeichnenden finden, künftig drohe ein drastischer Leistungsabbau. Hintergrund ist der Zusammenschluss der Zentralschweizer Rettungsdienste vor einem Jahr und damit verbunden die Einführung des neuen Systems «First Responder Zentralschweiz». Nidwalden und Uri gaben ihren Beitritt zum neuen System am Mittwoch bekannt. Dass dies auch in Obwalden geplant ist, bestätigt Patrick Csomor, Leiter des Gesundheitsamts, auf Anfrage.

Obwaldner First Responder bieten mehr

Das Projekt ist in Luzern seit Juli erfolgreich angelaufen. Das Ziel von 500 zugelassenen Laienhelfern im ersten Jahr konnte bereits übertroffen werden. Die Alarmierung der First Responder funktioniert über die App Momentum. Geht bei der Zentrale ein Notruf wegen Herz-Kreislauf-Stillstands ein, werden nebst dem Rettungsdienst die für die jeweilige Gemeinde hinterlegten Ersthelfer mittels Push-Meldung auf dem Smartphone alarmiert. Akzeptiert ein Ersthelfer die Anfrage, wird sein Standort geortet, worauf diejenigen First Responder, die dem Einsatzort am nächsten sind, die Einsatzdaten erhalten.

Der Haken: Die Versorgung, welche die First Responder Obwalden bieten, sei umfassender als diejenige nach dem Luzerner Modell, schreiben die Interpellanten. Während die Luzerner Laienhelfer zur Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand im Einsatz stehen, rücken sie in Obwalden unter dem Namen «First Responder plus» etwa auch bei Schlaganfällen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und akuter Atemnot aus. «Auch sonst machen sie mehr als das Minimum», betont Adrian Haueter. «In Obwalden gibt es etwa nach jedem Einsatz eine Besprechung mit den Helfern, sie werden nicht allein gelassen. In Luzern gibt es das nur auf Verlangen.»

«Es geht hier schliesslich um Leib und Leben»

Die Mitglieder des Vereins fühlten sich nun «im Regen stehen gelassen», führt Haueter weiter aus. «Sie wissen nicht, ob der Verein allenfalls aufgelöst werden muss. Es wäre schade, wenn ihre Pionierarbeit wegen einer App geopfert würde. Es geht hier schliesslich um Leib und Leben.» Dabei verschliesse man sich gar nicht gegen eine neue Form der Alarmierung, sagt Sandra Schallberger von «Härz fir Obwaldä». Zumal die App gegenüber dem Obwaldner System einen besseren Datenschutz bietet. In Obwalden werden alle First Responder einer Gemeinde per SMS alarmiert und mit den Einsatzdaten bedient, statt nur der oder die dem Einsatzort nächste. «Uns ist bewusst, dass das nicht mehr geht», so Schallberger. «Doch abgesehen davon ist unser System drei Schritte weiter als das Neue. Die künftige Ausgestaltung der Alarmierung und die Finanzierung sind noch völlig offen.»

Die Interpellanten wollen denn auch wissen, inwieweit der Kanton den Verein in Zukunft finanziell unterstützen werde. Der Verein finanziert sich über Mitglieder-, Sponsoren- und Gemeindebeiträge und erhielt zudem in den letzten zwei Jahren je 7500 Franken vom Kanton aus Lotterie-Geldern. «Swisslos-Gelder kann ein Projekt grundsätzlich nur im Aufbaustadium erhalten», sagt Patrick Csomor dazu. «Vom Verein gewünscht ist ein Leistungsauftrag mit entsprechender finanzieller Beteiligung des Kantons.» Die künftige Finanzierung der First Responder müsse jedoch noch geklärt werden. In den meisten anderen Kantonen seien die Fsponder an einen Rettungsdienst gekoppelt, statt an einen selbstständigen Verein.

Die Einführung der App in Obwalden sei dagegen beschlossene Sache, so Csomor. «Sie ist eine gute Sache, denn einerseits funktioniert sie kantonsübergreifend – also allenfalls auch über den Brünig hinweg – und andererseits kann ein Ersthelfer damit seine Fähigkeiten auch dann zur Verfügung stellen, wenn er nicht im Kanton ist.» Die Ausweitung der Einsatzgründe über einen Herz-Kreislauf-Stillstand hinaus sei technisch möglich. Fraglich sei aber auch hier die Finanzierung, insbesondere die finanzielle Zuständigkeit. «Es ist denkbar, dass die First Responder plus künftig in den Gebieten weiter im Einsatz stehen, die für Rettungsfahrzeuge schwerer erreichbar sind, also etwa Lungern oder das Melchtal», so Csomor.

Die bisherigen Ersthelfer sollen eingebunden werden

Die Interpellanten fordern weiter einen Kostenvergleich zwischen der bisherigen und der geplanten Lösung, sagt Adrian Haueter. «Die Einführung von Momentum wird sicher einiges kosten.» Es sei wichtig, dass vor Abschluss einer Vereinbarung mit Luzern sämtliche Fragen zur zukünftigen Form der Zusammenarbeit mit «Härz fir Obwaldä» geklärt werden.

Wann die Unterzeichnung stattfindet, sei offen, sagt Csomor. Und gibt den Interpellanten hier Recht: «Zuerst müssen wir klären, wie wir die Mitglieder von ‹Härz fir Obwaldä› einbinden können. Wir können uns nicht leisten, diese Leute und die Vereinsarbeit zu verlieren.»

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