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FLÜELI-RANFT: Fussbad hält Schafen Krankheit vom Leib

Bevor es auf die Alp geht, haben Schafe durch ein Bad gegen Klauenfäule zu waten. Nicht alle Tiere machen freiwillig mit – doch es gibt kein Entrinnen.
Marion Wannemacher
Niklaus von Moos (vorne) und Arthur Bucher treiben die Schafe zur Desinfektion durch ein Klauenbad, bevor sie auf die Alp fahren. (Bild Boris Bürgisser)

Niklaus von Moos (vorne) und Arthur Bucher treiben die Schafe zur Desinfektion durch ein Klauenbad, bevor sie auf die Alp fahren. (Bild Boris Bürgisser)

Lektion Nummer eins: Schafe «fahren» auf die Alp, auch wenn sie laufen. Ihn habe einmal ganz enttäuscht ein kleiner Bub gefragt, warum sie jetzt doch wandern müssten und gar nicht fahren würden, schmunzelt Schafhalter Niklaus von Moos (70) aus Flüeli-Ranft. Er ist Mitglied der Kommission, die im Auftrag der Korporation Sachseln dafür sorgt, dass der Schafberg ordnungsgemäss bewirtschaftet wird. Für vier Schafherden ist es an jenem Freitagabend so weit mit der «Alpfahrt». Doch vorher müssen alle durch ein Fussbad: Niklaus von Moos öffnet das Gatter zum Betonbecken mit der milchigen Flüssigkeit und treibt sie hinein. Halterkollege Arthur Bucher hilft ihm. So ganz freiwillig wollen nicht alle da rein. Doch es gibt kein Entrinnen. Die beiden Männer geben klare Ansagen, bis auch das letzte Tier im Klauenbad steht. Gatter hinten auf, Schafe raus, die nächsten bitte.

Schafe können schwimmen

Der Wirkstoff ist gegen die Klauenfäule und beugt wie eine Spritze gegen Räude und Parasiten vor. Das Bad soll verhindern, dass sich Klauen durch Bakterien entzünden, was eine Isolation des erkrankten Tieres und gründliches Schneiden der betroffenen Klauenteile zur Folge hätte. Bis vor etwa drei Jahren kamen die Schafe gar noch in ein Vollbad gegen Krankheiten, erzählt Niklaus von Moos. Weil es aber immer weniger Schafe seien, lohne sich das Mittel dafür nicht mehr. «Zu teuer», sagt er. Übrigens: Ja, Schafe können schwimmen. «Wir mussten sie ein- bis zweimal untertunken, damit das Mittel auch effektiv wirken konnte», so von Moos.

Gesund müssen sie sein, die rund 70 bis 80 Schafe, die zur Sömmerung auf den Schafberg ob dem Flüeli kommen. «Wenn eines hinkt, sieht man das schnell beim Abladen vom Hänger. Das Tier wird ausgesondert», erklärt Niklaus von Moos. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Defekt weitervererbt wird. Nur ein einziger Zuchtwidder darf mit hoch, denn sonst gäbe es Kämpfe und möglicherweise auch Ausfälle – und im schlimmsten Fall gar keine Lämmer. Verwertet wird vom Schaf heute hauptsächlich noch das Fleisch, die Wolle werde höchstens als Isolationsmaterial verwendet, erklärt Niklaus von Moos.

Auf sich allein gestellt am Berg

Die Schafe müssen auf dem Schafberg die meiste Zeit allein zurechtkommen. Jeweils am Wochenende wandert einer der vier Schafhalter zu ihnen bis zu 1900 Metern über Meer hinauf, zählt die einzelnen Tiere, sucht den Widder, schreibt ein Protokoll über seine Beo­bachtungen, das er in der Schafberghütte hinterlässt und gibt den Tieren das für sie nötige Salz. Die Tiere zu finden, sei meistens kein Problem, obwohl das Gelände riesig sei und die Hage weit auseinander lägen, weiss von Moos aus Erfahrung: «Die Schafe sind immer ganz zuoberst, wenn es warm ist, liegen sie wie aufgereiht auf dem Grat, bei schlechtem Wetter bleiben sie im Wald.»

Haftpflichtversicherung für Tiere

Auch wenn manche Hänge «stotzig» sind, stürze kaum eines der Schafe ab, sagt Niklaus von Moos. Schäden gebe es höchstens durch Steinschlag oder Unwetter. «Wir haben sehr wenige Ausfälle.» Allerdings sind alle Schafe haftpflichtversichert. Tritt zum Beispiel ein Schaf einen Stein los, der einen Wanderer trifft, ist für den Fall der Fälle vorgesorgt.

Bis Herbst hat der Widder Zeit, seine potenziellen Partnerinnen zu beglücken. Lammen werden sie dann erst im Spätherbst unten im Tal. «Wenn die Zeit zur Rückkehr gekommen ist, dann treiben wir sie auf der Alp zusammen. Dann streuen sie auch mehr, um Futter zu finden und sind nicht mehr so dicht in Gruppen zusammen», berichtet der 70-Jährige. Für den Fall, dass eines zurückbleibt, gibt es eine Nachkontrolle.

Die «Fahrt» geht los

Gleich nach Klauenbad und Impfaktion jedenfalls geht es hoch auf die Alp. Durch den Wald hinauf hört man von weitem den Hirten, wie er den Schafen zuruft: «Chum, Häli, Häli». Eineinhalb Stunden brauchen sie, bis sie ankommen. Der Alpsommer kann beginnen.

Marion Wannemacher

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