Flockdown
Unterländer holen sich Tipps bei den Engelberger Schneeräumungs-Profis

Der Engelberger Winterdienst bietet am 9. Februar einen Schneeräumungskurs für die Arbeitskollegen aus dem Flachland an. Diese Hilfestellung sollte man aber nicht allzu ernst nehmen.

Kristina Gysi
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Man kommt nicht umhin, den Aufruf auf der Facebook-Seite von Engelberg-Titlis mit einem Schmunzeln im Gesicht zu lesen. Darin bieten erfahrene Winterdienst- und Pistenmitarbeiter aus Engelberg den Unterländern einen exklusiven Schneeräumungskurs an – kostenlos und mit Verpflegung aus der Region.

Entstanden ist die Idee durch die zahlreichen Berichte über das Schneeräum-Debakel in Zürich und Co., auf das der «Flockdown» folgte – gemeint ist der öffentliche Verkehr, der zeitweise komplett zum Erliegen kam. Betroffen waren vor allem jene Städte, die von den grossen Schneemassen über viele Jahre hinweg verschont wurden. Die Überforderung mit dem üppigen, weissen Niederschlag von letzter Woche machte sich folglich deutlich bemerkbar.

Seppi Häcki, Bereichsleiter Werkdienst der Gemeinde Engelberg, und sein Team laden ihre Arbeitskollegen aus dem Unterland deshalb dazu ein, von ihrem breit gefächerten Wissen über die effiziente Beseitigung von (viel) Schnee zu profitieren. Interessierte dürfen sich am 9. Februar in Engelberg einfinden und sich die theoretischen und praktischen Tricks der schneevertrauten Herren zu Gemüte führen.

Mehr Austausch als Schulung

Seppi Häcki wird den Schneeräumungskurs in Engelberg durchführen.

Seppi Häcki wird den Schneeräumungskurs in Engelberg durchführen.

(PD/Engelberg, 21. Januar 2021)

Allzu ernst solle man das Ganze aber nicht nehmen, sagt Seppi Häcki, Bereichsleiter Werkdienst der Gemeinde Engelberg: «Wir sind nicht arrogant. Wir wollen den Zürchern nicht vorschreiben, wie sie ihren Schnee zu räumen haben», sagt er. Die Aktion am 9. Februar solle also nicht als Schulung, sondern als Treffen zum gegenseitigen Austausch betrachtet werden. «Primär wollen wir einfach mal zeigen, wie wir organisiert und aufgebaut sind und was das Ganze in etwa kostet», so Häcki. Für die Besucher sei es sicher spannend, die Welt «hier oben» kennen zu lernen und für einen Tag aus dem Alltag ausbrechen zu können.

Zudem habe man in den Städten völlig andere Voraussetzungen: «Einerseits hat man im Flachland keine Armada von Schneeräumungsgeräten, denn diese sind teuer in der Anschaffung und im Unterhalt – gerade, wenn man sie vielleicht alle vier oder zehn Jahre braucht», so Häcki. Dazu komme, dass man den geräumten Schnee nicht einfach in den nächsten Garten kippen könne. Das Abtransportieren sei aufwendig und teuer. Nichtsdestotrotz dürften die Engelberger den Unterländern am 9. Februar etwas mit auf den Weg geben können – und umgekehrt.

Südkoreanische Strassenarbeiter in Engelberg

Häcki kommt dank der Aktion gleich noch eine Anekdote in den Sinn: «In Südkorea gibt es – ähnlich wie bei uns die Kantone – verschiedene Bezirke», erzählt er. «Die haben dann auch ihre Zuständigen für jegliche Bereiche der Infrastruktur, zum Beispiel im Strassenverkehr.» In einem vergangenen Winter sei dann eine grosse Gruppe dieser koreanischen Strassenarbeiter nach Engelberg gekommen, um sich die Vorgehensweise der Schweizer Strassenräumungsarbeiten anzusehen. «Das war ganz witzig», sagt Häcki lachend.

Da das Tagesprojekt derzeit in den Startlöchern steht, ist noch unklar, wie es am Ende durchgeführt wird. Man werde aber sicher nicht in einer grossen Gruppe durch Engelberg «schuene», wie damals mit den Gästen aus Südkorea, stellt Häcki klar. Nach aktuellen Bestimmungen vom Bund rechnet man für den Kurs mit vier Teilnehmern und einem Leiter. Auch die restlichen Massnahmen mit Masken- und Abstandspflicht werden berücksichtigt.