FLÜELI-RANFT: Er liebt, sammelt und bemalt sie

Seit drei Jahren sammelt Robert Schmidlin Gartenzwerge. 400 Exemplare bevölkern seinen Garten. Er ist gar eine Art Zwergendoktor.

Marion Wannemacher
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Die kleinen bunten Gesellchen sind aus seinem Leben kaum mehr wegzudenken: Robert Schmidlin und seine Gartenzwerge zu Hause in Flüeli-Ranft. (Bild Corinne Glanzmann)

Die kleinen bunten Gesellchen sind aus seinem Leben kaum mehr wegzudenken: Robert Schmidlin und seine Gartenzwerge zu Hause in Flüeli-Ranft. (Bild Corinne Glanzmann)

Rote Zipfel, so weit das Auge reicht: Vor dem Teich tummeln sich die kleinen Gesellen: Einer stützt sich auf einen Besen, ein anderer spielt Gitarre, wieder einer schmaucht gemütlich seine Pfeife. Sie sind von zwanzig Zentimeter bis zu einem Meter gross, aus Stein, Porzellan und Plastik. Zwerge rund ums Haus, Zwerge an der Garage, Zwerge auf einem Findling. Zwerge, so weit das Auge reicht. «Willkommen im Zwergenland!», steht auf einer handgeschriebenen Tafel auf einem Wurzelstock.

Flüeler Zwerge waren Grundstock

400 Gartenzwerge und Figuren gehören zu Robert Schmidlins Sammlung. Die meisten von ihnen hat er erst seit drei Jahren. Sie stammen aus Kägiswil, Alpnach, Olten, aus dem Bernbiet, aus Solothurn und aus Deutschland. Angefangen hat alles mit sieben Zwergen, die er mit dem Kauf des Hauses in der Nähe der Hohen Brücke zwischen Kerns und Flüeli übernahm, sozusagen Einheimische. Das war schon vor 23 Jahren. Auf den 40. Geburtstag bekam Schmidlin von seiner Cousine und deren Familie zehn weitere geschenkt. Vor drei Jahren ging es beim ehemaligen Landwirt richtig los mit der Sammelleidenschaft. Die Schweinezucht hatte er aus Gesundheitsgründen an den Sohn übergeben. Jetzt war Zeit für ein Hobby. Aus dem Dorf trug ihm jemand 40 verwaiste Zwerge aus einer Haushaltsauflösung an, die sonst im Müll gelandet ­wären.

Zwergendoktor

Zwei Inserate waren erfolgreich: «Wo sind die Gartenzwerge, die im Frühling in neuem Glanz in Ihrem Garten erscheinen oder bei mir ein neues Zuhause finden?», hatte Schmidlin darin gefragt, der gebürtig aus Schlierbach bei Sursee stammt. Von einem Sammler konnte er gleich 50 Exemplare übernehmen. In diesem Jahr gab ihm jemand gegen einen Obolus gar 63 Zwerge und Figuren ab. Mittlerweile haben sich Schneewittli, Eichhörnchen und sogar Schafe und eine Kuh dazugesellt. Andere bringen ihre Zipfelträger zum Flicken und Auffrischen zu Schmidlin. «Ich bin schon ein bisschen ein Zwergendoktor», schmunzelt er.

Immer fleissig

Der grösste Feind des Gartenzwergs sind Sonne und klirrende Kälte. Im Winter wäscht und verräumt sie der 57-Jährige sorgsam in Schachteln. Oder malt sie in seinem Büro frisch an. Robert Schmidlin liebt diese Arbeit: «Die Zwerge, die geben dir so viel. Die schauen dich so friedlich an, und jeder Zwerg hat eine Ausstrahlung.» Eigentlich gebe es nur männliche Zwerge, überlegt er. Und: «Sie arbeiten immer etwas.» Schon 700 Jahre vor Christus habe man sie gekannt, weiss er. Entführt wurde ihm noch keiner. Und falls doch: Der leidenschaftliche Sammler würde seine Zwerge an der speziellen Hautfarbe wiedererkennen und an einem besonderen Kennzeichen, das nur seine Zwerge haben. Und nur er nicht verrät.

Robert Schmidlin ist ein freundlicher Mensch, kleine Lachfältchen umspielen seine Augen. Und er mag Menschen. Seit er die Zwerge sammelt, hat er noch viel mehr Begegnungen als früher. Seine Frau Irma hat sich mit seinem speziellen Hobby mittlerweile angefreundet. Im Garten steht ein Stübli. Das will er noch herrichten. Auf beiden Seiten will er Borte anbringen – natürlich für die Zwerge. «Ein Krug heisses Wasser soll hingestellt werden für ‹Zwergenkaffee›.» Wer vorbeischaut, der bekommt einen Espresso. Auf der Untertasse liegt ein Zwerg aus Fruchtgummi.

Erinnerungen an die Kindheit

«Die Leute haben so Freude», erzählt er. «Wenn ich da bin, wollen sie mit mir über meine Sammlung sprechen. Manche kommen extra mit ihren Grosskindern und zeigen ihnen die Zwerge.» Wie auf Kommando drosselt ein Peugeot mit dem Kennzeichen Baselland das Tempo. Unschlüssig schaut sich die Fahrerin um. Robert Schmidlin geht auf beide zu und lädt sie ein, sich umzusehen. Es ist eine ehemalige Sarnerin mit ihrer Tochter. «Per Zufall sind wir hier vorbeigekommen», freuen sich die beiden. «Als Kind hatte ich selbst einen Gartenzwerg», erzählt Celia Burch. «Heute steht er auf dem Balkon meiner Mutter.»

Jeder Sammler hat ein Ziel. Bei Robert Schmidlin lautet die Marge 500. Danach sollen ihm Interessenten Zwerge abkaufen dürfen. Ein Sammler, der loslassen kann. «Fast alle», schmunzelt Schmidlin. «Bis auf meinen Lieblingszwerg, den grossen mit dem Besen.»