Fischer-Chaos am Lungerersee: Kanton will Beschränkung diskutieren

Das Fischerparadies stösst in der Bevölkerung auf Widerstand. Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler spricht von einem ernsthaften Problem. Derweil wird bekannt, dass auch die Umweltverbände den Bau eines neuen Bootsstegs bekämpfen.

Christian Glaus
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Lungern hat mit dem See für den Kanton Obwalden eine grosse Bedeutung.

Lungern hat mit dem See für den Kanton Obwalden eine grosse Bedeutung.

Bild: Robert Hess, 30. Januar 2020

Die Lungerer haben genug von Verkehrschaos und Littering rund um ihren See. Rund ein Viertel der Bevölkerung hat eine Petition unterschrieben, die «eine massvolle Befischung» fordert. Die Anzahl der Fischer sei auf ein erträgliches Mass zu beschränken. Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann-Durrer (CSP) will nun die Beteiligten an einen runden Tisch holen.

Ein Wort mitzureden hat auch der Kanton. Er setzt sich nicht nur für einen sanften Tourismus ein, sondern nimmt nach der Übertragung der fischereilichen Nutzung des Sees an die Lungerersee AG auch die Oberaufsicht über die Fischerei wahr. Im vergangenen Jahr hat die AG an die Fischer 16900 Tages- und 860 Jahrespatente verkauft. Anwohner sprechen davon, dass an Spitzentagen über 100 Fischer am See seien, was zu Konflikten führe.

Entspricht dies noch dem massvollen Tourismus, welchen der Kanton propagiert? «Jein», sagt der zuständige Regierungsrat, Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler (SVP). Zwar sei das Ziel erreicht worden, dass die Leute die touristischen Attraktionen des Kantons Obwalden entdecken. Aber:

«Das Fischerparadies wird nun von seinem eigenen Erfolg überrollt.»

Daniel Wyler betont, dass Lungern mit dem See für den Kanton Obwalden eine grosse Bedeutung habe, insbesondere für den Tourismus und die Stromproduktion. Dem See gelte es entsprechend Sorge zu tragen. Ein besonderes Augenmerk richtet der Volkswirtschaftsdirektor auf die Parkplatzprobleme. Wildparkierer sorgen im Dorf regelmässig für Chaos und verärgern die Einheimischen. Das sei «ein ernsthaftes Problem», sagt Wyler. Wie Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann glaubt auch er nicht, dass es dafür eine schnelle Lösung gibt. Das Problem ist, dass viele Fischer nordseitig parkieren wollen, wo sich der Verkaufsladen des Fischerparadieses befindet. Südseitig hätte es noch Parkplätze. Nun gilt es die Frage zu klären, wie die Autos besser und geordneter um den See verteilt werden können, und ob es allenfalls zusätzliche Parkplätze braucht. Daniel Wyler bringt dabei auch die Idee ins Spiel, die Parkplätze beim Bahnhof zu nutzen. Allerdings müsste in diesem Fall ein Fussweg oder ein Shuttle-Service zum See eingerichtet werden. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Kombiangebot zusammen mit der Zentralbahn mit dem Ziel, den Individualverkehr so zu reduzieren.

Im Raum steht auch die Forderung einer Beschränkung der Anzahl Fischer. Ganz abgeneigt ist Wyler nicht: «Das ist eine Variante, die man diskutieren kann.» So wäre es möglich, Tagespatente nur an Fischer zu verkaufen, welche bereits über einen Sachkundenachweis verfügen. So könnte deren Zahl wohl deutlich gesenkt werden. Ob das auch im Interesse des Fischerparadieses ist, ist eine andere Frage. Dennoch ist für den Regierungsrat klar:

«Es können nicht ständig noch mehr Leute kommen.»

Daniel Wyler ist zuversichtlich, dass für die Probleme in Zusammenhang mit der Fischerei eine Lösung gefunden werden kann, die für alle tragbar ist. Der Kanton werde sich auch an den Gesprächen beteiligen und schauen, was er beisteuern könne. Dennoch will Wyler das Thema nicht zur Chefsache machen: «Das ist grundsätzlich die Aufgabe der Gemeinde und der Lungerersee AG. Sie haben sich dem Thema angenommen und erste Gespräche geführt.»

Umweltverbände machen Einsprache

Das Fischerparadies Lungerersee will den Bootssteg des Restaurants Kaiserstuhl ausbauen. Der neue Steg würde Platz für 20 Boote bieten. Dagegen haben mehrere Anwohner Einsprachen eingereicht. Nun ist klar, dass auch Pro Natura und WWF Unterwalden gegen das Bauprojekt vorgehen. Die Einsprache sei aus ökologischen Gründen erfolgt, so WWF-Geschäftsführer Marc Germann. Als wichtigste Punkte nennt er den Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet, den Amphibienschutz sowie die ökologische Tragfähigkeit, die überschritten sei. Die geplanten Anlagen würden in einem Bereich des Sees erstellt werden, wo sie nichts zu suchen hätten. Zudem würden bereits heute tonnenweise Regenbogenforellen ausgesetzt, aber nicht alle gefangen. «Bei einer Ausweitung des Fischerparadieses befürchten wir, dass dieses Missverhältnis noch grösser wird.»

Die Verantwortlichen der Lungerersee AG betonten gegenüber unserer Zeitung, dass das Fischerparadies nicht weiter wachsen soll. Der Bootssteg solle dazu beitragen, dass sich die Fischerei vom Ufer auf den See verlagert. Dies wäre begrüssenswert, sagt Marc Germann. «Wir befürchten aber, dass es nicht zu einer Verlagerung vom Ufer auf die Boote kommt, sondern zu einem Zuwachs der Angler.»

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