FLÜELI-RANFT: Er macht mit 80 das ganze Dorf happy

Es gibt Leute, die sind einfach da, wenn man sie braucht. So einer ist Otto Hüppi. Seit kurzem ist er Ehrenmitglied im Dorfverein. Und das mit gutem Grund.

Marion Wannemacher
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Otto Hüppi schaut in Flüeli-Ranft nach dem Rechten. Hier beim Blumengesteck des Dorfbrunnens. (Bild Marion Wannemacher)

Otto Hüppi schaut in Flüeli-Ranft nach dem Rechten. Hier beim Blumengesteck des Dorfbrunnens. (Bild Marion Wannemacher)

Mindestens einmal täglich ist Otto Hüppi in Flüeli-Ranft anzutreffen. Die Prospektwand am Kiosk auffüllen, den Dorfbrunnen putzen, vom Picknick- bis zum Dorfplatz schaut er nach dem Rechten, gibt nebenher noch Touristen Auskunft. Jahrelang hat er an der Bundesfeier am 1. August im Flüeli das Zepter geschwungen, auch heute hilft er noch tatkräftig mit. Am Dorffest nach dem Dorfrennen steht er am Grill, an Waldsamichlaus macht er das Feuer. «Ich bin so eine Art ‹Mädchen für alles›», witzelt Hüppi.

Wegschauen geht nicht

«Otto, wenn wir dich mal nicht mehr haben – wer macht das?», habe ihm mal jemand vom Verkehrsverein gesagt. Warum er sich so einsetzt? Otto Hüppi ist einfach hilfsbereit. Wegschauen ist nicht seine Art: Wenn es der Nachbar nicht mehr schafft, den Rasen zu mähen – Otto Hüppi springt ein. Dieses Jahr feierte er seinen 80. Geburtstag. Vor kurzem hat ihn der Dorfverein Freunde Flüeli-Ranft als Ehrenmitglied ausgezeichnet. Dessen Präsident Erich Omlin sagt: «Otto mit seinem sonnigen Gemüt ist die gute Seele vom Ort. Wo Hilfe und Unterstützung nötig sind, packt er tatkräftig mit an.» Auch seine Fahrdienste würden sehr geschätzt, weiss Erich Omlin.

Zu Gast bei den Hüppis

«Hast du schon einen Kaffee gehabt?», fragt Otto Hüppi die Postbeamtin, die ihm gerade Briefe in die Hand drückt. «Bei uns ist immer Tag der offenen Tür.» Wer vorbei kommt, landet am Küchentisch. Die Küche sei Lesesaal, Sekretariat, alles, ulkt seine Frau Susann, die wie er nicht auf den Mund gefallen ist.

Gastfreundschaft wird im Hause Hüppi gross geschrieben. «Schon meine Eltern waren so», sagt Otto Hüppi. Der Vater war Posthalter, der Bruder auch. Er selber ist in der alten Post an der Bachgasse auf die Welt gekommen. Zwei Jahre nach der obligatorischen Schulzeit half er dem Vater beim Postzustellen. Danach absolvierte er eine Metzgerlehre in Luzern.

Aufenthalt kurzerhand verlängert

Auf dem Küchentisch liegen zwei französischsprachige Tageszeitungen aus der Westschweiz. Noch immer halten sich die Hüppis über ihre frühere Heimat auf dem Laufenden. «Mit 20 Jahren habe ich in Vevey einen Aufenthalt absolviert», erklärt Otto Hüppi. «Der hat dann 36 Jahre gedauert.» Am Genfersee habe er dann seine «Susi», wie er seine Frau liebevoll nennt, kennen gelernt. Sie stammt aus dem Emmental, genauer gesagt aus Arni bei Biglen, und wollte wie er in der Region Französisch lernen.

Sie bekamen vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Söhne. «Einen Sohn haben wir leider mit 38 Jahren verloren, das war vor 14 Jahren.» Ein Schmerz, über den er lieber nicht redet. Ingesamt haben Otto und Susann Hüppi sechs Enkel und vier Urgrosskinder.

Die Rückkehr an den Geburtsort

Otto Hüppi war sein Leben lang Metzger. In der Westschweiz leitete er zuletzt mit zwei Kollegen einen eigenen Betrieb. Durch Coop und Migros seien die «Kleinen» aber mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Ein Los, das auch ihn traf. Hüppi und seine Frau kehrten an seinen Geburtsort zurück. Er arbeitete fortan in der Fleischabteilung der Migros in Sarnen und übernahm das Haus seiner Eltern, unweit seines Geburtshauses.

Lieblingsplatz mit Traumaussicht

Als Metzger mit Leib und Seele steht Otto Hüppi an vielen Abenden an seinem Cheminée mit Aussicht auf den Sarnersee und auf Obwalden. «Das ist meine Kritikerloge», sagt er mit seinem trockenen Humor. Es sei schon vorgekommen, dass Nachbarn vom Obersbiel den Grillrauch sahen und wussten: Es lohnt sich, auf eine Cervelat vorbei zu kommen.