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FLÜELI-RANFT: Damoklesschwert über «Friedenshaus»

Das frühere Friedensdorf schliesst 2016. Ein Projektteam prüft einen Umbau und eine Wieder­eröffnung zum grossen Bruder-Klaus-Jubiläum 2017.
Das Via-Cordis-Haus im Flüeli, dahinter (mit den Türmen) das Hotel Paxmontana. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das Via-Cordis-Haus im Flüeli, dahinter (mit den Türmen) das Hotel Paxmontana. (Bild: Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

Sieben Jahre nach dem Kauf des Via-Cordis-Hauses St. Dorothea (ehemals Friedensdorf, siehe Kasten) hat der Stiftungsrat beschlossen, das Bildungshaus auf Ende Juni 2016 zu schliessen. «Die Zahlen sind schlecht, seit Jahren werden Defizite geschrieben. Verein und Stiftung können das nicht mehr länger tragen», bestätigt dessen Präsident Andreas Haffter den Schritt auf Anfrage. An der letzten Versammlung Ende November erfuhren die Mitglieder von der Schliessung.

Task-Force soll Konzept erarbeiten

Haffter, bereits 2008 bis 2011 Stiftungsratspräsident, wurde im April erneut in dieses Amt gewählt. Auf seine Initiative hin wurde eine Task-Force mit Vertretern von Vereinsvorstand, Stiftungsrat, Haus- und Bildungsleitung gebildet. Ihr Auftrag: Möglichkeiten prüfen, um die Belegung zu verbessern. «Daraus entwickelte sich die Idee eines Neustarts», erklärt Haffter. «Dieser wäre allerdings mit erheblichen Umbauarbeiten verbunden. Denn im Haus wurden während Jahren keine grösseren Renovationen vorgenommen.»

Umbauarbeiten in Millionenhöhe

Ein Umbau könne nicht bei laufendem Kursbetrieb erfolgen. Vorgesehen sei deshalb, bis 30. Juni 2016 die Realisierbarkeit des Konzepts zu überprüfen. Es geht um Abklärungen in Bezug auf neue Kooperationspartner, Fundraising und Sanierungsmassnahmen der Liegenschaften. Haffter rechnet mit Kosten in Millionenhöhe.

Das vorgesehene Konzept schliesst an die Friedensbotschaft von Bruder Klaus an. Haffter erklärt: «Die Friedensarbeit rückt ins Zentrum, einerseits im Dialog unter den Konfessionen und mit anderen Religionen und anderseits in Form spiritueller Bildungsarbeit, wie es Via Cordis und andere im Haus bereits leisteten.» Vorstellbar sei – in Anknüpfung an das damalige Friedensdorf der Dorothea-Schwestern – Friedenscamps, Symposien und Schulungen ganz neuer Art zum Thema Frieden anzubieten, auch eine Zusammenarbeit mit internationalen Friedensorganisationen sei denkbar.

20 Mitarbeiter werden entlassen

«Wenn das Konzept realisiert werden kann, wird man grundsätzlich neu überdenken, welche Strukturen und Kompetenzen benötigt werden», kündigt der Stiftungsratspräsident an. Vorerst aber sind rund 20 Mitarbeiter (mehrheitlich in Teilzeitpensen) von der Schliessung betroffen und müssen eine neue Stelle suchen. Ab Januar geht die Betriebsführung an die Stiftung über, die auch die Liegenschaft besitzt. Der Verein wäre sonst in Insolvenz geraten. Die Schliessung auf Ende Juni aber ist definitiv. Für die Betroffenen sucht man laut Haffter bereits mit internen und externen Fachkräften nach Möglichkeiten, sie weiterzuvermitteln, etwa an das Alters- und Pflegezentrum Felsenheim in Sachseln oder das nahe Hotel Paxmontana. Für ab Juli bereits gebuchte Seminare bietet dieses Hotel auch Hand für Übernachtungen und den Seminarbetrieb.

2017 feiert Obwalden den 600. Geburtstag des Eremiten Bruder Klaus. Der Stiftungsrat gedenkt, das Haus zu diesem Jubiläum unter neuem Namen wiederzueröffnen – falls das geplante Konzept umsetzbar ist. Der Arbeitstitel laute «Friedenshaus Flüeli-Ranft».

Die Zukunft des Hauses ist offen

Haffter lässt sich zu den Realisierungschancen noch keine Einschätzung entlocken: «Das Konzept überzeugt und hat Kraft. Ob es realisiert werden kann, werden die nächsten Monate zeigen.»

Zu Fehlern in der Vergangenheit äussert sich der alte und neue Stiftungsratspräsident nur vorsichtig. In einem gewissen Sinn sei der Betrieb mit vielen ehrenamtlichen Gremien immer halb professionell gewesen. Das Defizit sei bisher von der Weggemeinschaft getragen worden.

Die Situation für Bildungshäuser in der Schweiz sei generell schwierig. Die Gästezahlen aus dem Euroraum seien auch wegen des Eurokurses stark rückläufig. Wie es mit dem Bildungshaus weitergeht, diese Frage beschäftigt die Dorfbevölkerung stark. Intensiv wird über dessen weitere Zukunft spekuliert. Falls es nicht zu einer Neueröffnung kommt, müsste die Immobilie veräussert werden.

Eine Geschichte voller Wechsel

Die Liegenschaft ist 1867 erstmalig urkundlich erwähnt worden. Um 1905 baute Johann Omlin das Hotel Stolzenfels, das 1907 als Sommer- und Pilgerhotel eröffnet wurde. 1949 kauften die Dorothea-Schwestern (nach der heiligen Dorothea von Kappadokien benannt) das Hotel und führten darin 30 Jahre lang eine private Mädchenschule.

Internat wurde Friedensdorf

1981 gaben die Schwestern den Internatsbetrieb auf. Das Haus lief fortan unter dem Namen Friedensdorf, das die Schwestern zusammen mit Jugendverbänden führten. 2001 mietete sich die Weggemeinschaft Via Cordis ein, um mit den Schwestern ein Bildungshaus zu führen.

Einsatz nach Hungerstreik

Das Haus wurde 1991 schweizweit bekannt durch die Aufnahme von Kurden, die als Asylsuchende in der alten Kollegi-Turnhalle in Sarnen untergebracht und in einen Hungerstreik getreten waren. Auch Prominente wie der Architekt Mario Botta setzten sich neben dem Solidaritätskomitee um Margrit und Alois Spichtig für die Kurden ein. Kurze Zeit nach Ablauf der Ausreisefrist tauchten die Kurden unter.

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