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Flüchtlinge: Ob- und Nidwalden arbeiten bei Integration zusammen

Die neue Integrationsagenda soll dank mehr Bundesgeldern eine schnellere und nachhaltigere Integration von Flüchtlingen ermöglichen. Seit gut einem Monat sind auch Nid- und Obwalden an der Umsetzung.
Philipp Unterschütz
Das letztjährige Fest der Begegnung in der Stanser Spittelgasse anlässlich des jährlichen Flüchtlingstages. (Bild: PD, 16. Juni 2018))

Das letztjährige Fest der Begegnung in der Stanser Spittelgasse anlässlich des jährlichen Flüchtlingstages. (Bild: PD, 16. Juni 2018))

Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen sollen sich rascher in die Arbeitswelt integrieren. Rund 70 Prozent dieser Personen im erwerbsfähigen Alter hätten das Potenzial, längerfristig für sich und ihre Familien aufzukommen – und damit auch ihre Abhängigkeit von der Sozialhilfe zu reduzieren. Dies hielt der Bundesrat in einer Medienmitteilung am 10. April fest, als er die Inkraftsetzung der Integrationsagenda per 1. Mai 2019 beschloss. Mit der Integrationsagenda, auf die sich Bund und Kantone im Frühjahr 2018 geeinigt haben, sollen die Integrationsmassnahmen intensiviert werden. Dafür erhalten die Kantone vom Bund statt wie bisher 6000 Franken neu 18000 Franken pro zugewiesene Person mit Bleiberecht. Die Integrationsagenda hält verbindliche Wirkungsziele fest. Dazu gehört, dass alle Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen nach drei Jahren über Grundkenntnisse einer Landessprache verfügen. Zudem soll mindestens die Hälfte der erwachsenen Personen nach sieben Jahren im Arbeitsmarkt integriert sein.

So wird die Agenda umgesetzt

Seit gut einem Monat sind auch Ob- und Nidwalden daran, die Integrationsagenda umzusetzen. Obwalden hat dafür alle Beteiligten im Kanton an einen Tisch geholt und ein detailliertes Konzept erstellt. Dieses definiert Ziele, Massnahmen, Abläufe und involvierten Stellen, um die Bundesvorgaben zu erreichen. «Hauptpfeiler der Massnahmen sind Spracherwerb, Jobcoaching und die Zusammenarbeit mit Freiwilligen», erklärt Raphael Brüschweiler, Leiter Soziale Dienste Asyl Obwalden.

Es wurde ein neuer Fachbereich Integration geschaffen, der losgelöst ist von der Sozialberatung und mit 180 Stellenprozenten (drei Personen) dotiert ist. «Wir haben insbesondere fürs Jobcoaching und die Organisation der Sprachkurse 50 Stellenprozente eingesetzt. Das wird alles ausschliesslich aus den Bundesgeldern bezahlt.»

In Nidwalden existierte laut Regierungsrätin Michèle Blöchliger, Vorsteherin der Gesundheits- und Sozialdirektion, bereits ein detailliertes Integrationskonzept, das nahe an die Vorgaben des Bundes herankam. «Wir mussten die Integration deshalb nicht komplett neu ausrichten, sondern nur anpassen.» Auch im Nidwaldner Amt für Asyl und Flüchtlinge wurde für die Integration ein eigener Fachbereich geschaffen und um 100 Stellenprozente erweitert. Die neu geschaffene Stelle wurde durch einen Integrationskoordinator besetzt, welcher den Bereich Integration leitet und für die Sicherstellung der individuellen, intensiven Einzelfallbegleitung verantwortlich ist. «Die Integration wird beim Amt für Asyl und Flüchtlinge mit total 390 Stellenprozenten gewährleistet», so Michèle Blöchliger weiter.

Wegen Bundesasylzentrum bekommt Obwalden weniger

Fachleute sind sich einig: Die Erhöhung der Bundesbeiträge auf 18000 Franken war dringend nötig. So betont Raphael Brüschweiler, dass bisher das Geld im Integrationsbereich nie gereicht habe.

Doch bleiben Prognosen schwierig, «da wir momentan noch keine Erfahrungswerte haben, wie sich die neuen Asylverfahren entwickeln werden. Wir wissen auch nicht, wie viele neu zu integrierende Personen wir zu erwarten haben», sagt Michèle Blöchliger. Im Moment würden rund 265 Personen durch das Nidwaldner Amt für Asyl und Flüchtlinge im Bereich der Integration unterstützt. «Durch die Erhöhung der Pauschale können wir die integrativen Massnahmen intensivieren. Das heisst, dass wir noch aktiver Praktikumsplätze und dergleichen eruieren können. Auch denken wir an Projekte in der Landwirtschaft und im Pflegebereich», so Michèle Blöchliger weiter.

Obwalden hatte in den vergangenen Jahren wegen des Bundesasylzentrums auf dem Glaubenberg massiv weniger Zuweisungen als Nidwalden. «Obwohl es rückwirkend keine Beiträge aus der Integrationsagenda gibt, nehmen wir doch alle vorläufig Aufgenommenen und anerkannte Flüchtlinge in unser Integrationsprogramm auf – insgesamt sind das rund 230 Personen», sagt Raphael Brüschweiler. Da in Obwalden also weniger Bundesgelder fliessen, wird das Defizit der Integrationsmassnahmen mit Geld aus dem Fonds für Wohnraumbeschaffung und Integration gedeckt. Der Fonds ist eine Rücklage aus der Zeit, als in Obwalden noch die Caritas für die Flüchtlinge zuständig war.

Kantone wollen mehr Zusammenarbeit

Zentral für die Integrationsbemühungen sind Sprachkenntnisse. In Nidwalden wird momentan ein Grossteil der intensiven Deutschkurse durch die Alemannia Deutschschule in Luzern durchgeführt. Semi-intensive Kurse und Kurse mit Kinderbetreuung werden vom BWZ in Stans angeboten. In Obwalden finden die meisten Kurse im BWZ Sarnen statt. Zwischen beiden Kantonen laufen nun Gespräche für vermehrte Zusammenarbeit. «Die Auslastung der Kurse in Obwalden ist klein. Eine Zusammenarbeit lohnt sich, weil schliesslich nicht die Fahrspesen kostenintensiv sind, sondern ungenügende Auslastungen von Klassen», erklärt Raphael Brüschweiler. «Die interkantonale Zusammenarbeit könnte in diversen Bereichen Potenzial haben», bestätigt auch Michèle Blöchliger. So wurde auch bereits ein Pilotversuch eines gemeinsamen Vorbereitungskurses auf die integrativen Brückenangebote (IBA) angeboten, welcher in Sarnen durchgeführt wird.

Auch dieses Jahr gibt es in beiden Kantonen wieder Begegnungsfeste zum Tag des Flüchtlings am kommenden Samstag, 15. Juni.

Das läuft am Samstag in Nidwalden

In Nidwalden steht der Tag auf dem Stanser Dorfplatz unter dem Motto «Sichere Fluchtwege retten Leben». Von 10 bis 11 Uhr berichtet im Café Maitri (neben Kloster St. Klara) eine Mitarbeiterin von «Ärzte ohne Grenzen» über die Erfahrungen der Hilfsorganisation bei ihren Interventionen für Geflüchtete an der EU-Aussengrenze. Um 11.15 Uhr richtet sich Regierungsrätin Michèle Blöchliger in der Spittelgasse mit einem Grusswort an die Anwesenden. Ab 11.30 Uhr öffnen die Essensstände mit Spezialitäten aus aller Welt. Im Rahmen einer «Teilete» können die Gäste Gerichte aus ihrer eigenen Küche mitbringen, die sie gerne mit anderen teilen möchten. Zum Programm gehört auch musikalische Unterhaltung mit dem Belle-Affaire-Duo.

Das läuft am Samstag in Obwalden

In Obwalden gibt es von 8 bis 12 Uhr auf dem Dorfplatz Sarnen einen Marktstand mit exotischem Fingerfood. Ab 18 Uhr beginnt dann das eigentliche Fest im Pfarreizentrum Alpnach. Es gibt ein grosses Buffet mit Spezialitäten aus aller Welt. Ab 19.30 Uhr steht vor allem gemütliches Beisammensein mit Musik und Sprachworkshops auf dem Programm. Der Eintritt ist frei. Der Unkostenbeitrag für das Nachtessen vom Buffet beträgt für Erwachsene 20 Franken, für Kinder 10 Franken.

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