FLÜELI-RANFT: Fingerspitzengefühl und Engelsgeduld gefragt

Edith Haller Agner ist EDV-Instruktorin für Blinde. Mit spezieller Software öffnet sie ein Tor zur Welt der Sehenden.

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EDV-Instruktorin Edith Haller installiert mit Alfred Wallimann neue Blindenprogramme. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

EDV-Instruktorin Edith Haller installiert mit Alfred Wallimann neue Blindenprogramme. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Bei Alfred Wallimann klingelt es. Vor der Tür steht Edith Haller mit einem schwarzen Rollköfferchen. Alfred Wallimann freut sich über ihren Besuch. Seit er in die neue Wohnung im Alpnacher Wohnquartier beim Bahnhof gezügelt ist, funktioniert sein Computerprogramm zum Zeitunglesen nicht mehr. Der 72-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren blind.

Kiosk im Computer
Edith Haller holt ihr Notebook aus dem Rollköfferchen, fährt es hoch und macht sich an die Arbeit: «Beim Herunterladen der Zeitungen hängt sich der ?elektronische Kiosk?, das Programm für Blinde zum Zeitunglesen, immer wieder auf», so die Diagnose der Fachfrau. Sie installiert die neuste Version des Kiosks. Alfred Wallimann ist froh, endlich wieder Zeitung lesen zu können.

Lesen für Blinde? Dank Sprachwiedergabe machts der Computer möglich. «Jetzt schauen wir mal, was es für neue Zeitungen im Kiosk gibt, die du noch nicht hattest», schlägt ihm die 46-Jährige vor. Mit dem Zehnfingersystem kommt er auch ohne zu sehen auf der Tastatur gut zurecht. Eine Maus können Blinde nicht bedienen.

«Nimm mal den Befehl ?F3?, dann hörst du, was du dir alles herunterladen könntest», erklärt ihm die EDV-Instruktorin, die bei der Luzerner Firma Accesstech AG angestellt ist. Und tatsächlich – der Computer liest mit monotoner, aber gut verständlicher Stimme eine reichhaltige Auswahl verschiedener Zeitungen und Zeitschriften vor: NZZ, «SonntagsZeitung», «MittellandZeitung», «Le Matin», sogar den «K-Tipp» gibt es. Als Übung wählt Alfred Wallimann den «Tagesanzeiger» aus und lädt ihn mit dem entsprechenden Befehl herunter. Der Computer sagt den Fortschritt des Download-Prozesses in Prozenten an, danach kann Wallimann die Rubrik starten, um sich schliesslich in der ausgewählten Rubrik für einen Artikel zu entscheiden.

Marion Wannemacher

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Obwaldner Zeitung.