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FLÜELI-RANFT: In der Natur entdecken sie Töne für den Komponisten

250 Obwaldner Schulkinder nehmen Töne aus der Natur im Ranft auf. Daraus komponiert Christoph Blum eine «Ranftsuite» fürs ­Luzerner Symphonieorchester.
Marion Wannemacher
Schüler der Klasse 3b aus Giswil nehmen mit Projektleiterin Stefanie Dillier (Mitte) Töne aus der Natur für die «Ranftsuite» auf. (Bild Marion Wannemacher)

Schüler der Klasse 3b aus Giswil nehmen mit Projektleiterin Stefanie Dillier (Mitte) Töne aus der Natur für die «Ranftsuite» auf. (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Vier Buben wuchten Schwemmholzstämme ins Wasser, dass es nur so platscht. An einem anderen Ort trommelt jemand mit Stecken auf einem Stamm. Drei Mädchen lassen Sand aus den Händen auf eine am Ufer vergessene Auluschale rieseln. Dazu rauscht die Melchaa. Was von weitem wie ein Schulreisli aussieht, ist die Klasse 3b der Schule in Giswil, die sich an einem der 90 Mitmachprojekte für das Gedenkjahr von Niklaus von Flüe beteiligt.

«Ranftsuite» für KKL-Konzert

Und nicht nur die 16 Giswiler Schüler sind dabei, insgesamt 250 Primarschüler aus dem ganzen Kanton Obwalden «sammeln» noch bis Ende September Töne aus der Natur im Ranft. Daraus komponiert der Obwaldner Christoph Blum, der nach abgeschlossenem Bachelor-Studium an der Hochschule Luzern nun seinen Master in Rotterdam macht, eine «Ranftsuite». Zu Gehör wird sie das Luzerner Symphonieorchester im Rahmen eines Familienkonzerts am 12. März 2017 im KKL Luzern bringen. Das Orchester ist gemeinsam mit dem Trägerverein «600 Jahre Niklaus von Flüe» und dem Kanton Obwalden Träger des Projekts.

Numa Bischof Ullmann, der Intendant des Luzerner Symphonieorchesters, hat grosse Erwartungen daran: «Wir haben die Hoffnung, dass viele Kinder durch das Projekt in der Kombination von Musik und der Geschichte in ihrem Kanton ihre musische Ader entdecken und entwickeln können. Durch die faszinierende Gelegenheit, mit einem Symphonieorchester und einem Komponisten zusammenzuarbeiten, haben sie die Möglichkeit, die Welt der klassischen Musik zu entdecken, was eine wertvolle Entwicklung für die Persönlichkeit bedeutet.»

Rollendes Klassenzimmer

Die 16 Buben und Meitli der 3b von Bruno Amstalden jedenfalls sind mit Begeisterung dabei. Im Musikwagen des Symphonieorchesters, sozusagen einem rollenden Klassenzimmer, führt sie Projektleiterin Stefanie Dillier am Morgen im Dorf kindgerecht in die Welt der Klänge und Töne ein.

Die Kinder können mit selbst gewählten Gerätschaften Klangstücke erfinden. Mit Spateln, Steinen, Holzlöffeln, Magneten, einer Murmel in der Chromschüssel und Racletteschaufeln wird geklopft, getrommelt, geratscht und gerollt. Die ausgebildete Rhythmikpädagogin lenkt den Blick auf die Komposition. «Wie habt ihr welchen Gegenstand eingesetzt? Seid ihr zufrieden, wie es rübergekommen ist? Könnt ihr eure Darbietung wiederholen?»

Sie ist Musikschulleiterin von Alpnach und Musikschullehrerin von Sachseln, unterrichtet an der Schule Sarnen und ist zuständig für das «Klingende Klassenzimmer». Erfolg hatte sie bereits am Zentralschweizer Jodelfest in Sarnen mit dem Jodelprojekt «Oh myys liäbs Obwaldnerländli» für die Primarschüler aus fünf Gemeinden im Kanton. «Ziel hinter dem Projekt Ranftsuite ist, den Ent­stehungsprozess einer Komposition mit­zuverfolgen. Wie funktioniert das? ­Christoph Blum wird nicht einfach die Naturgeräusche einbauen, sondern um­wan­deln», erklärt Stefanie Dillier. Ein Steinplatscher wird also durch ein Instrument wiedergegeben. «Die Kinder können per Blog, Mail oder SMS mit ihm in Kontakt kommen», erklärt sie. «Was war die Hörwelt von Bruder Klaus?», habe sie sich gefragt, erzählt Stefanie Dillier. «Auf sich allein gestellt, was hat er wohl wahrgenommen?», fragt die Pädagogin.

Blätterrauschen bis Vogelstimmen

Was sie im Ranft erwartet, weiss Schülerin Maria Delle Fiamme genau: «Der Bach, Vogelgezwitscher, Blätterrauschen, Steine, die herunterrollen.» Beim Tönesammeln sind die Drittklässler kreativ: Carina Rohrer und Sofia Windlin legen Steine auf einen Baumstamm. Carina klopft mit Steinen den Takt, Sofia trommelt mit einem Stecken die höheren Töne. «Das ist unser Xylofon», erklären sie und spielen «alle meine Entlein» ins Aufnahmegerät. Was wohl Christoph Blum daraus macht? Die Antwort gibts am 12. März im KKL. «Die Zusammenarbeit mit Kindern ist wertvoll. Insofern ist es ein visionäres Projekt», findet Intendant Numa Bischof Ullmann. «Als Luzerner Symphonieorchester sind wir auch stolz, dazu beitragen zu können, dass der Mythos des Ortes erhalten bleibt und die Festlichkeiten im Gedenkjahr Ausstrahlung erlangen.»

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